LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 3462/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 12.07.2019, 11:40:22


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler
Frist: 12.09.2019

Betreff:
Lange Wegstrecken erfordern weitere Adaptierungen des neuen Ärztebereitschaftsdienstes

Mit 1. April dieses Jahres erfuhr der ärztliche Bereitschaftsdienst in der Steiermark eine gänzliche Neuaufstellung, im Zuge derer die Anzahl der Sprengel von 92 auf 24 reduziert wurde. Bedauerlicherweise litt das neue System in mehreren Regionen an erheblichen Startschwierigkeiten, die im Vergleich zum alten Modell teils sogar zu einer schlechteren Versorgung führten, wie ÖVP-Landesrat Christopher Drexler im Zuge der Beantwortung einer Dringlichen Anfrage der FPÖ Ende April dieses Jahres eingestehen musste. Zudem beklagten viele Patienten die oftmals langen Wartezeiten bei Anrufen des Gesundheitstelefons. Der Landesgesundheitsreferent kündigte jedoch weitergehende Gespräche mit der Ärzteschaft, Sozialversicherung und Rotem Kreuz zur Verbesserung der Situation an.

Am 22. Juni dieses Jahres berichtete sodann der „ORF Steiermark“, dass zahlreiche Ärzte nach wie vor Probleme mit dem neuen Gesundheitstelefon haben. So zogen sich im Bezirk Murau arrivierte Ärzte zurück, weil sie mit den Vorgaben und Abläufen nicht zurechtkommen würden. Insbesondere in den großen Versorgungssprengeln bereiten lange Fahrtstrecken große Probleme. Laut ORF-Bericht habe beispielsweise der Murauer Allgemeinmediziner Balthasar Rauter aus Stadl an der Mur in der Vergangenheit Wochenenddienste und Nachtdienste geliebt, da es eine interessante Arbeit gewesen sei. Eine Teilnahme am neuen System sei für ihn allerdings nicht zumutbar, da er nicht 170 Kilometer fahren möchte, um zwei Patienten zu besuchen. (Quelle: https://steiermark.orf.at/stories/3001373/)

Am 26. Juni kündigte Landesrat Drexler im Rahmen einer Pressekonferenz mehrere Maßnahmen zur Optimierung des neuen Systems an. Konkret werden laut dem Regierungsmitglied ab 20. Juli dieses Jahres zusätzlich zu den diensthabenden Bereitschaftsdienstärzten an Feiertagen und Wochenenden pro Versorgungsregion auch ein bis zwei Ordinationen zwischen 8 und 11 Uhr geöffnet haben. Zudem werde zur Verkürzung von Wartezeiten das Personal, welches das Gesundheitstelefon betreut, ab 1. Juli auf 18 Vollzeitposten aufgestockt. Darüber hinaus soll ab Herbst im Aichfeld eine zusätzliche Versorgungsregion entstehen.

Die angekündigten Maßnahmen sind zweifelsohne begrüßenswert. Es stellt sich jedoch die Frage, ob diese ausreichend sein werden. So ändern die geplanten Adaptierungen kaum etwas an dem von Dr. Rauter angesprochenen Problem der insbesondere in der Obersteiermark weiten Anfahrtswege für die diensthabenden Ärzte. Gerade angesichts der in bestimmten Regionen im Winter vorherrschenden Straßenverhältnisse besteht in dieser Hinsicht jedenfalls noch Optimierungsbedarf.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Inwiefern wurde bei der Ausarbeitung des neuen Ärztebereitschaftsdienstes die Thematik berücksichtigt, dass sich durch größere Sprengel die Wegstrecken für teilnehmende Ärzte im Vergleich zum alten Modell zum Teil wesentlich verlängern?
  2. Welche Meinung vertrat diesbezüglich die Ärzteschaft bzw. welche Lösungsvorschläge wurden seitens der Ärzteschaft vorgebracht?
  3. Warum wurde dieser Umstand bei der Ausarbeitung des neuen Modells letztlich als kein größeres Problem bzw. als kein Hinderungsgrund beurteilt?
  4. Gab es Überlegungen, den teilnehmenden Ärzten Dienstfahrzeuge mit bzw. ohne eigenen Fahrer zur Verfügung zu stellen?
  5. Falls ja, warum hat man sich letztlich gegen die Zurverfügungstellung entschieden?
  6. Falls nein, warum gab es keine derartigen Überlegungen?
  7. In welchen Regionen bzw. Versorgungssprengeln wurden die längeren Wegstrecken seitens der Ärzteschaft besonders kritisiert?
  8. Gibt es Erhebungen, wie viele Ärzte aufgrund der längeren Wegstrecken nicht am Modell teilnehmen?
  9. Falls ja, wie stellten sich diese Erhebungen dar und zu welchem Ergebnis kamen diese?
  10. Falls nein, warum halten Sie derartige Erhebungen für nicht erforderlich?
  11. Was entgegnen Sie der Kritik von Ärzten wie dem Murauer Allgemeinmediziner Balthasar Rauter aus Stadl an der Mur, dass diese „nicht 170 Kilometer fahren möchten, um zwei Patienten zu besuchen“?
  12. Welche Adaptierungen werden aktuell besprochen, um der gegenständlichen Problematik – insbesondere auch im Hinblick auf schlechte Straßenverhältnisse in den kommenden Wintermonaten und den damit einhergehenden Gefahren für die diensthabenden Ärzte – entgegenzuwirken?
  13. Bis wann ist mit weiteren Adaptierungen zur Verbesserung der gegenständlichen Problematik zu rechnen?

Unterschrift(en):
LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ)