LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 601/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 17.08.2020, 16:04:17


Zu:
601/1 Sexualpädagogische Erziehung an steirischen Schulen
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Beilagen: 18_601_2_Beantwortung.pdf, Rundschreiben Nr.11 2015 BMBWF.pdf, sexualpaedagogische_erziehung__schriftliche_anfrage_lreg_601_1.pdf, Statement HR Dr. Josef Zollneritsch (002).pdf, Zusammenarbeit mit außerschul. Inst. RS 5 2019.pdf, Zusammenarbeit mit außerschulischen Organisationen im Bereich Sexualpädagogik.pdf

Betreff:
Sexualpädagogische Erziehung an steirischen Schulen

Die Anfrage vom 18.06.2020, Einl.Zahl 601/1 der Abgeordneten LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc und LTAbg. Robert Reif betreffend "Sexualpädagogische Erziehung an steirischen Schulen" beantworte ich wie folgt:

 

Einleitend wird festgehalten, dass das Interpellationsrecht des Landtages nur die Gegenstände der Landesvollziehung umfasst. Das Schulunterrichtsgesetz ist jedoch ein Bundesgesetz, welches von der Bildungsdirektion im Bundesstrang - also in unmittelbarer Bundesverwaltung - vollzogen wird (vgl. Art. 113 B-VG). Daher kann die Beantwortung nur soweit erfolgen, als die Inhalte der Landesregierung bekannt sind.

 

Frage 1

Ist der Bildungsdirektion Steiermark bekannt, welche externe Anbieter an steiermärkischen Pflichtschulen Veranstaltungen mit sexualpädagogischen Inhalten anbieten und durchführen?

  1. Wenn nein, warum nicht?

  2. Wenn ja, bitte um Auflistung der Anbieter seit dem Jahr 2015.

    Die Entscheidung über externe Angebote zur Ergänzung des Unterrichts fällt in den Bereich der Schulautonomie und in das Verantwortungsgebiet der Direktion der Schule.

Die Clearingstelle bezieht sich auf das Netzwerk „Sexuelle Bildung Steiermark“ mit den definierten Mitgliedern:

  • Abenteuer Liebe

  • achtung°Liebe

  • AIDS-Hilfe Steiermark

  • Alpha Nova Sachstelle .hautnah.

  • Courage Graz

  • Frauengesundheitszentrum

  • Hazissa

  • Lil* - Zentrum für sexuelle Bildung

  • Mädchensprechzimmer

  • Mafalda

  • RosaLila PantherInnen

  • Verein für Männer- und Geschlechterthemen

     

  • Gemäß Rundschreiben Nr. 5/2019 des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (siehe Beilage) wird Schulen empfohlen, sich im Zweifel über die Seriosität und Qualität der außerschulischen Person bzw. Organisation bei der Clearingstelle im Bereich der Sexualpädagogik, zu informieren. Die Clearingstelle bezieht sich auf das „Netzwerk Sexuelle Bildung Steiermark“ mit den definierten Mitgliedern und den publizierten Qualitätskriterien (siehe auch Beantwortung Frage 4).

     

Frage 2

Wie viele außerschulische Anbieter im sexualpädagogischen Bereich wurden von der Bildungsdirektion, im Rahmen ihrer Tätigkeit als Clearingstelle, bereits überprüft? (Bitte um Auflistung)

 

Da sich die in Frage 1 angesprochenen Mitglieder des Netzwerks „Sexuelle Bildung Steiermark“ den genannten Qualitätskriterien verpflichtet haben, ist eine spezielle Überprüfung seitens der Clearingstelle der Bildungsdirektion  siehe https://www.bildung-stmk.gv.at/service/schulpsychologie/Clearingstelle-Sexualp-dagogik.html. nicht vorgesehen.

 

Frage 3

Wurden bereits externe Anbieter und deren Inhalte von der Clearingstelle geprüft und nicht genehmigt?

  1. Wenn ja, warum wurden diese nicht genehmigt?

Dies war bis jetzt noch nicht der Fall. Die Schulleitungen der steirischen Schulen sind sich der hohen Qualitätsanforderungen an die Anbieter/innen sexualpädagogischer Workshops bewusst.

 

Fragen 4

Auf Basis welcher Kriterien gibt die Clearingstelle Empfehlungen für außerschulische Anbieter zum Thema Sexualpädagogik an Schulen ab?

