LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 14

EZ/OZ 200/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Gesundheit

Betreff:
Wiedereinrichtung der Abteilung für Innere Medizin am LKH Stolzalpe

 

zu:
EZ 200/1, Wiedereinrichtung der Abteilung für Innere Medizin am LKH Stolzalpe (Selbständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

Der Ausschuss "Gesundheit" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 01.12.2015 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Gesundheit vom 15.09.2015 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 200/1/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

"Bezüglich der Aufteilung von Patientinnen und Patienten im Rettungs- und Notarztdienst sowie die Anzahl der Einsätze hält die Stellungnahme der Fachabteilung Katastrophenschutz und Landesverteidigung Folgendes fest:

Die Aufteilung von Patientinnen und Patienten im Rettungs- und Notarztdienst erfolgt je nach festgestelltem Krankheitsbild. Dies entspricht dem Vorgehen, wie dies in den modernen Rettungssystemen in Zusammenhang mit verfügbaren und für die jeweilige Erkrankung geeigneten  Krankenanstalten in ganz Österreich stattfindet.

Dabei wird angemerkt, dass selbst im Bezirk Murau mit seinen geografischen Besonderheiten die Notärztin bzw der Notarzt in 60 % der Fälle in 15 min bei der Patientin bzw beim Patienten eintrifft.

Durch ein vernetztes System von First Respondern (in weniger dicht besiedelten Gebieten), dem Rettungs- und Notarztsystem (Boden-Luft) ist es möglich, die von der World Health Organization (WHO) empfohlene Hilfsfrist (Einleiten von Erste Hilfe-Maßnahmen innerhalb von 15 min nach Eingang des Anrufes) weitgehend einzuhalten.

Die Patientin bzw der Patient kann dann entsprechend den notfallmedizinischen Kenntnissen versorgt werden. Der Transport in ein geeignetes Krankenhaus erfolgt nach Stabilisierung und unter notärztlicher Begleitung. Dies bedeutet, dass bei jeder Veränderung des Gesundheitszustandes der Patientin bzw des Patienten von der Notärztin bzw vom Notarzt sofort darauf reagiert werden kann und damit diese bzw dieser zu jeder Zeit des Transportes ärztlich versorgt ist. Die Frage der Patientinnen- und Patientenversorgung ist also die rasche Verfügbarkeit einer Notärztin bzw eines Notarztes und nicht eine Frage der Transportzeit.

Die Zuweisung einer Patientin bzw eines Patienten erfolgt demnach nicht nach „Bauchgefühl“ der Notärztin bzw des Notarztes, sondern aufgrund der Erstdiagnose und in Kenntnis der Versorgungsstrukturen und -möglichkeiten der umliegenden Krankenhäuser.

So wurden im bodengebundenen Notarztdienst Murau im Jahr 2012 673 Einsätze absolviert, wobei 14 % der Einsätze eine Gesamtdauer von 1,5 Std oder mehr (inkl Anfahrts- und Versorgungszeit vor Ort) aufwiesen. Dies bedeutet, dass die Notärztin bzw der Notarzt im Schnitt 1,6 Einsätze/24 Std (gleichbleibend 2012 bis 2015) absolviert haben.

Im Jahr 2015 wurden in den ersten 11 Monaten 523 Notarzteinsätze verzeichnet, wobei wiederum 14 % der Einsätze eine Gesamtdauer von 1,5 Std oder mehr aufwiesen.

Im Jahr 2012 wurden 9 % und im Jahr 2015 10 % der Patientinnen und Patienten nach Tamsweg zugewiesen.

Um die Zuordnung der Patientinnen und Patienten in Zukunft noch effizienter gestalten zu können, wird an einem elektronischen System gearbeitet, welches schon vor Ort die Versorgungsmöglichkeiten verbunden mit den verfügbaren Kapazitäten der jeweiligen Krankenanstalten im jeweiligen Rettungsfahrzeug verfügbar macht.

Ergänzt werden diese Ausführungen von der bei der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft mbh (KAGes) eingeholten Stellungnahme, wonach entsprechend der Auskunft des zuständigen Ärztlichen Direktors, der zuständigen geschäftsführenden Oberärztin sowie des Ambulanzdienstes das LKH Judenburg-Knittelfeld, Standort Knittelfeld aufgrund von notärztlichen oder anderen Zutransferierungen (Sekundärtransporte) des Roten Kreuzes Murau alle entsprechenden Patientinnen und Patienten übernommen hat.

