LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 12

EZ/OZ 1216/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Landwirtschaft

Betreff:
Einrichtung des Unterausschusses „Wildschäden“

 

zu:
EZ 1216/1, Einrichtung des Unterausschusses „Wildschäden“ (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Landwirtschaft" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 04.04.2017 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Landwirtschaft vom 06.12.2016 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 1216/1, betreffend „Einrichtung des Unterausschusses „Wildschäden““ abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

„Nach Vorliegen der ersten Ergebnisse des Wildeinflussmonitorings wurde, im Bewusstsein um den Handlungsbedarf, auf Ebene der Maßnahmenpartner (Jagd und Forst) mit der „Mariazeller Erklärung“ ein intensiver Dialogprozess gestartet. Die Ziele im Rahmen dieser Erklärung beinhalten, dass „die Verjüngung der am Standort typisch vorkommenden Baumarten grundsätzlich dem natürlichen Potenzial entsprechend erfolgen können soll. Die Wildstände sollen derart gestaltet sein, dass Schutzmaßnahmen nicht die Regel, sondern die Ausnahme darstellen. Weitere Verschlechterungen der Wildlebensräume und weitere Beeinträchtigungen des Wildes und seiner Lebensweise durch Dritte sind hintanzuhalten. Die Regulierung der Schalenwildbestände ist die vordringliche Aufgabe der nahen Zukunft. Grundeigentümer und Jagdausübungsberechtigte sind in gleichem Maße aufgerufen, entsprechende Maßnahmen auf allen Ebenen im Rahmen eines ergebnisverbindlichen Dialogs zu setzen, um diese Ziele zu erreichen.“

In der Steiermark wird dieser Prozess auf Ebene der Bezirksjägermeister und Bezirkskammern begleitet und werden Strategien zur Erreichung dieser Ziele erarbeitet. Über Broschüren wurden die Ergebnisse des Wildeinflussmonitorings den Jagdberechtigen und den Funktionären sowohl auf Jagd- als auch auf Eigentümerseite als bewusstseinsbildende Maßnahme zugänglich gemacht. Notwendige Arbeitsfelder liegen insbesondere im Bereich der Anpassung/Reduktion der Schalenwildbestände.

Diesem Erfordernis wurden auf legistischer Ebene im Zuge der letzten Novellierungen der jagdgesetzlichen Bestimmung schrittweise –  beispielsweise durch den Mindestabschussplan für Rot- und Rehwild, umfassendere Bestimmungen in den § 56 – Abschussplan, § 61 – Verminderung des Wildbestandes und § 76 – Überwachung der Einhaltung jagdgesetzlicher Vorschriften sowie mit dem Verbot der Futtervorlage für bestimmte Wildarten und dergleichen – Rechnung getragen.

Durch die Jägerschaft wurden für die einzelnen Rotwildkernlebensräume in der Steiermark anhand der gemeldeten Bestandszahlen und Abschussdaten Kennzahlen über die wahrscheinliche Höhe des Rotwildbestandes und dessen Struktur erarbeitet. Vorrangige Aufgabe ist es die daraus abgeleiteten notwendigen Maßnahmen, wie die Anpassung des Rotwildbestandes an die wirtschaftliche und ökologische Tragfähigkeit des Lebensraumes und die Verbesserung der Struktur des Rotwildbestandes, mit Hilfe der Jagdausübungsberechtigen auf die Fläche zu bringen. Steiermark weit ist ein Trend zur Extensivierung der Rotwildbewirtschaftung, der sich in der Auflassung von Rotwildfütterungen und - wintergattern wiederspiegelt, erkennbar.

Auch beim Rehwild belegen Untersuchungen eine große Abweichung zwischen dem bewirtschafteten und dem tatsächlichen Rehwildbestand, dies unterstreicht den oft unterschätzten Anteil des Rehwildes am hohen Wildeinfluss. Nun gilt es, den notwendigen Handlungsbedarf den Jagdberechtigten bewusst zu machen und die vorhandenen großzügigen Möglichkeiten zur Wildstandsregulierung auch anzuwenden.

Die Steirische Landesjägerschaft führte dazu Nachstehendes aus:

„Grundsätzlich wird festgehalten: Es gibt ausreichende, klare Regelungen im Forstgesetz und ausreichende, klare Regelungen im Jagdgesetz, wie mit Schäden an der Vegetation durch jagdbare Tiere umzugehen ist.

Zum Hinweis auf das WEM wird festgestellt: Wie der Name „Wildeinflussmonitoring“ bereits aussagt, geht es beim WEM nicht grundsätzlich um Wildschäden, sondern um den Einfluss des Wildes auf die (Wald-) Vegetation. Keinerlei Wildeinfluss müsste zwangsläufig einen Wildstand Null bedeuten und stünde dem gesetzlichen Auftrag, einen artenreichen und gesunden Wildstand zu erhalten, entgegen. Wildeinfluss ist also etwas völlig anderes als Wildschaden. Wildeinfluss ist eine multifaktorielle Tatsache, die sich nicht monokausal auf jagdliche Bewirtschaftung und Höhe des Abschusses reduzieren lässt, sondern die auch den Einfluss des den Wald bewirtschaftenden Menschen und vor allem auch den Einfluss des sich im Wald erholenden Menschen in Betracht zu ziehen hat. Die Ergebnisse des WEM werden von der Steirischen Landesjägerschaft durchaus sehr ernst genommen und auch als Trend bei den Abschussplanungen immer berücksichtigt. Bei den vergangenen Erhebungen wurden von der Fachabteilung für das Forstwesen (Landesforstdirektion) Jäger als Beobachter und über die Aufnahmetätigkeit Lernende eingebunden und die Ergebnisse sodann den Bezirksjägermeistern in mehreren Sitzungen vorgestellt. Auch wurde eine Aufklärungsbroschüre über die Ergebnisse des WEM, versehen mit einem gemeinsam von FD DI Michael Luidold und LJM DI Heinz Gach unterzeichneten Begleitschreiben, an alle Revierinhaber der Steiermark über die Bezirksjagdämter verteilt. Intensive Dialoge finden auch in den verschiedenen Sitzungen der „Mariazeller Erklärung“, einer österreichweiten Einrichtung, in die hochrangige Vertreter des Grundeigentums, des Forstes und der Jagd maßgeblich eingebunden sind, statt. Lösungsansätze werden in den jährlichen Erklärungen und Fortschrittsberichten veröffentlicht. Darüber hinaus haben Vertreter der Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft und Vertreter der Steirischen Landesjägerschaft im Frühjahr und Herbst jeden Jahres einen Tag des Dialoges zwischen den Bezirkskammerobleuten und den Bezirksjägermeistern, der vor allem dazu dient, anstehende Probleme gemeinsam zu erkennen, nach Lösungen zu suchen und gefundene Lösungen auch umzusetzen. Forstbehörde und Waldbesitzerverband sind eingebunden. In Anbetracht der oben beschriebenen, vielfältigen Lösungsansätze auf unterschiedlichen Ebenen erscheint der Steirischen Landesjägerschaft die Einrichtung eines Unterausschusses „Wildschäden“ zur neuerlichen Diskussion von Lösungsansätzen nicht notwendig.“

Seitens der Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft wurde dazu keine Äußerung abgegeben.“

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Landwirtschaft zum Antrag, EZ 1216/1, „Einrichtung des Unterausschusses „Wildschäden““, der Abgeordneten der FPÖ wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Der Obmann:
LTAbg. Karl Lackner