Die Clearingstelle im Bereich der Sexualpädagogik bezieht sich auf das Netzwerk „Sexuelle Bildung Steiermark“ mit den definierten Mitgliedern und den publizierten Qualitätskriterien.

Anbei ein Auszug:

„Sexuelle Bildung — unser Selbstverständnis

Unsere Angebote im Bereich der sexuellen Bildung orientieren sich an den Standards der Sexualaufklärung der Weltgesundheitsorganisation und den Standards der Sexualaufklärung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Inhaltlich bewegen wir uns klar im Rahmen des Grundsatzerlasses Sexualpädagogik 2015 für die österreichischen Schulen:

•Achtung der Menschenrechte und der Vielfalt

•Gleichstellung der Geschlechter sowie

•das Recht jedes Menschen ohne Zwang, Gewalt oder Diskriminierung ein befriedigendes, sicheres und lustvolles Sexualleben anzustreben.

 

Neben physischen Aspekten geht sexuelle Bildung auch auf kognitive, emotionale und soziale Aspekte von Sexualitäten ein. Unsere Nutzer*innen erwerben so neben dem Wissen um die relevanten biologischen und medizinischen Fakten auch Kenntnisse und Fähigkeiten, die sie benötigen, um sichere, gleichberechtigte und respektvolle Beziehungen eingehen und aufbauen zu können.

Auf der Basis der WHO Definition von sexueller Gesundheit geht sexuelle Bildung umfassend auf Emotionen und die Bedeutsamkeit von Beziehungsgestaltung und Übernahme von Verantwortung für sich selbst und andere ein.

 

Sexuelle Bildung:

•knüpft an der Lebensrealität von Nutzer*innen an.

•ist alters- und entwicklungsgerecht.

•basiert auf wissenschaftlichen und unabhängigen Informationen.

•fördert einen positiven Zugang zu Sexualitäten, zum Umgang mit dem eigenen Körper und eine positive Grundhaltung sich selbst und anderen gegenüber. Sie ermöglicht so eine gesunde, sichere, selbstbestimmte, verantwortungsvolle und lustvolle sexuelle Entwicklung und Beziehungsgestaltung.

•fördert Beziehungs- und Konfliktlösefähigkeiten und die kritische Reflexion von Haltungen, Werten,

 

Informationen und Quellen:

•fördert soziale und kommunikative Fähigkeiten.

•orientiert sich am Prinzip der Gleichstellung der Geschlechter sowie der Vielfalt der Lebensformen.

•wirkt präventiv gegen sexuelle Gewalt und sexuelles Risikoverhalten.

•ist gesellschaftspolitisch relevant und wirkt sich positiv auf das Gemeinwesen aus.

 

Kompetenzen und Ressourcen:

•Die Mitarbeiter*innen der genannten Institutionen haben eine pädagogische, psychologische und/oder psychosoziale Ausbildung oder für ihren Arbeitsschwerpunkt fachlich entsprechende Qualifikationen.

•Sie weisen ein fundiertes Fachwissen in der sexuellen Bildung und Erfahrung in dessen Vermittlung auf.

•Die Referent*innen haben Erfahrung in der Arbeit mit ihren Zielgruppen und Kenntnisse in der Steuerung gruppendynamischer Prozesse. Sie verfügen über soziale Kompetenzen, gute Kommunikationsfähigkeit und ein hohes Maß an Selbstreflexion.

•Die Mitarbeiter*innen haben ein multimethodisches Vorgehen, welches es den Nutzer*innen ermöglicht, sich selbst einzubringen.

•Weiters verfügen die Referent*innen über interkulturelle und transkulturelle Kompetenzen.

•Sie kennen für den Bedarfsfall die Möglichkeiten einer Krisenintervention.

•Sie besuchen regelmäßig Weiterbildungen und haben die Möglichkeit zur Supervision und kontinuierlichen Intervision im Team.

•Wir kooperieren mit öffentlichen Einrichtungen, wie Bund, Land, Stadt, Universitäten und weiteren Bildungsorganisationen und werden im Fall von Subventionen von Fördergeberinnen evaluiert.

•Wir evaluieren unsere Konzepte kontinuierlich und entwickeln diese weiter.

•Über das Netzwerk Sexuelle Bildung Steiermark hinaus vernetzen wir uns auch mit anderen Einrichtungen und Beratungsstellen in der Steiermark sowie überregional.“

 

Frage 5

Wird bei der Prüfung dieser Anbieter erhoben, ob die Vortragenden eine einschlägige Ausbildung im Bereich der Sexualpädagogik absolviert haben?

