LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 7

EZ/OZ 1348/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Infrastruktur

Betreff:
S-Bahn Vordernberger Tal

 

zu:
EZ 1348/1, S-Bahn Vordernberger Tal (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Infrastruktur" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 09.05.2017 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Infrastruktur vom 10.01.2017 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Selbstständigen Antrag, Einl.Zahl 1348/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

Wie dem Landtag bereits berichtet, hat Verkehrslandesrat Anton Lang umfangreiche Planungen und Potenzialabschätzungen zur Installierung einer S-Bahn von Leoben nach Trofaiach beauftragt.

Eine von ihm installierte Steuerungsgruppe bestehend aus Vertretern der Gemeinden Leoben, Trofaiach und St. Peter-Freienstein, der ÖBB-Infrastruktur AG (Eigentümer der Infrastruktur) und des Landes Steiermark haben mit externer, verkehrsplanerischer Unterstützung eine umfassende Variantenuntersuchung zur Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs in das Vordernberger Tal durchgeführt.

Dabei sind ein S-Bahn-Konzept mit unterschiedlichen Angebotsniveaus sowie alternativ als Vergleichsvariante ein Buskonzept miteinander verglichen worden.

Klare Empfehlung dieser Expertengruppe war, dass es keine Wiederinbetriebnahme eines Schienennahverkehrs zwischen Leoben und Trofaiach geben soll. Stattdessen soll ein Buskonzept zur Realisierung gelangen.

Für diese Entscheidung waren vor allem folgende drei Gründe ausschlaggebend:

1.) Die zusätzlichen Investitionskosten für die Reaktivierung einer Bahnverbindung würden rund 43 Mio. Euro betragen. Für die Attraktivierung des Busverkehrs belaufen sich die infrastrukturellen Investitionskosten auf rund 1,3 Mio. Euro.

2.) Die zusätzlichen Betriebskosten liegen bei der Busvariante bei rund 300.000 Euro und bei der Variante S-Bahn bei rund 1,2 Mio. Euro.

3.) Ein dichtes Taktangebot (15 min-Takt) weist mit plus 700 bis 800 zusätzlichen Einsteigern pro Tag sehr positive Effekte auf. Die Bahn-Variante bleibt jedoch trotz der Einberechnung des Schienenbonus und des damit einhergehenden deutlich höheren Potenzials sogar hinter der bestehenden Nachfrage zurück (-100 Einsteiger pro Tag bei der Variante Vollbahn). Grund dafür sind u.a. die durch die Umsteigezwänge hervorgerufenen Reisezeitverlängerungen.

Entsprechend der Empfehlung verfolgt die Steuerungsgruppe die Variante Bus im Viertelstundentakt mit dem Ziel weiter, die Achse Leoben – Trofaiach zu einem Bus-Musterkorridor zu entwickeln. Neben dem Angebot auf städtischem Niveau soll auch die Infrastruktur (Haltestellen, Echtzeitinformation) und die Kundeninformation in bester Qualität zum Einsteigen einladen.

Das Busangebot soll auf einen exakten Viertelstundentakt zwischen Leoben und Trofaiach verdichtet werden (vierter Bus in der Stunde). Die Taktung basiert auf optimale Zuganschlüsse im Knoten Leoben Hauptbahnhof.

Im 15-Minuten-Takt überlagern sich ein Halbstundentakt Leoben – Trofaiach – Gimplach und ein aus TN-Bus und Linie 820 Leoben – Eisenerz gebildeter Halbstundentakt zwischen Leoben und Gladen.

Die Infrastrukturkosten sind in einer bisher in dieser Tiefe nie durchgeführten transparenten und realistischen Weise seitens der ÖBB-Infrastruktur AG abgeschätzt worden.

Die zusätzlichen Investitionskosten für die Reaktivierung einer Bahnverbindung würden rund 43,3 Mio. Euro betragen. Im Abschnitt ab Trofaiach Bahnhof bis Gladen müsste die Strecke aufgrund eines gültigen Einstellungsbescheides von der Eisenbahnbehörde neu bewilligt werden, zusätzlich wäre dieser Streckenabschnitt aufgrund des bestehenden Anlagenzustandes zur Gänze zu erneuern. Auch im vorderen Abschnitt bis Trofaiach wären für einen qualitativ hochwertigen S-Bahn-Betrieb umfassende Maßnahmen am Fahrweg wie zum Beispiel der Bau einer Betriebsausweiche zwischen Leoben Hbf und Donawitz und der Ausbau des Kreuzungsbahnhofs St. Peter-Freienstein notwendig (gesamt rund 10,6 Mio. Euro). Weiters wäre der teilweise Neubau von sieben Haltestellen erforderlich (8,6 Mio. Euro).

Die Sicherungstechnik müsste gänzlich auf neuestem Stand gebracht, sowie die Oberleitungen auf cirka 5 km Länge neu gebaut werden (gesamt 13,6 Mio. Euro). Ein Kostenfaktor wären auch die gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zur Sicherung von Eisenbahnkreuzungen gemäß der Eisenbahnkreuzungsverordnung 2012, die sich durch die angestrebten höheren Geschwindigkeiten ergeben würden (4,5 Mio. Euro).

Zusätzlich müssten sämtliche Brückenbauwerke und Durchlässe an die höheren Anforderungen eines S-Bahn-Verkehrs angepasst werden (cirka 2,5 Mio. Euro). Für etc. (i.d.R. ca. 10 % des Projektgesamtvolumens) wären schließlich rund 3,5 Mio. Euro zu veranschlagen.

Die im Antrag angeführten 8 Mio. Euro sind für eine Realisierung „S-Bahn Vordernberger Tal“ unrealistisch.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Infrastruktur zum Antrag der Abgeordneten der Grünen, EZ 1348/1 betreffend "S-Bahn Vordernberger Tal" wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Helga Ahrer