LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 949/1

Regierungsvorlage

eingebracht am 07.06.2016, 16:22:48


Geschäftszahl(en): ABT12-1829/2016-62
Zuständiger Ausschuss: Wirtschaft
Regierungsmitglied(er): LTAbg. Mag. Christian Buchmann (ÖVP)
Beilagen: Wirtschaftsbericht 2015

Betreff:
Wirtschaftsbericht 2015

Gesetzliche Grundlage

Gemäß § 9 Abs. 5 des Steiermärkischen Wirtschaftsförderungsgesetzes ist vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung jährlich der Steirische Wirtschaftsbericht zu erstellen. Dieser ist bis spätestens 30. April des jeweiligen Folgejahres dem Beirat zur Begutachtung vorzulegen. Nach Begutachtung durch den Beirat ist der Bericht vom zuständigen Mitglied der Landesregierung mit der Empfehlung des Beirates der Landesregierung vorzulegen und von dieser dem Landtag Steiermark zur Kenntnis zu bringen.

Der gegenständliche Wirtschaftsbericht 2015 wurde nach termingerechter Aussendung durch die Abteilung 12, Referat Wirtschaft und Innovation, als Geschäftsstelle des Wirtschaftsförderungsbeirates, von den Beiratsmitgliedern im Umlaufwege einstimmig positiv begutachtet.

Wirtschaftsbericht 2015 - Aufbau

Der Wirtschaftsbericht 2015 ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Hauptbereiche „Wirtschaft und Beschäftigung“ sowie „Wirtschaftsförderung in der Steiermark“ und enthält wie in den Wirtschaftsberichten der letzten Jahre eine ausführliche Darstellung über die Beteiligungen der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. im Jahr 2015. Die Indikatoren des Wirtschaftsradars bieten einen mehrjährigen Überblick der wirtschafts-, struktur- und beschäftigungspolitischen Entwicklungen und sind nach den fünf Kernstrategien der „Wirtschaftsstrategie Steiermark 2020 – Wachstum durch Innovation“ aufgegliedert. Ein zusätzlicher Exkurs informiert über die Gemeindestrukturreform in der Steiermark, das Asylwesen in Österreich und die Wertschöpfungseffekte durch den Außenhandel. Diverse Graphiken und ein ausführlicher Tabellenteil ergänzen die Ausführungen.

Das Kapitel „Wirtschaft und Beschäftigung“ berichtet über die internationale konjunkturelle Entwicklung des Jahres 2015 und richtet den Fokus sodann auf Österreich und insbesondere die Steiermark. Zentrale Themenfelder bilden die demographische Entwicklung in der Steiermark, Wanderungsbewegungen, Migration, die Beschäftigungslage, Lehrlingsausbildung, Einkommenssituation am Arbeits- und Wohnort, Arbeitslosigkeit in der Steiermark, Unternehmensgründungen und die internationale Wirtschaftsverflechtung der Steiermark sowie der Bereich Technologie und Innovation. Dabei ist hervorzuheben, dass die Steiermark eine F&E-Quote von 4,8 % (verfügbare Datenbasis 2013) erreicht hat und damit den ersten Platz im Bundesländerranking einnimmt. Mit diesem Wert zählt die Steiermark auch weiterhin unter den 274 Regionen Europas zu den Spitzenreitern.

Das Kapitel „Wirtschaftsförderung in der Steiermark“ informiert über die Rahmenbedingungen auf EU- und Bundesebene und liefert einen Überblick über die Förderungen für die steirischen Unternehmen sowohl von Seiten des Bundes (Austria Wirtschaftsservice GmbH und Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) als auch der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. (SFG), wobei die Förderungsmaßnahmen der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft anhand der fünf Kernstrategien dargestellt werden. Dabei wird insbesondere über die Breitbandstrategie Steiermark „Highway 2020“ und über das EU-Programm „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung Österreich 2014-2020“ informiert.

