LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 596/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 18.06.2020, 13:52:12


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landesrat Mag. Christopher Drexler, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Landeshauptmann-Stv. Anton Lang, Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Mikroplastik-Granulat im Kunstrasen ersetzen

Das bereits von zahlreichen Wissenschaftlern ausgerufene Anthropozän, jenes Zeitalter in welchem der Mensch zum wichtigsten Einflussfaktor auf natürliche Prozesse wurde, ist u.a. durch die hohe Akkumulation von Kunststoffen (v.a. Plastik) in sämtlichen Ökosystemen charakterisiert. Die negativen Auswirkungen von Plastikmüll in der Umwelt sind wissenschaftlich bereits umfangreich dokumentiert. Vor allem Mikroplastik (=Partikel kleiner als 5 mm) aus diversen Quellen (z.B. synthetische Fasern aus Textilien, Scheuermaterialien aus Putzmitteln und Kosmetika) wurde dabei als besonders schädlich klassifiziert. Viele unterschiedliche Tierarten nehmen diese kleinen Teile nachweislich während ihrer Nahrungssuche auf und können entweder unmittelbar (durch Ersticken) oder zeitverzögert (durch Verstopfungen und Entzündungen des Verdauungstraktes) daran verenden. Zusätzlich lösen sich aus dem Plastik toxische Inhaltstoffe (z.B. hormonell wirksame bzw. krebserregende Flammschutzmittel und Weichmacher), die sich nicht nur in Böden und Gewässern, sondern, bei vorheriger Aufnahme, auch im tierischen Gewebe anreichern können. Diese Substanzen gelangen so auf unterschiedlichen Ebenen in die Nahrungskette und kontaminieren schlussendlich unsere Konsumgüter. Als wichtigste Maßnahme zur Eindämmung von Plastikmüll in die Umwelt gilt die Identifizierung der Eintragsquellen und ihre anschließende Kontrolle.

Als wesentliche Eintragsquellen wurden unlängst Sportstätten mit künstlichen Bodenbelägen ausgemacht (Hann et al., 2018). In die Kunstrasenmatten auf Fußball-, Football- und Tennisplätzen wird, als Verletzungsschutz und zum haptischen Angleich an einen natürlichen Untergrund, üblicherweise ein Kunststoffgranulat eingearbeitet, wobei die durchschnittlich aufgebrachte Menge 16 kg/m² beträgt (Hann et al., 2018). Bei einer Platzgröße von 60 x 100 m liegen demnach rund 96 Tonnen Mikroplastik auf dem Feld. Österreichweit beläuft sich die Menge auf über 28 Kilotonnen (!), alleinig auf den Fußballplätzen (1.788.666 m² Kunstrasen sind bundesweit installiert). Mehreren Studien zufolge gehen jährlich etwa 1-4 % dieses Materials (also ca. 280-1100 Tonnen österreichweit) über diverse Austragsrouten (z.B. Auswaschung bei Starkregen, Schneeräumung, Anheften an Sportkleidung etc.) verloren und gelangen potentiell in aquatische und terrestrische Lebensräume (Hann et al., 2018; Lassen et al., 2016). Dort kann sich das Verlustmaterial z.B. negativ auf das Wachstum von Pflanzen und bestimmte Stoffwechselaktivitäten von Fischen auswirken (Ottosson, 2016; van Kleunen et al.,2019). Ultimativ hat aber jedes einzelne ausgetragene Teilchen das Potential, den Tod eines Tieres herbeizuführen!

Aktuell prüft die EU-Kommission im Rahmen ihrer Kunststoffstrategie, wie der Eintrag an umweltschädlichem Mikroplastik in unserer Umwelt verringert werden kann. Evaluiert werden diesbezüglich auch mögliche Beschränkungen, Verbote oder Alternativen bei der Verwendung von Mikroplastik-Granulat als Kunstrasenfüllung.

In Oberösterreich ist man bereits einen Schritt weiter und hat sich dazu entschieden, bei Neubau und Sanierung von Kunstrasenplätzen kein Plastikgranulat mehr zu fördern und stattdessen auf einen speziell gekörnten Sand als Füllstoff umzusteigen, welcher bei hervorragenden Spieleigenschaften deutlich umweltverträglicher ist (https://volksblatt.at/land-ooe-gruenes-licht-fuer-kunstrasenplaetze-ohne-mikroplastik/). Auch andere ökologische Alternativen (z.B. Kork) werden bereits erfolgreich in vielen anderen Ländern eingesetzt.

Da die negativen Effekte von Mikroplastik in der Umwelt eindeutig belegt sind und für die Füllung von Kunstrasenplätzen bereits vertretbare Alternativen zu Verfügung stehen, gibt es keinen Grund in dieser Sache, v.a. angesichts des hohen jährlichen Plastikaustrages von österreichischen Sportstätten, auf entsprechende EU-Regelungen zu warten.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, bei Neubau und Sanierung von Sportstätten mit Kunstrasenbelag anstelle des umweltschädlichen Mikroplastik-Granulates nur mehr umweltfreundlichere Füllstoffe (z.B. Quarzsand, Kork) zu fördern und gegenüber Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Sportverbänden bewußtseinsbildende Maßnahmen zu setzen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)