LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 871/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 16.12.2020, 08:54:51


Zu:
871/1 Auwälder in der Steiermark endlich schützen
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Auwälder in der Steiermark endlich schützen

Die Anfrage vom 26.10.2020, Einl.Zahl 871/1 der Abgeordneten LTAbg. Sandra Krautwaschl, LTAbg. Mag. Alexander Pinter, LTAbg. Lambert Schönleitner, LTAbg. Georg Schwarzl und LTAbg. Veronika Nitsche, MBA betreffend "Auwälder in der Steiermark endlich schützen" beantworte ich wie folgt:

Ad 1:

In der Steiermark wurden in Summe 4.083 ha Auwald kartiert. Da es derzeit erst eine vollständige Kartierung der Auwaldflächen gibt, ist eine Darstellung von Trends noch nicht möglich.

Ad 2:

Der Zustand der FFH-Lebensräume wird auf Ebene der jeweiligen biogeographischen Region für ganz Österreich beurteilt. Eine Betrachtung auf Ebene der einzelnen Bundesländer ist nicht vorgesehen. Im Artikel 17 Bericht für die Berichtsperiode 2013-2018 wurde der Lebensraumtyp 91E0 für beide biogeographische Regionen mit „ungünstig-schlecht“ (U2) beurteilt, was gegenüber der letzten Berichtsperiode eine Verschlechterung darstellt. Der Lebensraumtyp 91F0 wurde ebenfalls für beide biogeographische Regionen mit „ungünstig-schlecht“ beurteilt, der Status gegenüber der letzten Berichtsperiode ist gleichbleibend.

Ad 3:

Die Ursachen in der Steiermark stimmen im Wesentlichen mit den österreichweit identifizierten Ursachen überein:

  • Hydrologische Veränderungen (Flussregulierung, Abdämmung, Kraftwerke)
  • Ausbreitung invasiver Neophyten
  • Forstliches Einbringen standortfremder Baumarten
  • Eschentriebsterben

In einigen Bereichen muss zudem der Wilddruck als limitierender Faktor für die Verjüngung auwald-typischer Baumarten (z.B. Eiche) genannt werden.

Ad 4:

Diese Fragestellung fällt in die Zuständigkeit von LR Seitinger.

 

Ad 5 und 6:

Zu den Fragen 5 und 6: Ein ex-lege Schutz von Auwaldflächen wurde im Zuge der Erarbeitung des Steiermärkischen Naturschutzgesetzes 2017 diskutiert. Ein solcher ist aus rein naturschutzfachlicher Sicht positiv zu bewerten. Aufgrund mangelnder Rechtssicherheit und Rechtsschutzmöglichkeiten der betroffenen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer wurde in der Steiermark jedoch von der Entscheidung eines ex-lege Schutzes von Auwaldflächen abgesehen. Bei einer zukünftigen Novellierung des Naturschutzgesetzes soll eine neuerliche Bewertung eines ex-lege Schutzes von Auwaldflächen vorgenommen werden.

Ad 7:

Das Vertragsnaturschutzprogramm „Natura 2000“ dient dem Schutz von Wiesenflächen, im Europaschutzgebiet Nr. 15 „Steirische Grenzmur mit Gamlitzbach und Gnasbach“ gibt es ein eigenes Programm für die charakteristischen Eichengalerien. Waldflächen sind vom „Natura2000“ Vertrags­natur­schutzprogramm nicht umfasst.

Über BIOSA sind 5,6 ha Auwald geschützt.

Ad 8:

2.115 ha Auwald sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Inklusive anderer Schutzkategorien (Europaschutzgebiete und Naturschutzgebiete) unterliegen 3.223 ha Auwald einem hoheitlichen Schutz.

Ad 9:

Die Haupterkenntnisse sind das Wissen um die räumliche Verortung und Verteilung der steirischen Auwälder und eine qualitative Beschreibung der Bestände auf Ebene der Biotoptypen. Die erhobenen Daten finden in Behördenverfahren Anwendung.

Ad 10:

Für die steirische Auwaldkartierung wurden 56.450 € aufgewendet. Die Erhebung der Auwaldbestände in den Europaschutzgebieten erfolgte im Rahmen der Kartierungen zur Erstellung der Management­pläne, hier erfolgten keine gesonderten Auwaldkartierungen.

Ad 11:

Die Daten werden mit den übrigen Daten der Steierischen Biotopkartierung im digitalen Steiermark Atlas veröffentlicht.