LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1008/1

Regierungsvorlage

eingebracht am 01.07.2016, 14:40:02


Geschäftszahl(en): ABT08-24668/2016-93
Zuständiger Ausschuss: Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler

Betreff:
Beschluss Nr. 194 vom 19.04.2016 betreffend Prüfung des Angebotes im Bereich der Palliativ- und Hospizversorgung in der Steiermark in Hinblick auf potentielle Versorgungslücken

Der Landtag Steiermark hat am 19.04.2016 folgenden Beschluss gefasst:

Die Steiermärkische Landesregierung wird aufgefordert, das Angebot im Bereich der Palliativ- und Hospizversorgung in der Steiermark in Hinblick auf potentielle Versorgungslücken zu prüfen, diese gegebenenfalls zu schließen und dem Landtag darüber Bericht zu erstatten.

Aufgrund dieses Beschlusses berichtet die Steiermärkische Landesregierung wie folgt:

Der Erfolg des Pilotprojektes „Stationäre Palliativbetreuung" (1998-2000) war wesentlich für den weiteren Auf- und Ausbau von Hospiz- und Palliativeinrichtungen verantwortlich. 2008 wurde der Hospiz- und Palliativbereich in unserem Bundesland – erstmalig in Österreich – im Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) aufgenommen und die Überführung der Hospiz- und Palliativeinrichtungen in eine Regelfinanzierung ab 2009 in der Gesundheitsplattform beschlossen.

Als Schnittstelle zwischen den einzelnen Hospiz- und Palliativeinrichtungen, den Trägerorganisationen und dem Gesundheitsfonds Steiermark wurde die „Koordination Palliativbetreuung Steiermark" in der KAGes eingerichtet.

Die Steiermark kann auf einen erfolgreichen Aufbau des Hospiz- und Palliativbereiches nach dem Konzept der abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung zurückblicken:

Die Grundversorgung erfolgt zunächst in den bestehenden Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens. Der Übergang von einer kurativen zu einer palliativen Betreuung stellt häufig eine schwierige Entscheidung dar. Die zeitgerechte Einbindung einschlägiger Expertise braucht Kenntnis über Arbeitsweise und Erreichbarkeit der spezialisierten Hospiz- und Palliativdienste.

Zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativgrundversorgung erarbeiten derzeit ExpertInnen in Zusammenarbeit mit GÖG/ÖBIG im Auftrag der Bundesgesundheitsagentur einen Leitfaden, der ab 2017 verfügbar sein soll.

In komplexeren Situationen und bei schwierigeren Fragestellungen stehen zusätzlich ExpertInnen zur Beratung zur Verfügung: Mobile Palliativteams für die Unterstützung der Betreuung zu Hause und in Heimen sowie Palliativkonsiliardienste in Akutkrankenhäusern. Für manche PatientInnen ist eine spezielle stationäre Betreuung erforderlich. Im Bereich der Akutversorgung erfolgt diese auf einer Palliativstation und im Langzeitbereich in stationären Hospizen.

Mit der abgestuften Versorgung soll ein gerechter Zugang zu den Möglichkeiten der Hospizarbeit und Palliativmedizin gewährleistet werden.

In unten angeführten Bereichen bestehen grundsätzlich folgende Weiterentwicklungspotentiale:

A) Erwachsenen-Palliativ:

- Ausbau stationärer Hospize:

Stationäre Hospize sind, entsprechend der abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung, als Zuweisungsmöglichkeit für PalliativpatientInnen zu nutzen, die nicht mehr krankenhausbedürftig sind, aber auch nicht nach Hause oder nicht mehr in ein Heim entlassen werden können. Für palliativ geriatrische PatientInnen besteht ein Bedarf an spezialisierter Versorgung. Derzeit gibt es Angebote im GGZ (Albert Schweitzer Hospiz) Graz.

Ein weiterer Ausbau ist im RSG Steiermark vorgesehen, aber noch nicht umgesetzt. In Planung sind eine stationäre Hospizversorgung im Vinzidorf (Obdachlose) sowie ein Pilotprojekt für 2 Hospizbetten im Krankenhaus der Elisabethinen.

Finanzelle Mittel in Form von bundesweit einheitlichen Tagsätzen werden schon über Jahre hinweg gefordert.