Das Wirtschaftsradar informiert über die kontinuierliche Entwicklung wesentlicher Wirtschaftsdaten (z. B. F&E-Ausgaben, Exportquote und Exportumsätze, Bruttoregionalprodukt, Bruttowertschöpfung etc.) und die Programmindikatoren des Jahres 2015 geben Einblick in Zielerreichungsgrößen innerhalb der einzelnen Kernstrategien.

Der angeschlossene Exkurs informiert über die Ziele und Auswirkungen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark, die in mehreren Phasen bis zum 01.01.2015 umgesetzt werden konnte. Da Österreich bzw. Europa aufgrund einer großen internationalen Flüchtlingswelle im Jahr 2015 vor bedeutenden Herausforderungen stehen, ist dem Thema „Asyl in Österreich“ ein Abschnitt gewidmet. Da dem Export bzw. den internationalen Handelsverflechtungen große wirtschaftliche Bedeutung zukommt, werden die Wertschöpfungseffekte durch den Außenhandel genau beleuchtet.

Die Beteiligungen der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. des Jahres 2015 sind in übersichtlicher Weise zusammenfassend dargestellt und bieten Informationen über die verschiedenen Tätigkeitsfelder.

Die wesentlichsten Kernaussagen für 2015

Internationale Konjunktur global und in Europa

Laut Schätzung des Internationalen Währungsfonds betrug das Wachstum des realen Weltprodukts im Jahr 2015 +3,1 % und lag damit unter dem Wachstum des Vorjahres (+3,4 %).Trotz positiver Faktoren wie dem niedrigen Rohölpreis, im Euroraum dem niedrigen Euro-Kurs sowie den geringen Refinanzierungskosten, die sich positiv auf die Exporte und den privaten Konsum auswirkten, blieb die Investitionsneigung gedämpft. Dies lag in erster Linie an einem spürbaren Anstieg politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten sowie einem weiteren Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik in den Schwellenländern. In China lag das Wachstum mit +6,9 % erstmals seit Jahrzehnten unter dem Schwellenwert von +7 %, Russland verzeichnete – bedingt durch den niedrigen Ölpreis und die westlichen Sanktionen – eine Rezession (-3,7 %). Die USA wiesen dagegen ein vergleichsweise robustes Wachstum von +2,5 % auf.

Im Euroraum, der 2013 von einer Rezession gekennzeichnet war, zeigte sich nach 2014 auch 2015 (+ 1,6 %) ein verhaltener Aufschwung (EU-28: +1,9 %). Mit Ausnahme von Griechenland und Finnland (0,0 %) konnten alle Länder der EU-28 die Rezession überwinden und positive Wachstumsraten erzielen (Deutschland +1,7 %, Frankreich +1,1 %, Italien +0,8 %, Spanien +3,2 %).

Konjunkturelle Entwicklung in Österreich

Die österreichische Wirtschaft wuchs im Jahr 2015 um +0,7 %. Starke Impulse kamen dabei vom Außenhandel (+2,2 %), während sich der private Konsum (+0,4 %) aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und der schwachen Einkommensentwicklung nur moderat entwickelte. Insgesamt dämpften ungelöste strukturelle Probleme (steigende Ausgaben für Pensionen, Schulden etc.) die Erwartungen. Dennoch stieg die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um +1,0 %, wobei diese Entwicklung nicht ausreichte, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Allerdings konnten die Warenexporte zu den drei wichtigsten Handelspartnern Deutschland, USA und Italien ausgeweitet werden. Exportrückgänge waren nach Frankreich und China zu verzeichnen. Aufgrund der wechselseitigen Sanktionen brachen die Exporte nach Russland deutlich ein.

Konjunkturelle Entwicklung in der Steiermark

Die Steiermark war 2015 von der weiterhin instabilen internationalen Wirtschaftslage geprägt. So reduzierte sich die gesamte abgesetzte Produktion (Umsatz) des produzierenden Bereichs der Steiermark um -3,0 % auf € 34,2 Mrd. Die Entwicklung der gesamten steirischen Produktionstätigkeit war von Produktionsrückgängen gekennzeichnet. Gegen den negativen Gesamttrend konnten allerdings im Jahr 2015 beispielsweise der Maschinenbau (+5,9 %), der Bereich Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten (+9,6 %), Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (+8,1 %) sowie die Produktion von Papier, Pappe und Waren daraus (+4,3 %) hohe Produktionszuwächse realisieren.

