LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 411/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 13.03.2020, 12:17:10


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ), LTAbg. Dr. Werner Murgg (KPÖ)
Fraktion(en): KPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Diabetes Nanny für Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen

In Fällen chronischer Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen sind deren Eltern, aber auch LehrerInnen und Betreuungspersonen besonders gefordert. In Österreich sind mehr als 190.000 Kinder und Jugendliche durch chronische Erkrankungen wie Asthma, Allergien, Diabetes, Epilepsie und Rheuma betroffen. Für Eltern gibt es zwar die Möglichkeit, eine professionelle Kinderkrankenpflegehilfe für ihr Kind für die entsprechende Betreuungseinrichtung zu beauftragen. Dies ist jedoch mit erheblichen Kosten verbunden.

Gewisse Hilfen stehen den angesprochenen Eltern über zuständige Referate in Stadt und Land, oder auch über Versicherungen und Vereine (z.B. KiB) zur Verfügung. Dennoch bleiben verschiedene Hürden:

Vor allem stellt sich die Suche nach einem Krippen- oder Kindergartenplatz als äußerst schwierig heraus. Das Betreuungspersonal schreckt bei der Aufnahme von Kindern mit chronischer Erkrankung oft zurück. Die Befürchtung vor einem zu großen Mehraufwand sowie die zusätzlich notwendigen Ausbildungen für das Personal sind mit den meist knappen personellen Ressourcen (wenige BetreuerInnen und große Gruppen) in der Regel schwer vereinbar. Das Betreuungspersonal ist zudem mit einer hohen Verantwortung und der ungeklärten Haftungsfrage bei der Handhabung von Hilfsmitteln bzw. Verabreichung von Medikamenten bei chronisch kranken Kindern konfrontiert. Im Gegensatz zur Rechtslage bei Kinderkrippen und Kindergärten übernimmt für LehrerInnen seit 2017 der Bund die Haftung.

Nachdem das Steiermärkische Behindertengesetz im Fall chronischer Erkrankungen nicht angewendet werden kann, decken die Referate der Stadt und des Landes Steiermark die erheblichen Betreuungskosten für zusätzliches und geschultes Personal nicht ab.

Es ist also eine Frage des guten Willens der Betreuungskräfte gegenüber den Eltern, ob ihre Schützlinge überhaupt einen Betreuungsplatz erhalten. Eine gewünschte örtliche Nähe der Betreuungseinrichtung zum Wohnort oder Arbeitsplatz der Eltern, damit man im Notfall schnell bei seinem Kind ist, gilt als sehr unwahrscheinlich. Und die BetreuerInnen werden von Stadt und Land mit ihrer großen Verantwortung alleine gelassen.

Da besonders die Krippen noch nicht für chronisch kranke Kinder ausgelegt sind, der Bedarf aber jedenfalls gegeben ist, sprechen sich ExpertInnen für das neue Berufsbild der „Diabetes Nanny“ aus. Die dazu erforderlichen Qualifikationen wären: Diplom. Kinder-KrankenpflegerIn mit der Ausbildung Diabetes Care (medizinischer Universitätslehrgang) und einer Einschulung durch medizinisch qualifizierte ExpertInnen.

Es besteht außerdem der dringende Wunsch nach öffentlicher Finanzierung durch das Land, und die Krankenkassen sowie nach fixen Finanzierungsverträgen, wie es sie in Salzburg, Tirol und Wien bereits gibt.

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) fordert seit längerem die Ausbildung zur „School Nurse“, wie sie bereits in Skandinavien, England und den USA angeboten wird. Da es in Österreich einen massiven allgemeinen Mangel an Pflegepersonal gibt, würden Ausbildung und Einrichtung von „Diabetes Nannys“ und weiterführend einer „School Nurse“ (Schulen und Kindergärten sind in die Forderung unbedingt mit einzubeziehen) eine deutliche Aufwertung des Pflegeberufes bedeuten.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. die Ausbildung zur „Diabetes Nanny“ zu forcieren sowie
  2. eine Regierungsvorlage samt entsprechendem Finanzierungsmodell auszuarbeiten, mit der die Grundlage geschaffen wird, dass betroffene Eltern bzw. Einrichtungen (Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen) bei Bedarf eine „Diabetes Nanny“ anfordern können.

Unterschrift(en):
LTAbg. Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ), LTAbg. Dr. Werner Murgg (KPÖ)