LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 587/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 17.06.2020, 14:42:36


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Qualitätssichernde Kriterien für die Ausbildung von Sexualpädagog_innen

 

Die Sexualpädagogik ist ein Teilbereich moderner Pädagogik und kennt vielfältige Handlungsfelder. Sie findet beispielsweise Anwendung in der Kinder- und Jugendhilfe, in der schulischen und außerschulischen Jugendarbeit, im Bereich der Pflege oder in psychiatrischen Settings. 

Kinder und Jugendliche brauchen, neben der sexuellen Bildung aus dem bekannten Umfeld, die Möglichkeit in ihrer Entwicklung ergänzend von externen Expert_innen aus dem Feld der Sexualpädagogik begleitet zu werden. Die Einbeziehung von außerschulischen Expert_innen im Bereich der sexuellen Bildung von Schüler_innen, ist deswegen so wichtig, weil diese keine Benotung vornehmen und nur für einen begrenzten Zeitraum in den Klassenraum kommen. So wird ein Umfeld geschaffen, in welchem es Schüler_innen leichter fällte über “tabuisierte” Themen zu sprechen, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen und unangenehme Fragen zu stellen. 

Aktuell ist es so, dass es keine einheitlichen Qualitätsstandards für die Ausbildung der Sexualpädagogik in Österreich oder der Steiermark gibt. Der Begriff oder die Berufsbezeichnung Sexualpädagog_in ist somit auch nicht geschützt und rein theoretisch kann sich in Österreich jede_r Sexualpädagog_inn nennen. Das stellt insofern ein Problem dar, weil sich somit auch Personen mit einer mangelhaften Ausbildung an Schulen zum Thema Sexualerziehung tätig werden können.

In Deutschland kämpft man mit einer ähnlichen Problematik, auch dort ist der Beruf der “Sexualpädagog_in” nicht staatlich geschützt. Um diesem Missstand entgegenzuwirken und die Qualität der sexualpädagogischen Arbeit zu garantieren, bescheinigt die Gesellschaft für Sexualpädagogik (gsp) als Berufsverband Praktiker_innen ihre sexualpädagogische Qualifikation durch die Vergabe eines Qualitätssiegels. Somit wird entscheidend zur Professionalisierung der Sexualpädagogik beigetragen. Durch das Qualitätssiegel sind Fachpersonen leichter zu erkennen. Mit der Einführung ihres Siegels ist die gsp auch im europäischen Kontext wegweisend auf dem Gebiet der Qualitätssicherung in der Sexualpädagogik.

Es ist sehr wichtig, dass Menschen, die in diesem Bereich tätig sind auch transparent zeigen, nach welchen Kriterien sie arbeiten. Nur eine qualitativ hochwertige Sexualpädagogik und eine gute, altersgemäße Aufklärung stellen sicher, dass Kinder und Jugendliche erkennen, wann Grenzen überschritten werden und sich rechtzeitig jemandem anvertrauen können. Es ist das Recht aller Schüler_innen eine hochwertige, altersadäquate und sexualpädagogische Wissens- und Kompetenzvermittlung flächendeckend angeboten zu bekommen. 

Pädagog_innen und Menschen mit sozialen Quellberufen, die sich in der Sexualpädagogik weiterbilden, sollten einige Grundfähigkeiten mitbringen.

Deshalb braucht es qualitätssichernde Kriterien für die Ausbildung von Sexualpädagog_innen, die sich an den Standards für Sexualaufklärung der WHO, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie am Rahmen des österreichischen Erlasses für Sexualpädagogik orientieren.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, sich bei der Bundesregierung dafür einsetzeneine bundeseinheitliche, auf qualitätsicherenden Kriterien basierende, Ausbildung von Sexualpädagog_innen nach den Standards für Sexualaufklärung der WHO, deBundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einzuführen um qualitätsvolle Sexualpädagogik für alle Schüler_innen zu garantieren.

 


Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)