Das schwache konjunkturelle Umfeld sowie das geringe Beschäftigungswachstum brachten auch für 2015 keine Entspannung am Arbeitsmarkt. Die Zahl der als arbeitslos vorgemerkten Personen stieg am steirischen Arbeitsmarkt (+6,2 %, Frauen +4,7 %, Männer +7,3 %, Österreich-Vergleich +11,0 %), auch die Schulungsaktivität wurde deutlich verringert und Personen blieben länger in Arbeitslosigkeit.

Trotz der relativ schwachen Konjunktur in der Steiermark konnte die unselbstständige Aktivbeschäftigung 2015 um +4.687 (+1,0 %) Beschäftigungsverhältnisse erhöht werden und beläuft sich 2015 auf durchschnittlich 477.477 Beschäftigungsverhältnisse. Geschlechterspezifisch betrachtet konnten in der Steiermark im Jahresdurchschnitt 2015 Frauen (+1,3 %) etwas mehr als Männer (+0,7 %) von der Beschäftigungsausweitung profitieren. Im Gegensatz zum Vorjahr brachte 2015 für den Dienstleistungssektor eine starke Beschäftigungsausweitung (+1,9 %, +6.098 Beschäftigungsverhältnisse), wobei aber zu berücksichtigen ist, dass rd. 1.600 Beschäftigte durch eine Umgliederung dem Dienstleistungsbereich neu zugeordnet wurden. Beschäftigungszuwächse erfolgten in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Vermietung von beweglichen Sachen, Mineralölverarbeitung, chemische und pharmazeutische Erzeugung, Land- und Forstwirtschaft, Elektroindustrie sowie im Bereich Information und Kommunikation.

2015 wies die Steiermark 5.990 Unternehmensneugründungen (vorläufige Ziffer, inkl. 2.066 selbstständige Personenbetreuer/-innen) auf. Das entspricht einem Plus von +8,0 % (+442 Gründungen) und stellt die höchste je gemessene Anzahl von Gründungen in der Steiermark dar. Das steirische Gründungsgeschehen wurde 2015 insbesondere von der Sparte Gewerbe und Handwerk sowie der Tourismus- und Freizeitwirtschaft getragen. 88,9 % der Neugründungen waren Einzelunternehmensgründungen, wobei 65,8 % der Neugründungen von Einzelunternehmen auf Frauen entfielen. Das Durchschnittsalter der Gründerinnen und Gründer beträgt in der Steiermark 40,1 Jahre (Österreich: 39,6 Jahre). Generell ist in Österreich eine Zunahme des Alters bei Gründerinnen und Gründern festzustellen.

Für 2015 wird nach einer Schätzung von Joanneum Research mit einem Warenexportvolumen für die Steiermark von € 19,8 Mrd. (+2,0 % gegenüber dem Vorjahr) gerechnet. Die geschätzte Warenexportquote für das Jahr 2015 betrug 46 % und lag somit weiter deutlich über dem österreichischen Durchschnitt. Genaue Zahlen der STATISTIK AUSTRIA liegen für 2014 vor und weisen für die Steiermark einen Zuwachs von +1,8 % auf. Der Anteil der Steiermark an den gesamtösterreichischen Warenexporten erreichte im Jahr 2014 mit 15,1 % nach Oberösterreich und Niederösterreich den dritten Rang im nationalen Vergleich. Insgesamt wies die Steiermark eine positive Warenhandelsbilanz aus. Im Jahr 2014 standen Warenexporte von € 19,4 Mrd. Importen von € 13,5 Mrd. gegenüber. Damit erreichte die Steiermark einen positiven Warenbilanzsaldo von rund € 5,9 Mrd. Zu den wichtigsten Exportgütern der Steiermark zählen Kfz und Kfz-Teile, Maschinen, elektronische und elektrotechnische Erzeugnisse, Waren aus Eisen, Stahl sowie Papier und Waren daraus.