  1. Wenn ja, nach welchen Maßstäben wird die Ausbildung konkret geprüft?

Wenn nein, warum nicht?

Die Maßstäbe entsprechen durchgehend den Qualitätsanforderungen des Netzwerks „Sexuelle Bildung Steiermark“.

 

Frage 6

Wird die Clearingstelle auch von sich aus tätig oder prüft sie nur jene externen Anbieter, die von der Schulleitung gemeldet werden?

Die Clearingstelle prüft grundsätzlich nur auf Anfrage.

 

Frage 7

Ist der Bildungsdirektion bekannt, wie viele Workshops von externen Anbietern mit sexualpädagogischen Inhalten an steirischen Pflichtschulen abgehalten wurden? (Auflistung nach Jahren ab 2015 und Schulen)

Die Entscheidung über externe Angebote zur Ergänzung des Unterrichts fällt in den Bereich der Schulautonomie und in das Verantwortungsgebiet der Direktion der Schule, daher können keine Angaben zur Anzahl der Workshops gemacht werden.

Seit Bestehen der an der Bildungsdirektion für Steiermark eingerichteten Clearingstelle im Bereich der Sexualpädagogik (siehe Anhang) sind ca. 120 Anträge bearbeitet worden.

 

Frage 8

Gibt es von Seiten der Landesrätin Bestrebungen sich für eine einheitliche Ausbildung für Sexualpädagog_innen, die an Schulen tätig werden, einzusetzen?

Die sexualpädagogische Erziehung von Schülerinnen und Schülern spielt eine wichtige Rolle in deren Entwicklung hin zum Erwachsenwerden. Die Sexualpädagogik ist dabei schon seit längerem fixer Bestandteil der pädagogischen Ausbildung. Verbesserungsvorschlägen stehen wir offen gegenüber.

 

Frage 9

Wäre es von Seiten der Landesrätin sinnvoll verpflichtende Lehrveranstaltungen im Bereich Sexualpädagogik an Hochschulen in den Studien Lehramt und Pädagogik und an der Pädagogischen Hochschule Steiermark einzuführen?

  1. Wenn nein, warum nicht?

  2. Wenn ja, wird sich die Landesregierung dafür bei der Bundesregierung einsetzen?

Sexualpädagogik als Bildungs- und Lehraufgabe ist in allen Lehrplänen als Unterrichtsprinzip bzw. als Bildungsbereich »Gesundheit und Bewegung« und als inhaltlicher Schwerpunkt in bestimmten Pflichtgegenständen verankert.

Das Unterrichtsprinzip »Sexualpädagogik« sowie der Bildungsbereich »Gesundheit und Bewegung « erfordern im Schulalltag eine fächerübergreifende Koordination unter Ausnützung von Querverbindungen zwischen den Fächern sowie mit anderen Unterrichtsprinzipien wie z. B. der Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern.

 

Frage 10

Ist der Bildungsdirektion bekannt welche Schulbücher im Bereich der Sexualpädagogik verwendet werden?

  1. Wenn nein, warum nicht?

  2. Wenn ja, welche?

Schulbücher für die Verwendung im Unterricht müssen approbiert und für den Gebrauch im Unterricht zugelassen werden. Die vorhin erwähnte Approbation ist Aufgabe des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

 

Frage 11

Gibt es von Seiten der Landesrätin oder der Bildungsdirektion Kontrollen oder Vorgaben für Schulbücher und Unterrichtsmaterialien, die im Bereich Sexualpädagogik verwendet werden?

 

  1. Wenn nein, warum nicht?

  2. Wenn ja, welche?

  3. Wenn ja, umfassen diese Vorgaben die Verwendung einer geschlechtersensiblen Sprache und biologisch korrekte Darstellungen und Beschreibungen von geschlechtsspezifische Merkmalen?

 

Vor Verwendung von Schulbüchern im Unterricht müssen diese approbiert und für den Gebrauch im Unterricht zugelassen werden. Die vorhin erwähnte Approbation ist Aufgabe des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Die Materialien, die von externen Anbietern, verwendet werden, werden im Rahmen der Qualitätssicherung des Netzwerks „Sexuelle Bildung Steiermark“ überprüft und unterliegen den vom Netzwerk erarbeiteten Qualitätsstäben.

 

 

 

Landesrätin Dr.in Juliane Bogner-Strauß