LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 615/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 19.06.2020, 08:48:04


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß, Landesrat Mag. Christopher Drexler

Betreff:
Öffnung der schulischen Sportstätten während der unterrichtsfreien Zeit

Körperliche Betätigung stellt ein grundlegendes Mittel zur Verbesserung der physischen und mentalen Gesundheit der Menschen dar. In Relation zu den Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bewegen sich die Österreicher allerdings zu wenig. Immer mehr Kinder und Jugendliche in Österreich leiden an Bewegungsmangel und treiben wenig bis gar keinen Sport. Studien belegen, dass lediglich ein Fünftel der 11- bis 15-jährigen Schüler die Bewegungsempfehlung von täglich 60 Minuten erfüllen. (Quelle: http://www.bso.or.at/de/sport-in-oesterreich/sport-und-gesellschaft/sport-und-schule/die-bedeutung-von-bewegung-fuer-kinder-und-jugendliche/)

Zum einen ist dafür die elektronische Welt ausschlaggebend, denn viele Kinder beschäftigen sich mittlerweile lieber mit dem Smartphone, als Sport zu machen. Zum anderen liegt es oftmals an den fehlenden Möglichkeiten zur Sportausübung. Wie die „Kronen Zeitung“ bereits vergangenen Sommer berichtete, gab es im Schuljahr 2017/18 insgesamt 6.025 Schulen, wovon die meisten über zumindest eine Sportfläche verfügen. An den rund 180 schulfreien Tagen im Jahr sind jedoch hunderte schulische Sportanlagen geschlossen. Damit steht die heimische Jugend genau dann vor verschlossenen Türen, wenn sie am meisten Zeit für Sport hätte. (Quelle: https://www.krone.at/1943156)

Es ist entscheidend, das Bedürfnis nach sportlichen Aktivitäten bereits in jungen Jahren zu wecken. Immerhin ist mittlerweile jedes dritte Kind in Österreich übergewichtig. 28 Prozent der Buben und 25 Prozent der Mädchen zwischen sechs und 18 Jahren sind übergewichtig oder fettleibig. 40 Prozent der Kinder, die von Adipositas betroffen sind, weisen diese Symptome auch im hohen Lebensalter auf. (Quelle: https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5316213/ Uebergewichtige-Schueler_Fast-jeder-Dritte-betroffen) Mangelnde Bewegung ist zudem die Ursache für viele chronische Krankheitsbilder. Es bedarf Maßnahmen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die Jugend wieder zu mehr Sport zu bewegen. Kinder müssen von klein auf für Bewegung begeistert werden – geschlossene Sporthallen tragen allerdings nicht dazu bei.

Island hat hierfür eine vorbildliche Lösung gefunden. Als Reaktion auf das massive Drogenproblem vor den 2000er Jahren hat sich der Inselstaat Hilfsmaßnahmen überlegt und unter anderem sämtliche Sporthallen rund um die Uhr geöffnet. 20 Jahre nach Einführung der Maßnahmen ist die Drogenquote bei den Jugendlichen weit unter zehn Prozent gesunken. Insgesamt sind „die Isländer […] ein richtig gesundes Volk geworden“, berichtete der ehemalige isländische Fußballspieler und heutige Trainer Helgi Kolvidsson im Interview mit der „Kronen Zeitung“. (Quelle: https://www.krone.at/1943156) Neben der Tatsache, dass diese Maßnahme zu einer niedrigeren Drogenabhängigkeitsrate in Island führte, hatte die Öffnung der Sportstätten äußerst positive Auswirkungen auf das Gesundheitsbewusstsein und Bewegungsverhalten der isländischen Bevölkerung.

Sportliche Aktivitäten tragen maßgeblich zu Wohlbefinden und Gesundheit bei. Menschen, die sich bewegen, erkranken seltener und weisen insgesamt eine gesündere Lebensführung auf. Dies wirkt sich letzten Endes auch positiv auf das Gesundheitssystem aus. Insbesondere Kinder haben einen großen natürlichen Bewegungsdrang. Um diesem nachgehen zu können, müssen sie auch ausreichend Möglichkeiten zur Sportausübung vorfinden. Dies ist gerade in der unterrichtsfreien Zeit bedauerlicherweise oftmals nicht der Fall. Zersplitterte Kompetenzen von Bund, Land und Gemeinden behindern eine generelle Öffnung der Schulsportstätten.

Gerade angesichts der Tatsache, dass aufgrund der Corona-Krise dieses Jahr zahlreiche Sommercamps und Ferienlager, die einen wesentlichen Teil zur sportlichen Betätigung von Kindern und Jugendlichen beitragen, nicht stattfinden und teilweise auch Urlaube ins Wasser fallen, erscheint es umso wichtiger, die schulischen Sportstätten während der Ferienzeit geöffnet zu halten.

Die steirischen Freiheitlichen orten hier großen Handlungsbedarf und sehen den für Sport zuständigen Landesrat Christopher Drexler sowie Bildungslandesrätin Juliane Bogner-Strauß in der Pflicht, entsprechende Maßnahmen zu setzen, um diesen Umstand zu beseitigen. Neben zu führenden Gesprächen mit den jeweiligen Bildungseinrichtungen und weiterer Interessensgruppen in diesem Bereich müssen in diesem Zusammenhang auch Haftungsfragen sowie weitere organisatorische Herausforderungen geklärt werden. Die zuständigen Regierungsmitglieder sind jedenfalls gefordert, schnellstmöglich eine gedeihliche Lösung zur Öffnung von möglichst vielen schulischen Sportanlagen in der Ferienzeit zu finden.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, nach vorangehenden Gesprächen mit den verantwortlichen Interessensgruppen, die Öffnung möglichst vieler Schulsportstätten während der unterrichtsfreien Zeit – insbesondere der Sommerferien – sicherzustellen, um Kindern und Jugendlichen die notwendige Infrastruktur zur Sportausübung zur Verfügung zu stellen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Patrick Derler (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Mag. Stefan Hermann, MBL (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Ewald Schalk (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)