LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1123/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 28.01.2021, 22:36:28


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Sanfte Naturnutzung, Lenkung von Freizeitsportler*innen und neue Ertragsmöglichkeiten für die Landesforste

Seit Beginn der Corona-Krise nimmt die Sportausübung in der Natur regelrecht exponentiell zu – sei es in Form von Wandern, Radfahren oder im Winter von Skitouren und beim Langlaufen.

Die Begeisterung an der Bewegung an der frischen Luft ist sehr zu begrüßen, mit der Freude am Erleben der Natur kommt es beobachtbar aber auch zu Eingriffen in die Natur und in fremde Rechte. Das wird wohl (auch) auf ein fehlendes geregeltes und gleichsam rechtmäßiges Angebot zurückzuführen sein. Rückmeldungen von Freizeitsportler*innen zeigen, dass es einen großen Bedarf an geregelten, rechtssicheren Angeboten gibt.

Besonders der Radsport erfreut sich wachsender Begeisterung, was der Absatz an neuen Fahrrädern im Jahr 2020 auch zahlenmäßig belegt. Besonders Mountainbiken wurde in den letzten Jahren zu einem zugkräftigen und dynamischen Wirtschaftsfaktor und durch die Corona-Krise weiter gepusht. Eine Möglichkeit, die international zusehends beliebter wird, besteht in eigens angelegten und freigegebenen Mountainbike-Wegen durch Wälder an dafür geeigneten Stellen.

In Schottland etwa werden „Trail centers“ von der „Forestry and Land Scotland“, sozusagen den dortigen Bundesforsten, betrieben. Das hat einen Mehrwert in vielfacher Hinsicht: Die Naturnutzer*innen werden gezielt gelenkt, Menschen können aktiv über die wichtige Arbeit der Forstbetriebe informiert werden und der Bezug der Bevölkerung zum Lebensraum Wald wird gefördert. Man kann auch das mögliche Miteinander von Forst, Jagd und Freizeitnutzung, ganz entlang der vier Nutzungsarten des Waldes, sehr gut kommunizieren. Je nach Struktur lässt sich hier auch ein neues Einkommensmodell generieren. Auf diese Weise werden Natur und Wald auf innovative und gleichsam schonende Art erleb- und spürbar, gleichzeitig könnte bei entsprechender Konzeption die bekannt prekäre monetäre Situation der Landesforste entschärft werden.

Außerdem kann eine solche Anlage eine gute Möglichkeit sein, Kindern und Jugendlichen eine sichere Möglichkeit zu geben, das Radfahren zu erlernen und dabei Kontakt zur Natur zu haben. Das bietet auch den Landesforsten eine Möglichkeit, in der Außenwirkung ein dementsprechend positives Bild zu erzeugen und sich als Marke zu etablieren. Ein Gespräch mit „Forestry & Land Scotland“ hat ergeben, dass die Entwicklung mittels oben genannter „Trail Centers“ eine äußerst positive ist und Impulse für Bewegung, Gesundheit, Tourismus und Naturverständnis bringt sowie dass ein weiterer Ausbau angestrebt wird.

Natürlich ist eine ungehinderte Bewirtschaftung für so einen Großbetrieb von essentieller Bedeutung, genau darin liegt aber auch eine große Chance für ein solches Projekt: Für den ungehinderten forstlichen Nutzungsbedarf können die angelegten Strecken jederzeit gesperrt werden, wobei solche Sperrzeiten ohnehin den Schwerpunkt im Winter hätten. Soweit die Jagd betroffen ist, sollen die Trassen in der Dämmerung und während der Nacht schon aus sicherheitstechnischen Gründen gesperrt sein. Die wechselseitige Rücksichtnahme (nämlich auch des Sports gegenüber der Jagd) dient dabei als Modell für ein gutes Miteinander und kann so eine gesellschaftliche Vorbildfunktion einnehmen. Durch die Etablierung eines Bezahlmodells können außerdem Benützer*innen an eine geregelte Ausübung ihres Sports effektiv vertraglich gebunden werden.

Ein funktionierendes Beispiel stellt auch unser Nachbarland Tschechien dar, hier hat sich beim Wexl-Trail wie auch in Rychlebske Stezky oder oder in Trutnov gezeigt, dass man auf diese Weise gerade auch strukturschwache Regionen wiederbeleben kann. So kann gerade auch die lokale (Land-) Wirtschaft davon profitieren.

Summa summarum kann ein gut durchdachtes Trail-Projekt Vorteile für alle Betroffenen bieten, indem zum einen den Besucher*innen eine nachhaltige und naturnahe Nutzung des Waldes ermöglicht wird, auf der anderen Seite der Forst- und Jagdbetrieb aber nahezu ungestört weiter stattfinden kann. Durch eine gezielte Lenkung der Sportler*innen durch den Wald und vertragliche Bindung an Verhaltensregeln werden nicht nur Konflikte vermieden, sondern nebenbei kann auch das Budget der Landesforste aufgebessert werden.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, gemeinsam mit den Landesforsten und den betroffenen Stakeholdern eine Prüfung der Möglichkeiten zur Einrichtung eines Trailcenters auf dem Areal der Landesforste zu veranlassen, welches eine geregelte Nutzung der Natur für Freizeitsportler*innen ermöglicht.


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)