Mit einer F&E-Quote von 4,8 % (auf verfügbarer Datenbasis 2013, Österreich 2,96 %) gemessen am Bruttoregionalprodukt nimmt die Steiermark im Bundesländerranking nach wie vor den ersten Platz ein und zählt damit auch weiterhin unter den 274 Regionen Europas zu den Spitzenreitern.

Als wichtige Innovationstreiber sind die Kompetenzzentren nach dem COMET-Programm des Bundes (Competence Centers for Excellent Technologies) einzustufen, deren Ziel in der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft liegt. Im Jahr 2015 war die Steiermark an 23 von österreichweit 47 Kompetenzzentren beteiligt, wovon 20 ihren Hauptsitz in der Steiermark führen. Damit dokumentiert die Steiermark erneut ihre Führungsposition innerhalb Österreichs.

Wirtschaftsförderung in der Steiermark

Die Wirtschaftsförderung in der Steiermark orientiert sich an der „Wirtschaftsstrategie Steiermark 2020 – Wachstum durch Innovation“, die am 14.04.2011 von der Steiermärkischen Landesregierung beschlossen und am 17.05.2011 durch den Landtag Steiermark angenommen wurde. Sie verfolgt die drei zukunftsfähigen Leitthemen Mobility, Eco-Tech und Health-Tech, fokussiert die Förderungsinstrumente (unternehmensbezogene Förderungen und Finanzierungen) auf eine aktive Standortentwicklung und setzt sie im Rahmen von fünf Kernstrategien um. Die Kernstrategien sind Standortentwicklung und Standortmanagement, Innovations- und F&E-Förderung, Unternehmertum und Wachstum junger Unternehmen, Qualifizierung und Humanpotenzial sowie Internationalisierung von Unternehmen und Standort.

Von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) wurden 2015 nach den fünf Kernstrategien der Wirtschaftsstrategie Steiermark 1.914 Förderungsfälle mit einem Förderungsvolumen von insgesamt rund € 45,6 Mio. abgewickelt. Die damit verbundenen Investitionen erreichten € 406,4 Mio. Durch die Abteilung 12 – Wirtschaft, Tourismus, Sport konnten 88 wirtschaftsbezogene Projekte mit rund € 2,1 Mio. Förderungsvolumen unterstützt werden.

Das Jahr 2015 zeigte erneut die zentrale Fokussierung der Förderungsmittel auf die Kernstrategie 1 (Standortentwicklung und –management) mit rund € 25,6 Mio. und Kernstrategie 2 (Innovations- und F&E-Förderung) mit € 15,8 Mio. Insgesamt umfasste das Förderungsvolumen dieser beiden Kernstrategien 90,8 % der gesamten steirischen Wirtschaftsförderung. Bezogen auf die Förderungsfälle war die Kernstrategie 4 (Qualifizierung und Humanpotenzial) mit 760 Förderungsfällen führend. Dabei wurde insbesondere die Förderungsaktion Weiter!Bilden in Anspruch genommen. Die Kernstrategie 3 (Unternehmertum und Wachstum junger Unternehmen) nimmt den zweiten Platz mit 713 Förderungsfällen ein, wobei die Förderungsaktion Lebens!Nah mit insgesamt 644 Fällen die höchste Inanspruchnahme verzeichnete.

Die Steiermark war wie in den Vorjahren bei der Inanspruchnahme von Bundesförderungsmitteln – sowohl bei der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) als auch bei der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) – im Bundesländervergleich höchst erfolgreich. Bei den Förderungsleistungen der AWS liegt die Steiermark im Bundesländervergleich hinter Wien an zweiter Stelle und im Bereich der Förderungen (Barwert) seitens der FFG nimmt die Steiermark den ersten Platz im Bundesländerranking ein.

 

Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 07. Juni 2016.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht der Steiermärkischen Landesregierung betreffend den Wirtschaftsbericht 2015 wird zur Kenntnis genommen.