LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2149/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 19.01.2018, 09:31:01


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Einrichtung einer Schule für besonders Begabte in der Steiermark

Individualisierung ist eines der zentralen pädagogischen Paradigmen, das einen zeitgemäßen und auf die Fähigkeiten der Schüler ausgerichteten Unterricht auszeichnet. Begabungs- und Begabtenförderung stellen einen wichtigen Teil dieser auf den Einzelfall zugeschnittenen Maßnahmen dar. Leider kommt diese Thematik in der bildungspolitischen Diskussion kaum vor.

Begabungsförderung gilt ganz allgemein als Begleitung und Unterstützung aller Schüler bei der Entwicklung ihrer Leistungspotenziale. Begabtenförderung bezieht sich auf die spezielle Förderung von Schülern mit besonders hohen Potenzialen und überdurchschnittlicher Leistungsfähigkeit. Diese Potenziale müssen allerdings erst entwickelt und durch entsprechende Unterstützung herausgebildet werden. Jeder Mensch wird mit speziellen Eigenschaften und individuellen Talenten geboren, die sich nur unter den richtigen Voraussetzungen entfalten können. Begabungsförderung spricht die Förderung genau dieser Fähigkeiten bzw. Interessen von Kindern und Jugendlichen an.

(Hoch-)Begabung wird nach dem „Grundsatzerlass zur Begabtenförderung“ aus dem Jahr 2009 verstanden als „das Potenzial eines Individuums zu herausragenden Leistungen […], das neben logisch-mathematischen, sprachlichen und visuell-räumlichen Fähigkeiten auch motorische, musikalische und sozial-emotionale Fähigkeiten umfasst“. Um ebenjene Potenziale in Schule, Alltag und Beruf auch in Leistungen umsetzen zu können, sind darüber hinaus weitere Persönlichkeitsmerkmale wie Motivation, Konzentrationsfähigkeit, vernetztes Denken und Kreativität erforderlich. Die Entfaltung des individuellen Leistungspotenzials geschieht in einem aktiven Lern- und Entwicklungsprozess, welcher stark vom sozialen Umfeld geprägt wird. Elternhaus und Schule spielen hierbei eine wesentliche Rolle. (Quelle: https://www.bmb.gv.at/ministerium/rs/2009_16.html)

Der Grundsatzerlass zur Begabtenförderung bestimmt: „Im Sinne der Chancengerechtigkeit hat die Schule die Aufgabe, auch die Lern- und Entwicklungsbedürfnisse der (hoch) begabten Schüler/innen wahrzunehmen und ihnen mit adäquaten pädagogischen und organisatorischen Maßnahmen Rechnung zu tragen.“ (Quelle: https://www.bmb.gv.at/ministerium/rs/2009_16.html) Gemäß § 2 Schulorganisationsgesetz (SchOG) hat die Schule die Aufgabe „an der Entwicklung der Anlagen der Jugend […] durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken“. Alle Kinder – unabhängig ihrer Begabungs- bzw. Leistungsstufe – haben demnach dasselbe Recht auf Förderung. Jedes Kind und jeder Jugendliche hat den Anspruch, im individuell erforderlichen Ausmaß optimal gefördert und zu ausgezeichneten Leistungen angespornt zu werden.

Eine schriftliche Anfragebeantwortung (EZ/OZ: 1844/2) zu ebendiesem Thema vom 26. September 2017 durch Bildungslandesrätin Ursula Lackner beinhaltete lediglich den Verweis auf die Zuständigkeit des Bundes für die Begabungs- und Begabtenförderung. Zudem erhalte man keine Mittel des Bundes zur Durchführung von Maßnahmen zur Begabungs- und Begabtenförderung.

Angesichts der enormen Bedeutung individueller Förderungen greifen diese Antworten natürlich viel zu kurz. Einen gänzlich anderen Weg beschreitet die Bundesregierung. Im Regierungsprogramm bekennt man sich klar dazu, Talente besser zu fördern und zu begleiten. Neben der Erarbeitung und Umsetzung einer Begabtenförderungsstrategie spricht man sich, nach dem Vorbild der „Sir-Karl-Popper-Schule“, für die Einrichtung von Schulen für besonders begabte Schüler aus – und zwar in allen Bundesländern. Daneben sollen auch Strukturen in bestehenden Schulen ausgebaut werden. (Quelle: https://www.fpoe.at/fileadmin/user_upload/www.fpoe.at/dokumente/2017/Zusammen_Fuer_Oesterreich_Regierungsprogramm.pdf)


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. sich der Bundesregierung als Partner für die Erarbeitung eines Konzepts für Hochbegabtenschulen anzubieten sowie
  2. an die Bundesregierung mit dem Ersuchen heranzutreten, den Bildungs- und Forschungsstandort Steiermark für die Ersteinrichtung einer Schule für besonders begabte Schüler auszuwählen.

Unterschrift(en):
LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Arnd Meißl (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)