LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1035/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 07.01.2021, 16:22:34


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Regierungsmitglied(er): Landeshauptmann-Stv. Anton Lang
Frist: 08.03.2021

Betreff:
Werden tödliche Kollisionen von Vögeln bestmöglich vermieden?

Verdrahtungen des Luftraumes wie z.B. Freileitungen sehen für uns Menschen meist ungefährlich aus, für viele Vögel führen sie aber jedes Jahr zu schweren Verletzungen bis hin zum Tod. Das Kollisionsrisiko entsteht vor allem dadurch, dass die Seile nicht oder erst zu spät gesehen werden. Selbst wenn die Vögel die dickeren Leiterseile noch erkennen, weichen sie meist nach oben aus und fliegen dann direkt in das Blitzschutzseil. Betroffene Vogelarten sind insbesondere Trappen, Kraniche, Störche, Schwäne sowie fast alle anderen Wasservögel und auch Greifvögel. Sie können im Flug schlecht nach vorne fokussieren und sind daher bei Hindernissen im Luftraum kaum manövrierfähig. Das Kollisionsrisiko erhöht sich auch für nachtaktive oder nachts ziehende Vögel. Aber auch das Wetter kann einen bedeutende Rolle spielen, denn bei dichtem und starkem Nebel sind die Seile noch schwerer erkennbar. Auch standortspezifische Faktoren spielen eine große Rolle. Sehr häufig kollidieren Vögel etwa an Stromleitungen in der Nähe größerer Gewässer und Flussniederungen, die die Vögel auf ihrem Zug besuchen und die ihnen als Mauser- und Überwinterungsgebiete dienen. Werden größere Gewässer und Niederungen oder Verbindungen zwischen Schlaf-, Rast- und Nahrungsgebieten durch Freileitungen gequert, ist dort besonders auf den Schutz der Tiere zu achten.

Das Land Steiermark hat diese Problematik, zumindest im letzten Jahrzehnt, nicht gänzlich unberührt gelassen: 2011 wurde von der Abteilung 13 eine Studie zur "Verdrahtung des Luftraums als artenschutzrelevante Gefahrenquelle für Zugvögel an Gewässern" in Auftrag gegeben. In dieser wird darauf hingewiesen, dass die zunehmende Verdrahtung des Luftraums mit Hochspannungsleitungen, Trägerseilen von Seilbahnen und Wasserschiliften, Abspannseilen technischer Anlagen und ähnlichen Einrichtungen ein erhebliches Kollisionsrisiko für Vögel darstellt. Insgesamt wurden 17 Risikopunkte mit unterschiedlichem Risikoausmaß dokumentiert und Maßnahmen zur Reduzierung des Kollisionsrisiko angeführt.

Eine aktuellere Studie des Naturschutzbundes Deutschland geht von 1,5 bis 2,8 Millionen Vögeln jährlich aus, welche zu Kollisionsopfern werden und zeigt auf, dass 90 % der Unfälle mit einfachen Maßnahmen vermieden werden können (vgl. https://www.nabu.de/news/2017/03/22059.html).

Im Sinn des Vogelschutzes sind Erdleitungen naturgemäß die sicherste Variante. Dies ist aber nicht immer möglich, bereits bestehende Leitungen können aber einfach mit Vogelschutzarmaturen nachgerüstet werden, dabei handelt es sich um deutlich sichtbare und bewegliche Markierungen mit hohem Kontrast. Sie werden an den Seilen angebracht und werden so für Vögel wahrnehmbar. Eine einfache und leicht umsetzbare Maßnahme, welche auch bereits 2011 zur Minimierung des Kollisionsrisikos vorgeschlagen wurde.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Welche Maßnahmen wurden seit 2011 gesetzt, um dem Vogeltod durch Kollision oder Verdrahtung im Luftraum entgegen zu wirken?
  2. Wurden zu allen in der 2011 erstellten Studie dokumentierten Risikopunkten, an denen ein hohes oder mittleres Kollisionsrisiko festgestellt wurde, Maßnahmen gegen Vogelkollisionen gesetzt?
    1. Wenn nein, warum nicht?
    2. Wenn nein, an welchen nicht?
  3. Wird laufend überprüft, ob diese Maßnahmen noch ausreichend sind?
  4. Gibt es aktuelle Zahlen, ob die Unfälle an Risikopunkten, an denen Vogelschutzarmaturen oder andere Markierungen angebracht wurden, sich verringert haben?
    1. Wenn ja, wie viele Unfälle sind es weniger? (Wir bitte um Aufschlüsselung nach Jahren ab 2011)
    2. Wenn nein, warum wird dies nicht erhoben?
  5. Gibt es aktuelle Zahlen, wie viele Vögel steiermarkweit wegen Kollisionen mit Leitungen sterben und verletzt wurden?
    1. Wenn ja, wie viele Vögel wurden verletzt? (Wir bitten um Aufschlüsselung nach Vogelart und nach Jahren ab 2011)
    2. Wenn ja, wie viele Vögel sind bei der Kollision oder an den Folgeverletzungen gestorben? (Wir bitten um Aufschlüsselung nach Vogelart und nach Jahren ab 2011)
  6. Gibt es aktuelle Zahlen, an welchen Leitungen ein hohes bis mittleres Kollisionsrisiko besteht?
    1. Wenn ja, um welche Leitungen handelt es sich konkret?
    2. Wenn ja, welche Maßnahmen werden an diesen Orten gesetzt, um weitere Unfälle zu vermeiden?
    3. Wenn ja, sind darunter Risikopunkte, welche bereits 2011 dokumentiert wurden?
  7. Wird bei Planungs- und Bewilligungsverfahren von technischen Projekten (Stromleitungen, Schiliften, Seilbahnen etc.), welche ein Kollisionsrisiko für Vögel mit sich bringen könnten, eine gutachterliche Stellungnahme eines Ornithologen eingeholt?
    1. Wenn ja, werden, wenn eine erhöhte Gefahr für Vögel bestätigt wurde, entsprechende Auflagen für eine Minimierung des Kollisionsrisiko vorgeschrieben?
    2. Wenn nein, warum nicht?
  8. Bekommen private Betreiber von Sportstätten (Wasserparks, Golfclubs, Schiliftbetreiber etc.) eine Förderung oder finanzielle Entschädigung, wenn diese Vogelschutzarmaturen montieren, um das Kollisionsrisiko zu verringern?
    1. Wenn ja, an welche Voraussetzungen ist diese finanzielle Zuwendung gebunden und wie hoch ist diese?
    2. Wenn nein, warum nicht?
  9. Werden auch Maßnahmen in anderen Bereichen (bspw. im Verkehr, bei Eisenbahnstrecken, Windrädern) gesetzt, um die kollisionsbedingte Mortalität von Vögeln zu verringern?
    1. Wenn ja, welche Maßnahmen werden in welchem Bereich konkret gesetzt?
    2. Wenn nein, warum nicht?
  10. Welche weiteren Maßnahmen werden seitens der Landesregierung in den nächsten Jahren gesetzt, um Kollisionen und Verdrahtungen von Vögel im Luftraum zu verringern?
    1. Wie hoch sind die dafür vorgesehenen budgetären Mittel und aus welchem Budgettopf kommen sie?
  11. Wie stehen Sie zu einer gesetzlichen Verpflichtung zur Anbringung von Vogelschutzarmaturen bei Leitungen, welche ein hohes bis mittleres Kollisionsrisiko aufweisen?

Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)