LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1121/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 28.01.2021, 22:34:36


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger, Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Geburtswälder in der Steiermark pflanzen

Das Pflanzen eines Baumes zur Geburt eines Kindes, als Sinnbild für Wachstum und ein vitales Leben, hat eine lange historische Tradition. Als symbolischer Lebensbaum für das Neugeborene, wächst die Pflanze gemeinsam mit dem Menschen heran.

In Zeiten der globalen Klimakrise kommt dem Setzen von Bäumen eine weitere Bedeutung zu. Die Pflanzen binden das Treibhausgas CO2 in ihrer Biomasse und entziehen es damit der Atmosphäre, wodurch es seine Klimawirksamkeit (langfristig) verliert. In ihrer Gesamtheit stellen die Bäume damit die weltweit effektivste Kohlendioxidsenke dar. Gemäß einer 2019 (im Fachblatt „Science“) erschienen Studie, sind Aufforstungen (neben der unbedingt notwendigen Reduktion an Treibhausgasemissionen) eine der effektivsten Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel (Bastin et al., 2019). Bei der Ausweisung der Aufforstungsflächen ist natürlich darauf zu achten, dass bestehende artenreiche Ökosysteme nicht beeinträchtigt werden (Veldman et al., 2019).

Würde man in der Steiermark für jedes Neugeborene einen Lebensbaum pflanzen, entspräche das, gemäß der mittleren Geburtenrate für 2010-2019, Aufforstungsmaßnahmen im Umfang von rund 11.000 Jungbäumen/Jahr, welche, im Pflanzverband von 2 x 2 m gesetzt, eine Fläche von ca. 3 Hektar/Jahr beanspruchen würden. Für viele heimische Laubbaumarten (z.B. Rotbuche, Hainbuche, Eiche, Bergahorn) kann näherungsweise angenommen werden, dass sie bei einer Wuchshöhe von 20 m (und einem Brusthöhendurchmesser von 20 cm) etwa 300 kg CO2 gespeichert haben (https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/mb-27-kohlenstoffspeicherung-2.pdf). Jeder dieser jährlich angelegten „Geburtswälder“ in der Steiermark (mit 11.000 Bäumen) würde der Atmosphäre im Zeitraum von 30 Jahren also ungefähr 3300 Tonnen CO2 entziehen (es handelt sich hierbei um eine grobe Schätzung, da das tatsächliche Wachstum der Bäume und ihre CO2 Assimilation nicht nur artspezifisch ist, sondern von einer Vielzahl abiotischer Parameter abhängt).

Als potentielle Aufforstungsflächen kommen beispielsweise ehemalige Deponiestandorte, Abbaugebiete oder andere degradierte Böden in Frage. Zudem könnten die Geburtsbäume dazu genutzt werden, unbestockte Uferbereiche entlang der steirischen Gewässer zu renaturieren (z.B. jene Flächen, die sich im Bundesbesitz und unter Verwaltung des öffentlichen Wassergutes befinden) oder Fichtenmonokulturen in klimafitte Mischwälder zu verwandeln. Die steirischen Geburtswälder sollten jedenfalls wie Naturwaldzellen außer Nutzung gestellt werden. Dadurch würden sie nicht nur einen positiven Beitrag zum Klima leisten, sondern auch den heimischen Arten- und Lebensraumschutz signifikant unterstützen.

Nicht zuletzt kann die Pflanzung von Lebensbäumen bzw. die Ausweisung von Geburtswäldern zur Bewusstseinsbildung beitragen und die Bevölkerung für die Belange des angewandten Klima- und Umweltschutzes sensibilisieren. Wenn jedem Neugeborenen (z.B. mit Identifikationsnummer oder Namensschild am Stamm) tatsächlich ein bestimmter Baum zugewiesen wird, kann dieser später auch aufgesucht werden. Schon kleinen Kindern kann dadurch ein niederschwelliger Zugang zu Umweltthemen ermöglicht werden (ganz nach dem Konrad Lorenz-Zitat: „Man liebt nur was man kennt, und man schützt nur was man liebt“).


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. ein Konzept für die „Steirischen Geburtswälder“ auszuarbeiten und zeitnah umzusetzen,

2. im Zuge eines Pilotprojektes bis Ende 2021 eine bzw. mehrere geeignete Aufforstungsflächen (mit einem Gesamtausmaß von mind. 3,5 Hektar) auszuweisen bzw. zu widmen, welche im darauffolgenden Jahr sukzessive mit Geburtsbäumen (heimische, klimafitte Arten) bestockt und anschließend als Naturwaldzellen aufgebaut werden.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)