LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1040/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 11.01.2021, 11:19:44


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler
Frist: 11.03.2021

Betreff:
Inanspruchnahme von Karenz und Teilzeit im Landesdienst

Die Lebensumstände von Frauen sind immer noch unmittelbar von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, daraus resultierenden schlechteren Karrierechancen und althergebrachten Rollenverständnissen geprägt. Aus diesem Grund werden Frauen auch vielfach in die sog. "Teilzeitfalle" gedrängt und haben oft längere Karenzzeiten als Männer. Mütter verdienen nicht nur weniger als Väter, sondern auch weniger als ihre kinderlosen Kolleg_innen. Frauen, die sich hierzulande für Kinder entscheiden, müssen auf lange Sicht Einkommensverluste hinnehmen, die sie nie wieder aufholen. Selbst zehn Jahre nach Ende der Karenz verdient eine Mutter nur etwa 70 Prozent des Gehalts einer kinderlos gebliebenen Beschäftigten, wie eine Berechnung der Agenda Austria (https://www.agenda-austria.at/tags/mutterschaft/) zeigt. Lange Kinderbetreuungs- und Teilzeitphasen bedeuten mangelnde Berufserfahrung, weniger Gehaltsvorrückungen und eine höhere Armutsgefährdung im Alter.

Um diese gesellschaftspolitischen Probleme in Zahlen zu nennen, lohnt sich ein Blick in den aktuellen Bericht des Rechnungshofes: Allgemeiner Einkommensbericht 2020 (EZ 1019/1).

2019 verdienten Frauen in allen Beschäftigungsgruppen weniger als Männer. Unselbständige erwerbstätige Frauen in der Steiermark verdienen im Mittel nur 60 % des Einkommens der Männer. Damit lag die Steiermark sogar noch unter dem österreichweiten Schnitt, welcher 2019 bei 63% war. Auch wenn der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen im öffentlichen Bereich schwächer ausgeprägt ist als in der Privatwirtschaft, betrug im Berichtsjahr das mittlere Einkommen der Frauen 77% des mittleren Einkommens der Männer.

Der Anteil der ganzjährigen Teilzeitbeschäftigung lag bei Frauen österreichweit bei 83 %. Der häufigste Grund für Frauen im Jahr 2019 in Teilzeit zu arbeiten, waren die Betreuungspflichten, während Männer hauptsächlich wegen schulischer oder beruflicher Weiterbildung nicht vollzeiterwerbstätig waren.

Es liegt auf der Hand, dass Teilzeitarbeit und nicht ganzjährige Beschäftigung nach wie vor eine große Auswirkung auf das Einkommen haben und davon fast ausschließlich Frauen betroffen sind. Hier wird von Seiten des Landes leider immer noch zu wenig unternommen, um dieser Ungleichheit entgegenzusteuern und wirkungsvolle Maßnahmen zu setzten.

Gerade der öffentliche Dienst könnte hier mit Vorbildwirkung vorangehen und für eine bessere Aufteilung und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen. Da grundsätzlich vergleichbare gesetzliche Regelungen im Bereich der Elternkarenz und -Teilzeit gelten wie im privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen, stellt sich aber die Frage, inwiefern geschlechterspezifische Gleichberechtigung bereits jetzt im Landesdienst in Bezug auf Erwerbsunterbrechungen und Reduktion des Erwerbsausmaßes umgesetzt sind.


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

  1. Wie viele Personen befanden sich in den vergangenen 5 Jahren insgesamt in einem Dienstverhältnis mit dem Land oder waren personell nachgeordneten Dienststellen zuzuordnen? (Bitte um Auflistung jährlich und nach Geschlecht)
  2. Wie viele Personen, die sich in einem Dienstverhältnis mit dem Land befanden oder nachgeordneten Dienststellen zuzuordnen waren, arbeiteten in den vergangenen 5 Jahren in einer Teilzeitbeschäftigung? (Bitte um Auflistung jährlich nach Geschlecht)
  3. Wie viele Personen, die sich in einem Dienstverhältnis mit dem Land befanden oder nachgeordneten Dienststellen zuzuordnen waren, nahmen seit 2015 Elternteilzeit in Anspruch? (Bitte um Auflistung jährlich nach Geschlecht)
  4. Um welches Ausmaß wurde die Arbeitszeit von Personen in Elternteilzeit seit 2015 durchschnittlich gekürzt? (Bitte um Auflistung jährlich in Bezug auf Inanspruchnahme der Elternteilzeit, nach Geschlecht, in Prozent und Stunden)
  5. Wie viele Frauen, die sich in einem Dienstverhältnis mit dem Land befanden oder nachgeordneten Dienststellen zuzuordnen waren, nahmen in den vergangenen 5 Jahren Karenzierungen nach dem Steiermärkischen Mutterschutz- und Karenzgesetz in Anspruch? (Bitte um Auflistung jährlich in Bezug auf Antritt der Karenz, nach Geschlecht und nach durchschnittlicher Dauer der Karenzierung in Monaten)
  6. Wie viele Männer, die sich in einem Dienstverhältnis mit dem Land befanden oder nachgeordneten Dienststellen zuzuordnen waren, nahmen in den vergangenen 5 Jahren Karenzierungen nach dem Steiermärkischen Mutterschutz- und Karenzgesetz in Anspruch? (Bitte um Auflistung jährlich in Bezug auf Antritt der Karenz, nach Geschlecht und nach durchschnittlicher Dauer der Karenzierung in Monaten)
  7. Welche Initiativen werden von Seiten des Landes gesetzt, um den Anteil von Männern, welche Elternkarenz oder Elternteilzeit in Anspruch nehmen, zu erhöhen?

Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)