LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1201/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 04.03.2021, 21:50:37


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Pestizidregister Steiermark

Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) zur Beseitigung von unerwünschten Organismen (= Unkraut, Fraßfeinde, Krankheitserreger) gehört in der Landwirtschaft (konventionell und biologisch!) mittlerweile zu einem Routineprozess; ein einzelner Apfel z.B. wird bis zur Ernte durchschnittlich 22-mal mit diversen Wirkstoffen behandelt (https://papa.julius-kuehn.de/index.php?menuid=46&getlang=de).

Die Pestizide verursachen dabei oftmals schwere, bis letale, Schädigungen von „Nicht-Zielorganismen“ (Tiere & Pflanzen), greifen dadurch direkt in die natürliche Nahrungskettendynamik ein und wirken generell (signifikant) biodiversitätsmindernd (siehe Zusammenfassung von Mahmood et al., 2016). Von dreizehn untersuchten Faktoren der landwirtschaftlichen Intensivierung hatte der Gebrauch von Insektiziden und Fungiziden die schädlichsten Auswirkungen auf die Artenvielfalt (Geiger et al., 2010). Vor dem Hintergrund des globalen Artenschwundes muss der weltweite Einsatz von Pestiziden daher drastisch verringert werden.

Im Grünen Bericht werden jährlich die Statistiken über in Österreich in Verkehr gebrachte sog. Pflanzenschutzmittel publiziert. Die Mengenstatistik umfasst dabei alle chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittelwirkstoffe, sowie alle genehmigten Wirkstoffe gemäß der Bio-Verordnung (d.h. alle in der konventionellen als auch in der biologischen Landwirtschaft, aber auch im Verkehrswesen, gewerblich, kommunal und in privaten Hausgärten eingesetzten Wirkstoffmengen). Im Jahr 2019 wurden ca. 5.000 Tonnen Pestizide in Verkehr gebracht, dies entspricht einer Abnahme gegenüber 2018 um 6,1 %. Die gesamtösterreichischen Daten im Grünen Bericht sind allerdings nicht auf die Bundesländer heruntergebrochen. Es kann daher nicht eruiert werden, ob in der Steiermark ebenfalls rückläufige Pestizidmengen zu verzeichnen sind, oder ob hier - entgegen dem österreichischen Trend - eine Stagnation bzw. eventuell sogar eine Zunahme der verwendeten Mengen im Jahresvergleich festzustellen ist. Gemäß Steiermärkischen Pflanzenschutzgesetz sind die VerwenderInnen von Pestiziden nicht zur Dokumentation (Menge, Wirkstoffklasse etc.) und Berichterstattung (an zuständige Stelle) verpflichtet.

Im 27. Umweltbericht werden einige Maßnahmen zur nachhaltigen Verwendung von sog. Pflanzenschutzmitteln (z.B. Ausbildungsbescheinigung & Pflanzenschutzgeräteüberprüfung) in der Steiermark angeführt. Ohne eine genaue Statistik über Menge und Art der verwendeten Pestizide ist es aber unmöglich, den Erfolg oder Misserfolg von bestehenden Bemühungen zur Pestizidreduktion zu evaluieren bzw. weitere diesbezügliche Schritte fundiert zu planen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Die Landesregierung wird aufgefordert, rechtliche Grundlagen für eine verpflichtende Dokumentation des steiermarkweiten Pestizideinsatzes im Landtag einzubringen, wonach VerwenderInnen zumindest die ausgebrachte Menge pro Wirkstoffklasse an eine dafür zuständige Behörde übermitteln müssen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)