LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 12

EZ/OZ 978/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Landwirtschaft

Betreff:
Prämie für die Aufzucht und Schlachtung von Vollmilchmastkälbern in der Steiermark

 

zu:
EZ 978/1, Prämie für die Aufzucht und Schlachtung von Vollmilchmastkälbern in der Steiermark (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Landwirtschaft" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 16.03.2021 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Landwirtschaft vom 12.01.2021 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht, eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 978/1, betreffend "Prämie für die Aufzucht und Schlachtung von Vollmilchmastkälbern in der Steiermark" abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

"Die Maßnahmen zur Eindämmung von Kälber-Lebendtiertransporten und von Kälber-Exporten sowie zur Stärkung der heimischen Kalbfleischproduktion und der regionalen Versorgung mit Kalbfleisch werden laufend evaluiert.

Für eine mögliche Umsetzung eines Förderungsprogrammes für die Vollmilchkälbermast in der Steiermark, wie im Antrag angesprochen, sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Kälberanfall aus Milchrassen in der Steiermark

    o   Brown Swiss

    • 611 Zuchtherden

    • 8.732 Herdebuchkühe

    • Annahme Abkalbequote: 90 %

  • 3.929 Stierkälber, 3.929 Kuhkälber

o   Holstein

  • 683 Zuchtherden

  • 7.458 Herdebuchkühe

  • Annahme Abkalbequote: 90 %

  • 3.356 Stierkälber, 3.356 Kuhkälber

o   Unter der Annahme, dass rund 20 % der Besamungen bei Brown Swiss und Holstein mit Fleischrassestieren erfolgen, ergeben sich in Summe rund

5.800 Milchrasse-Stierkälber

o   Die nachfolgende Kategorisierung dient als Basis für die Markteinschätzung:

Kategorie

Alter

Schlachtgewicht

Leichtes Vollmilchmastkalb

bis max. 3 Monate

55 - 80 kg

Schweres Vollmilchmastkalb

über 3 bis max. 6 Monate

80 - 110 kg

„Kalb rosé“-Mastkalb

> 6 bis < 8 Monate

> 120 kg

 

    o   Der Markt für leichte Vollmilchmastkälber ist sehr begrenzt und ausgeschöpft.

o   Für schwere Vollmilchmastkälber und „Kalb rosé“-Mastkälber scheint der Markt ausbaufähig.

o   Die Erfahrungen aus den westlichen Bundesländern zeigen, dass eine wirtschaftliche Vollmilch-Kälbermast von Milchrassekälbern nur möglich ist, wenn

  • entsprechende Prämien aus Förderprogrammen gewährt werden

  • in der Aufzucht eine effiziente Verwertung der eingesetzten Milchmenge möglich ist

  • mit niedrigen Tierarztkosten zu rechnen ist

  • Der in der Kalkulation eingesetzte Milchpreis, den man alternativ beim Verkauf der Milch an die Molkerei erlösen würde, ist ein entscheidender Einflussfaktor. Je höher der Milchpreis, desto unwirtschaftlicher wird die Vollmilch-Kälbermast.

Auf Bundesebene befindet sich derzeit das Projekt „österreichische Kalbfleischstrategie“ in Ausarbeitung, welches auszugsweise folgende Punkte beinhaltet:

  • Ziel ist es, die Bedarfsdeckung an Kalbfleisch aus regionaler Produktion zu erhöhen und damit eine werthaltige Nutzung der Kälber aus der Milcherzeugung zu ermöglichen.

  • Der Verbleib der Milchkälber auf ihren Betrieben zur (Milch-)Mast bzw. Erzeugung von Kalbfleisch muss finanziell attraktiv sein.

  • Damit können einerseits Transporte reduziert und auf der anderen Seite qualitativ hochwertiges und den österreichischen Tierschutz-Standards entsprechendes Kalbfleisch produziert werden.

  • Aufbau einer inländischen Kalbfleischproduktion mit Qualitätsmarkenprogrammen und Absatz in Gastronomie sowie Gemeinschaftseinrichtungen.

Maßnahmen im Detail:

  • Aufnahme der Qualitätsstandards „Vollmilchkalb“ und „Kalb rosé“ ins AMA-Gütesiegel – kombiniert mit einer Förderung der Teilnahme an diesen Lebensmittel-Qualitätsregelungen;

  • darauf aufbauend Absatzförderung und Vermarktungsstrategien;

  • Ausweitung der bestehenden De-minimis Förderung für die Erzeugung von Qualitätsrindfleisch (Q-plus Rind) auf die Kälbermast;

  • ÖPUL Maßnahme „Tierwohl Stallhaltung“ auf Kälber ausdehnen.

Bei Einführung eines Förderungsprogrammes wird angenommen, dass rund 600 bis 1.000 Kälber als schwere Vollmilchmastkälber oder „Kalb rosé“-Kälber in ein Förderungsprogramm fallen könnten.

Die Erarbeitung der österreichweiten Strategie wird auch von der Steiermark intensiv mit den betroffenen Erzeugergemeinschaften unterstützt, daher wird derzeit ein weiteres, rein steirisches Programm nicht in Betracht gezogen."

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses fur Landwirtschaft zum Antrag, Einl.Zahl 978/1,"Prämie für die Aufzucht und Schlachtung von Vollmilchmastkälbern in der Steiermark",der Abgeordneten der FPÖ wird zur Kenntnis genommen.

 

 

 

Der Obmann:
LTAbg. Hubert Lang