Bezugnehmend auf die im Antrag angeführte akute Gefährdung der Patientinnen- und Patientensicherheit hält die Stellungnahme des Gesundheitsfonds Steiermark fest:

Der RSG 2011, Version 2.1 sieht eine Verlagerung der Abteilung für lnnere Medizin Stolzalpe an das LKH Knittelfeld vor. Mit 31.12.2012 erfolgte die Stilllegung der Abteilung für Innere Medizin am LKH Stolzalpe. Ab 01.01.2013 erfolgte die Anbindung der Internistischen Ambulanz am LKH Stolzalpe als dislozierte Ambulanz der Abteilung für lnnere Medizin des LKH Judenburg-Knittelfeld, Standort Knittelfeld.

Die Evaluierung der Inanspruchnahme zeigt, dass ein Großteil der bis zum Jahr 2012 an der Abteilung für lnnere Medizin des LKH Stolzalpe versorgten Fälle nicht mehr stationär aufgenommen wird. Erkennbar ist, dass ein Teil der Patientinnen und Patienten nunmehr ambulant betreut wird.

Die Detailanalyse der Versorgung der stationär aufnahmepflichtigen Patientinnen und Patienten an steirischen und in anderen Bundesländern benachbarten Standorten zeigt folgendes Bild:

Aufgrund der geografischen Randlage und Nähe großer Teile des Bezirkes Murau zu den Bundesländern Salzburg und Kärnten gibt es eine enge Beziehung zu den in diesen Bundesländern vorhandenen grenznahen Versorgungsstrukturen. Das in Kärnten gelegene Krankenhaus Friesach und das in Salzburg gelegene Krankenhaus Tamsweg verfügen aus den genannten Gründen traditionell über ein gemeinsames bundesländerübergreifendes Einzugsgebiet. Die Patientinnen- und Patientenströme basieren in der Region auf tradiertem Verhalten, das dem natürlichen Einzugsbereich (Aggregat jener Wohngemeinden, die einem Krankenanstalt-Standort aufgrund des Kriteriums der „Nächstgelegenheit“ den Vorzug geben) und dem tatsächlichen Einzugsbereich (Regionaler Bereich, in dem die „Anziehungskraft“ einer Krankenanstalt jene der anderen Krankenanstalten überwiegt) geschuldet ist.

Im Krankenhaus Friesach war auf der Abteilung für Innere Medizin 2013 ein Anstieg von 237 Fällen aus dem Bezirk Murau im Vergleich zu 2012 und um 28 Fälle im Vergleich zu 2013 zu beobachten. Auf der Abteilung für Akutgeriatrie/Remobilisation zeigte sich über die Jahre kein Anstieg der Fälle. In den übrigen Kärntner Krankenanstalten zeigt sich lediglich ein geringer Anstieg von 73 Fällen im Krankenhaus St. Veit im Vergleich 2014 zu 2012 und von 21 Fällen im LKH Klagenfurt.

Im Krankenhaus Tamsweg war 2013 auf der Abteilung für Innere Medizin ein Anstieg von 124 Fällen aus dem Bezirk Murau zu beobachten. 2014 kam es zu einem Rückgang um 118 Fälle. Für 2015 ist erkennbar, dass sich die Fallzahlen für die Innere Medizin des Krankenhauses Tamsweg auf das Niveau vor 2013 einpendeln. In den übrigen Salzburger Krankenanstalten waren keine Veränderungen festzustellen.

Für die Steiermark zeigt sich, dass Murauer Patientinnen und Patienten – wie vorgesehen – die stationäre Versorgung in Judenburg-Knittelfeld in Anspruch nehmen. Im LKH Judenburg-Knittelfeld war 2014 auf der Abteilung für Innere Medizin ein Anstieg von 313 Fällen aus dem Bezirk Murau im Vergleich zu 2012 zu beobachten. In den übrigen steirischen Krankenanstalten finden sich nur geringfügige Veränderungen.

Die Verlagerung der Abteilung für Innere Medizin des LKH Stolzalpe an das LKH Judenburg-Knittelfeld, Standort Knittelfeld zeigt gesamthaft eine effiziente strukturplanerische Maßnahme, die weiterhin eine sichere und medizinisch sinnvolle Versorgung der Bevölkerung gewährleistet."

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

 

Der Bericht des Ausschusses für Gesundheit zum Antrag, Einl.Zahl 200/1, von Abgeordneten der FPÖ betreffend Wiedereinrichtung der Abteilung für Innere Medizin am LKH Stolzalpe wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Sandra Krautwaschl

 

Die Berichterstatterin:
LTAbg. DIin Hedwig Staller