- Palliativstationen:

In der Steiermark werden Palliativstationen in den Landeskrankenhäusern Rottenmann/Bad Aussee, Feldbach/Fürstenfeld, Judenburg/Knittelfeld, Hochsteiermark, im Krankenhaus der Elisabethinen sowie am LKH-Univ.-Klinikum Graz mit der UPE (Universitäre Palliativmedizinische Einrichtung) vorgehalten. Der überwiegende Anteil der PatientInnen, die in Palliativstationen betreut werden, leidet an fortgeschrittenen Tumorerkrankungen.

Der aktuelle RSG Steiermark sieht für die Versorgungsregion 65 zusätzlich eine Palliativstation mit 8 Betten bis 2020 am LKH Deutschlandsberg vor.

Die Finanzierung der Palliativstationen ist österreichweit über die leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) geregelt.

- Mobile Palliativteams:

Die Mehrzahl der Menschen wünscht sich zu Hause bzw. in vertrauter Umgebung sterben zu können. So wird besonderes Augenmerk auf „mobil vor stationär“ gelegt. Obwohl eine flächendeckende Verfügbarkeit der mobilen Palliativteams gegeben ist, steigt die Nachfrage nicht nur für PatientInnen mit Tumordiagnosen, sondern auch für PatientInnen ohne Tumordiagnosen im häuslichen wie auch im stationären Pflegebereich beständig. Die mobile Palliativbetreuung hat einen beträchtlichen krankenhausentlastenden Effekt, da die Menschen länger zu Hause verbleiben und auch dort sterben. In diesem Zusammenhang ist ein Bedarf für den Ausbau der mobilen Palliativteams im Auge zu behalten. Herausforderungen für die Teams sind die im Rahmen des neuen Arbeitszeitgesetzes einzuhaltenden Ruhezeiten und die daraus resultierenden verkürzten telefonischen Beratungsleistungen.

 

B) Kinder-Palliativ:

Die stationäre pädiatrische Versorgung erfolgt am LKH Hochsteiermark und im LKH-Univ.-Klinikum Graz. Im niedergelassenen Bereich sind FachärztInnen für Kinderheilkunde tätig. Für pflegerische Unterstützung kranker Kinder zu Hause ist MoKiDi, ein mobiler Kinderkrankenpflegedienst, steiermarkweit verfügbar.

Im Jahre 2014 wurde in der Steiermark seitens der Gesundheitsplattform das Pilotprojekt der „Palliativversorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ für den Zeitraum 2014 - 2016 beschlossen.

Die Umsetzung erfolgt über 2 mobile Palliativteams für Kinder am LKH Hochsteiermark, Standort Leoben und am LKH-Univ.-Klinikum Graz. Weiters gibt es an den genannten Standorten 2 Palliativkonsiliardienste (Mobile Kinderteams). Die multiprofessionellen Teams unterstützen und ergänzen die Basisversorgung (ÄrztInnen, Hauskrankenpflege, etc.) und wenden sich an die Betreuenden zu Hause sowie in Betreuungseinrichtungen und arbeiten in Kooperation mit den BetreuerInnen im Akutkrankenhaus.

Das Projekt nimmt eine sehr positive Entwicklung. Es wird angestrebt, die Versorgung auch nach 2016 aufrecht zu erhalten und in eine gesicherte Finanzierung überzuführen. In die Weiterentwicklung sind internationale Erkenntnisse, welche zusätzlich zur mobilen Unterstützung zu Hause ein spezialisiertes, stationäres „back up“ erforderlich erachten, miteinzubeziehen.

Die Steiermark liegt österreichweit im Spitzenfeld der Umsetzung von Angeboten im Palliativ- und Hospizbereich. Auch zukünftig wird der Hospiz- und Palliativbereich im RSG Steiermark abgebildet sein. Die dargestellten Weiterentwicklungspotentiale sollen im Rahmen der Revision des RSG Steiermark diskutiert und gegebenenfalls berücksichtigt werden.

 

Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung vom 30. Juni 2016.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht der Steiermärkischen Landesregierung zum Beschluss Nr. 194 des Landtages Steiermark vom 19.04.2016 betreffend Prüfung des Angebotes im Bereich der Palliativ- und Hospizversorgung in der Steiermark in Hinblick auf potentielle Versorgungslücken wird zur Kenntnis genommen.