LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2046/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 29.11.2017, 10:03:06


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Verfehlte Sprachförderung in steirischen Kindergärten

2012 wurde zwischen Bund und Ländern für die Jahre 2012 bis 2014 die Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG über die frühe sprachliche Förderung in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen abgeschlossen. Darin kamen Bund und Länder überein, Maßnahmen zu treffen, um die Beherrschung der Unterrichtssprache Deutsch durch alle Kinder beim Eintritt in die erste Schulstufe der Volksschule möglichst sicherzustellen. Ziel der Vereinbarung ist die Verbesserung der Kenntnisse der Unterrichtssprache Deutsch bei drei- bis sechsjährigen Kindern in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen, die über mangelnde Deutschkenntnisse verfügen, insbesondere bei jenen mit anderer Muttersprache als Deutsch. Diese verpflichtende Sprachfrühförderung umfasst unter anderem auch die Förderung der Erstsprache des Kindes.

Dieser Umstand führte in letzter Zeit allerdings vermehrt zu Problemen und Unverständnis seitens österreichischer Eltern. Vor kurzem wurde ein Sachverhalt in Niederösterreich bekannt, wo eine Sonderpädagogin in einem Kindergarten allen Kindern die türkische Sprache beigebracht haben soll. Die Wogen der Eltern gingen dementsprechend hoch. Konkret geht es in dem Fall darum, dass den Eltern, deren Nachwuchs den örtlichen Landeskindergarten in Gablitz im Bezirk St. Pölten-Land besucht, mitgeteilt wurde, dass ihre Kinder künftig auch Türkisch lernen werden. Beim Elternabend sollen die Erziehungsberechtigten von einer Sonderpädagogin über die Maßnahme informiert worden sein: „Ich unterrichte jetzt die türkischstämmigen Kinder, besuche aber auch alle anderen Gruppen. Wundern Sie sich nicht, wenn ihr Kind dann daheim plötzlich Türkisch spricht!“ Wenig verwunderlich ist es, dass diese Art von „Sprachförderung“ von einer Vielzahl der Eltern nicht gutgeheißen wird. (Quelle: http://www.heute.at/oesterreich/niederoesterreich/story/Tuerkisch-fuer-alle-Kids-inLandeskindergarten-50939056)

Dass dieser Sachverhalt keineswegs ein Einzelfall ist, sondern fremdsprachiger Unterricht in Kindergärten mittlerweile gang und gäbe zu sein scheint, zeigt ein weiterer fragwürdiger Fall in einer niederösterreichischen Betreuungseinrichtung. Im Landeskindergarten Wampersdorf im Bezirk Baden müssen die Kinder mit einer interkulturellen Mitarbeiterin Türkisch lernen und türkische Lieder singen. Zunächst wurde den Eltern versichert, dass die muslimische Pädagogin ausschließlich für Integrationskinder zuständig sei. Bald zeigte sich jedoch, dass die Pädagogin, die selbst nur gebrochen Deutsch spricht und ein Kopftuch trägt, mit allen Kindern in der Einrichtung türkisch spricht und ihnen islamische Feste näherbringt. (Quelle: http://www.oe24.at/oesterreich/politik/FPOe-wittert-Islam-Skandal-in-NOe-Kindergarten/307756285)

In jüngster Vergangenheit häuften sich die Anzeichen, dass die frühe Sprachförderung auch in anderen Kindergärten als „Türkisch-Unterricht“ oder Unterricht in anderen Fremdsprachen zweckentfremdet wird. Auch in der Steiermark gibt es Kinderbetreuungseinrichtungen, in denen die Sprachfrühförderung in die völlig falsche Richtung geht. So ist dem Freiheitlichen Landtagsklub ein Grazer Kindergarten bekannt, in welchem sich die Situation ähnlich darstellt, wie in Wampersdorf. Bereits seit einigen Jahren wird in dieser Einrichtung bosnisch-kroatisch-serbisch (BKS) gesprochen, um den hohen Anteil von Kindern nichtdeutscher Muttersprache im Ausmaß von 70 bis 80 Prozent zu integrieren. Von Integration kann jedoch allein deshalb nicht mehr die Rede sein, da der Anteil der heimischen Kinder weit in der Unterzahl liegt. Folglich wurde in den für die Sprachförderung vorgesehenen Einheiten in erster Linie nicht Deutsch gelernt, sondern Bosnisch, Kroatisch und Serbisch. Gemeinsam mit heimischen Kindern werden Lieder in diesen Fremdsprachen einstudiert und Gedichte auswendig gelernt – ohne dass diese das „Gelernte“ auch verstehen. Zudem seien die vereinzelt geplanten Sprachförderstunden zusehends auf ein unüberschaubares Maß ausgedehnt worden. Demnach werde nicht mehr nur in den dafür vorgesehenen Stunden BKS gesprochen, sondern die ganze Woche über. Zuletzt wurden die Eltern, deren Kinder ebendiese Betreuungseinrichtung besuchen, darüber informiert, dass künftig auch Türkisch gelernt werden soll, wofür eine zusätzliche Pädagogin zum Einsatz kommt. Nächstes Jahr soll die Sprachförderung dann auch auf Rumänisch ausgedehnt werden. Äußerst bedenklich und nicht hinzunehmen ist dabei die Tatsache, dass die Teilnahme an den Spracheinheiten verpflichtend ist und die Kinder nicht die Möglichkeit haben, in diesen Stunden eine andere Gruppe zu besuchen. Das diesjährige Laternenfest stand bereits im Zeichen der „kulturellen Vielfalt“ und der verschiedenen Fremdsprachen, die in diesem Kindergarten gelernt werden. Das Laternenlied wurde sowohl in Deutsch, als auch auf Türkisch und BKS gesungen.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Form der „Sprachförderung“ nur in dieser Betreuungseinrichtung so betrieben wird, sondern auch in anderen steirischen Kindergärten – insbesondere in städtischen – bereits gelebte Praxis ist. Die Sprachförderungsmaßnahmen, die dazu gedacht waren, Kinder mit Migrationshintergrund beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen, münden offensichtlich in „Fremdsprachenunterricht“ für österreichische Mädchen und Buben. Anstatt mit den fremdsprachigen Kindern Deutsch zu lernen und diese zu ermutigen, unsere Sprache zu sprechen, werden inländische Kinder dazu angehalten, eine „fremde“ Sprache mitzulernen. Solche Maßnahmen sind weder sinnvoll noch zielführend. Vielmehr scheint die sogenannte „Sprachintegrationsförderung“ bereits negative Auswirkungen auf die heimischen Kinder zu haben, da deren Sprachentwicklung teilweise durchaus verbesserungsfähig ist. Vor diesem Hintergrund ist es ein Gebot der Stunde, die Sprachfrühförderung neu zu definieren und den Kindern insbesondere die deutsche Sprache näherzubringen, damit diese zu Beginn der Schulpflicht die Unterrichtssprache Deutsch möglichst beherrschen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. sich im Rahmen der Verhandlungen künftiger Artikel-15a-Vereinbarungen über die frühe sprachliche Förderung in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen dafür auszusprechen, den Fokus der Sprachförderung auf die deutsche Sprache zu legen und

  2. durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass alle Kinder beim Eintritt in die erste Schulstufe der Volksschule die Unterrichtssprache Deutsch möglichst beherrschen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)