LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1186/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 03.03.2021, 11:20:04


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Verfassung
Regierungsmitglied(er): Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landesrätin MMag. Barbara Eibinger-Miedl

Betreff:
Energieeffiziente Server- und Rechenzentren

Die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft ist mit einem exponentiell ansteigenden Stromverbrauch und einer deutlichen Vergrößerung des individuellen CO2-Fußabdruckes verbunden, was sich zum wesentlichen Stolperstein beim Erreichen der Klimaziele entwickeln könnte. Schon jetzt verbraucht das Internet etwa so viel Energie wie der globale Luftverkehr (und emittiert dabei auch ca. so viel CO2; https://www.mdr.de/wissen/faszination-technik/stromverbrauch-rechenzentren-koennen-heizen-und-kuehlen100.html).

Die Voraussetzung für unseren digitalen Lebensstil (d.h. Mails schreiben, Apps nutzen etc. etc.) ist eine Infrastruktur von Server- und Rechenzentren, in denen Hochleistungscomputer große Mengen an Daten verarbeiten. Alleine die Rechenzentren in Deutschland benötigten im Jahr 2019 etwa 15 Mrd. Kilowattstunden Strom (das sind etwa 3 % des nationalen Nettostromverbrauches und deutlich mehr als die Stadt Berlin in einem Jahr verbraucht; https://ne-rz.de/2020/10/02/energiebedarf-steigt-auch-2019-deutlich/). Heruntergerechnet entspricht das 400 Kilowattstunden (Stromverbrauch) bzw. 213 Kilogramm (CO2-Emissionen) pro Internet-Anschluss pro Jahr (https://www.focus.de/perspektiven/nachhaltigkeit/streaming-youtube-apps-klimawandel-und-digitalisierung-so-viel-co2-fressen-streaming-youtube-und-apps_id_12047696.html). Der Energiebedarf der Rechenzentren dürfte sich in den nächsten Jahren zudem noch drastisch erhöhen (auf ein Fünftel des globalen Strombedarfs bis 2025; Huawei, 2020).

Andererseits zeigen zahlreiche Studien, dass die Energieeinsparpotentiale in Server- und Rechenzentren äußerst hoch sind, wobei vor allem der Kühlung (also dem Abführen der Wärme von den Servern und deren anschließender Nutzung) eine Sonderstellung zukommt. In Schweden, das diesbezüglich eine Vorreiterstellung einnimmt, wird die Abwärme aus Serverzentren beispielsweise in die Fernwärmenetze eingespeist. „Ein Rechenzentrum kann im Prinzip 10.000 Wohnungen heizen“ führt Energie-Experte Staffan Revemann in einem Interview aus (https://www.mdr.de/wissen/faszination-technik/stromverbrauch-rechenzentren-koennen-heizen-und-kuehlen100.html). Aber auch kleinere Optimierungs- und Anpassungsmaßnahmen in bestehenden Server- und Rechenzentren können den Stromverbrauch signifikant reduzieren. Im Zuge eines Pilotprojektes in Bremen wurden die Serverräume von vier Unternehmen nach energieeffizienten Standards modernisiert (z.B. durch Einführung eines Energiecontrollings, Verbesserungen der Kühlluftzirkulation & Serverauslastung) und Endenergieeinsparungen von bis zu 65 % erreicht (DENA: Energieeffizienz zeigen. Good-Practice-Projekte – zur Nachahmung empfohlen).

Fakt ist, dass die steirischen Klima- und Energieziele nur bei einer signifikanten Steigerung der Energieeffizienz erreicht werden können. Die Modernisierung der steirischen Server- und Rechenzentren stellt hier einen wirksamen Hebel dar.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. ein Konzept zur energieeffizienten Modernisierung der steirischen Server- und Rechenzentren auszuarbeiten und zeitnah umzusetzen,

2. in einem mehrstufigen Prozess zunächst die Energieeffizienz der heimischen Rechenzentren sowie das diesbezügliche Verbesserungspotential zu evaluieren, bevor geeignete Maßnahmen gesetzt werden, und

3. neben der Optimierung sämtlicher Landesserver eine Förderschiene für Unternehmen zu entwickeln, um Anreize für Energieeffizienzmaßnahmen zu setzen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)