LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1073/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 02.09.2016, 09:12:47


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Hannes Amesbauer, BA (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Wirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Doris Kampus, Landesrat Mag. Christopher Drexler, Landesrätin MMag. Barbara Eibinger-Miedl

Betreff:
Lehrlingspaket zur Eindämmung der Jugendarbeitslosigkeit

Begründung

Aus der Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer geht hervor, dass sich in der Steiermark im Jahr 2015 knapp 16.000 Jugendliche im dualen Ausbildungssystem befanden. Die Lehrlingszahlen der letzten Jahre weisen eine konstante Negativentwicklung in diesem Bereich auf. Während im Jahr 1990 noch 25.363 Auszubildende eine Lehre absolvierten, waren es 2015 nur mehr 15.820, was einem rund 38-prozentigen Rückgang innerhalb von 25 Jahren entspricht. Die WKO-Statistik zeigt ebenso die katastrophale Entwicklung am Lehrstellenmarkt auf. Im Jahr 2011 bildeten 6.112 Betriebe noch 18.911 Lehrlinge aus. 2015 gab es in der Steiermark nur noch 5.221 Lehrbetriebe. In den letzten fünf Jahren hat die Zahl jener Unternehmen, die Lehrlinge beschäftigen, somit um rund 15 Prozent abgenommen (Quelle: Lehrlingsstatistiken der WKO abrufbar unter: www.wko.at).

Äußerst bedenklich ist auch die Tatsache, dass per Juli 2016 den 1.318 Lehrstellensuchenden in der Grünen Mark lediglich 362 offene Lehrstellen gegenüberstanden. Somit haben beinahe 1.000 junge Steirer keine Chance, einen von ihnen angestrebten Ausbildungsplatz zu erhalten. Die Jugendarbeitslosigkeit lag zur selben Zeit bundesweit bei 11,3 Prozent (Quelle: Arbeitsmarktdaten des BMASK, Juli 2016, abrufbar unter: www.bmask.gv.at).

Angesichts dieser erschreckenden Zahlen besteht akuter Handlungsbedarf. Das derzeitige System war in den vergangenen Jahren nicht im Stande, Lösungen für die Lehrlingsproblematik darzulegen. Es bedarf zweifelsohne einer Fülle von Maßnahmen, um dem Lehrstellenmangel wirksam zu begegnen.

Auf Bundesebene hat sich hierbei vor einigen Jahren die Einsetzung eines überparteilichen Lehrlingsbeauftragten bewährt. Ein solcher wäre auch für die Steiermark wünschenswert. Dieser könnte als fachkundiger, überparteilicher Koordinator der Landesregierung beratend zur Seite stehen und als Verbindungsglied zwischen Landespolitik, Wirtschaft und Lehrlingen fungieren.

Egon Blum war von 2003 bis 2008 Beauftragter der Bundesregierung für Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung. Nach ihm ist auch der sogenannte „Blum-Bonus“ benannt – ein Anreizmodell für Betriebe, die Lehrlinge ausbilden. Durch dieses Förderungsinstrument konnten von 2005 bis 2008 über 12.500 zusätzliche betriebliche Lehrstellen geschaffen werden. Das derzeitige System der Lehrstellenförderung muss überarbeitet werden, um Unternehmen wieder Anreize zu bieten, vermehrt Lehrlinge aufzunehmen. Die Einführung eines dem „Blum-Bonus“ entsprechenden Fördermodells in der Steiermark würde innerhalb kürzester Zeit die betriebliche Ausbildung stärken und eine effektive Maßnahme gegen den vorherrschenden Lehrstellen- und Fachkräftemangel darstellen. Zudem könnte dadurch der hohen Jugendarbeitslosigkeit entgegengewirkt werden.

Eine weitere Maßnahme zur finanziellen Unterstützung von Lehrbetrieben wäre die Übernahme von Prüfungstaxen für Lehrabschlussprüfungen durch die öffentliche Hand. Dies würde nicht nur die Unternehmen entlasten, sondern auch zu einer Gleichstellung von Lehrlingen mit Schülern mittlerer und höherer Schulen, deren Ausbildung zum Großteil vom Staat finanziert wird, beitragen. Die Unterbringungskosten, die für Lehrlinge während ihrer Ausbildung an Berufsschulen entstehen, belasten diese massiv und sollten ebenfalls vom Land Steiermark getragen werden. Damit würde man auch einen wesentlichen Beitrag zur Aufwertung der Lehrausbildung an sich leisten.

Junge Menschen in außergewöhnlichen Lebenslagen (Schwangerschaft in jungem Alter, schwere Krankheit, Pflege von Angehörigen etc.) haben oft nicht die Möglichkeit, eine Lehre abzuschließen, da sie nicht über die notwendigen zeitlichen Ressourcen für eine Vollzeitbeschäftigung verfügen. Die Einführung bzw. die rechtliche Verankerung einer Teilzeitlehre könnte es diesen Jugendlichen ermöglichen, ihre Berufsausbildung abzuschließen. Man würde damit auch Unternehmen entgegenkommen, die keine „ganze“ Lehrstelle zu vergeben haben oder flexiblere Lösungen bevorzugen.

Österreichweit entscheiden sich 25 Prozent der männlichen Lehrlinge für eine Ausbildung in den Bereichen Metall- und Elektrotechnik. Ein Viertel der weiblichen Auszubildenden entscheidet sich für eine Lehre im Einzelhandel (Quelle: Lehrlingsstatistik der WKO abrufbar unter www.wko.at). Viele Jugendliche sind sich der breiten Palette an gebotenen Ausbildungsmöglichkeiten nicht bewusst. In Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, der Wirtschaftskammer und dem Arbeitsmarktservice sollte ein Maßnahmenpaket zur Attraktivierung der Lehrausbildung in der Steiermark erarbeitet werden, um die vielfältigen Chancen, Richtungen und Möglichkeiten, die eine Lehrausbildung bietet, aufzuzeigen.

Das Land Steiermark sollte angesichts der angespannten Situation am Lehrstellenmarkt und der hohen Jugendarbeitslosigkeit mit gutem Beispiel vorangehen und als Sofortmaßnahme eine Erhöhung der im Amt der Steiermärkischen Landesregierung sowie in Unternehmen mit mehr als 50-prozentiger Landesbeteiligung angesiedelten Ausbildungsplätze durchführen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Situation am steirischen Lehrstellenmarkt und zur Eindämmung der Jugendarbeitslosigkeit zu erarbeiten und dem Landtag zur Beschlussfassung vorzulegen. Dieses Paket soll

  • die Einsetzung eines überparteilichen Lehrlingsbeauftragten auf Landesebene,

  • die Einführung eines dem „Blum-Bonus“ entsprechenden Lehrlingsfördermodells in der Steiermark,

  • die Übernahme von Prüfungstaxen für Lehrabschlussprüfungen durch die öffentliche Hand,

  • die Übernahme von Internatskosten für Berufsschüler durch die öffentliche Hand,

  • Schritte zur rechtlichen Absicherung einer „Teilzeitlehre“,

  • ein Maßnahmenpaket zur Attraktivierung der Lehrausbildung sowie

  • eine Erhöhung der im Amt der Steiermärkischen Landesregierung sowie in Unternehmen mit mehr als 50-prozentiger Landesbeteiligung angesiedelten Ausbildungsplätze beinhalten.

 


Unterschrift(en):
LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Hannes Amesbauer, BA (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)