LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1960/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 13.10.2017, 12:10:31


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Bildung
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Bessere Arbeitsbedingungen in der Elementarpädagogik

Das OGH-Urteil zur Verletzung der Aufsichtspflicht einer Kindergartenpädagogin hat zu großer Verunsicherung in der KollegInnenschaft geführt und wirft bereits oft thematisierte Problemfelder im Bereich der Elementarpädagogik auf.

In einem offenen Brief des Kindergartens Heiligenkreuz am Waasen machen KindergartenpädagogInnen erneut auf Ihre unzufriedenstellende Arbeitssituation aufmerksam: „Uns allen ist bewusst, dass Unfälle trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer und überall passieren können. Kindergartenpädagoginnen sind ganz normale Menschen mit zwei Händen und zwei Augen, dies reicht für 25 Kinder nicht!!! Es ist aber nicht hinzunehmen, dass wir Kinder aus Angst vor Klagen und Verurteilungen um wertvolle und wichtige Erfahrungen bringen. Dies würde die Qualität in Kindergärten immens verschlechtern.

Es braucht die besten Chancen für jedes Kind, und die besten Arbeitsbedingungen für PädagogInnen. Kinder sollen die Möglichkeit haben, spielerisch zu lernen und zu entdecken sowie soziale Kompetenzen und Freude am Leben zu entwickeln. KindergartenpädagogInnen sollen jene Rahmenbedingungen vorfinden, die es ihnen ermöglichen, ihre wertvolle Bildungsarbeit bestmöglich durchzuführen. Die PädagogInnen brauchen ausreichend Zeitressourcen, um  Elterngespräche, Entwicklungsbeobachtungen, Sprachstandserhebungen, Teamgespräche in einer Qualität zu ermöglichen, die der positiven Entwicklung der Kinder gerecht werden.

Der vom Österreichischen Berufsverband der Kinder- und HortpädagogInnen (ÖDHK) und der Plattform Educare empfohlene Betreuungsschlüssel beträgt für 0-2 jährige Kinder 3:1, für 2-3 jährige Kinder 5:1 und für 3-6 jährige Kinder 8:1.

Die Lippenbekenntnisse, die es zu Genüge gibt, reichen nicht aus, es braucht endlich aktive Maßnahmen, um die Situation dieser Berufsgruppe zu verbessern und Rechtssicherheit zu schaffen. In Kinderbildungseinrichtungen werden die Weichen für die Lernentwicklung eines Menschen gestellt. Gerade dort braucht es daher gut ausgebildete und gut bezahlte PädagogInnen. Dazu braucht es einen Qualitätsrahmen, der Betreuungsschlüssel und Gruppengrößen enthält.

In der Debatte bei der letzten Landtagssitzung am 10. Oktober 2017 herrschte parteienübergreifend die Übereinstimmung, man müsse die Arbeitsbedingungen von KindergartenpädagogInnen – auch vor  dem Hintergrund des jüngsten OGH-Urteils – verbessern.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, eine Novelle der die Kinderbetreuung in der Steiermark regelnden Rechtsgrundlagen zu erarbeiten, die folgende Punkte enthält:

  • Wesentlich bessere Entlohnung der verantwortungsvollen und unverzichtbaren Arbeit der Kindergartenpädagoginnen und Kinderbetreuerinnen sowie Vollzeitanstellungen
  • Rechtsverbindliche Herausarbeitung, wo die Aufsichtspflicht beginnt und wo sie endet
  • Deutliche Senkung der Kinderhöchstzahlen pro Gruppe
  • Empfohlene Personalschlüsselsenkung auf 3:1 für 0-2 jährige Kinder, 5:1 für 2-3 jährige Kinder und  7:1 für 3-6 jährige Kinder
  • Ausreichend Zeitressourcen für Leiterinnen-Freistellungen verpflichtend ab der 4. Gruppe
  • Zusätzliche Vorbereitungsstunden für die verpflichtenden Elterngespräche, Entwicklungsbeobachtungen, Sprachstandserhebungen, Transition Kindergarten – Schule, Teamgespräche, Fortbildungen.

Unterschrift(en):
LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)