LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1187/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 03.03.2021, 11:20:43


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Wirtschaft und Wissenschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrätin MMag. Barbara Eibinger-Miedl

Betreff:
Forschung zu Fleischersatzprodukten in der Steiermark fördern

Die Haltung, die Fütterung und der Verzehr von Tieren wirft ethisch-moralische Fragen auf. Bei den getöteten Tiere handelt es sich meist um hochentwickelte, leidensfähige Wesen. Und es bestehen erhebliche negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Der regelmäßige Konsum von rotem und industriell verarbeitetem Fleisch birgt beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme (Micha et al., 2011), Diabetes (Pan et al., 2011), Schlaganfall (Larsson et al., 2011) und Krebs (Cross et al., 2007; English et al,2014; Aykan, 2015.), wohingegen eine rein pflanzliche Ernährung in weitaus geringerem Ausmaß mit diesen Krankheiten assoziiert ist bzw. ihnen sogar entgegenwirkt (He et al., 2007; Carter et al., 2010; Gonzalez & Riboli, 2010). Der jährliche (Brutto-)Fleischverbrauch in Österreich liegt mit 93,8 kg pro Person (entspricht 62.6 kg netto, d.h. ohne Knochen und Sehnen) deutlich über dem EU-Durchschnitt von rund 80 kg/Person (Global 2000: Fleischatlas 2021) und weit über der maximal empfohlenen Menge von 22 kg/Person/Jahr (ÖGE 2017). Im Vergleich dazu lag der Konsum von Hülsenfrüchten lediglich bei 0,9 kg und im Fall von Kartoffeln bei 6,4 kg pro Person und Jahr (Lindenthal & Schlatzer, 2020).

Neben den gesundheitlichen Aspekten ist die Fleischindustrie zudem ein globaler „Klimakiller“ (tierische Produkte sind für den Hauptteil der Treibhausgasemissionen im Ernährungssektor verantwortlich) und Mitverursacher des weltweiten Biodiversitätsverlustes (z.B. durch den Abtausch von artenreichen Wildtierlebensräumen gegen homogene Weide- und Futteranbauflächen). Pflanzliche Lebensmittel haben im Schnitt eine deutlich (8-30-mal!) bessere Klimabilanz als tierische Produkte.

Nicht zuletzt steht die industrielle Fleischproduktion diametral zu Tierwohlaspekten. In jeder Sekunde werden in Österreich drei Tiere, viel früher als es ihrer natürlichen Lebenserwartung entspräche, geschlachtet. Dabei handelt es sich, wie wissenschaftliche Studien zunehmend belegen, teilweise um äußerst intelligente Spezies https://science.orf.at/stories/3201245/) mit einem (basalen) Selbstbewusstsein (https://sciencev2.orf.at/stories/1631540/index.html) und einem komplexen Innenleben (https://science.orf.at/v2/stories/2817403/).

Eine repräsentative Umfrage unter Menschen zwischen 16 und 29 Jahren hat gezeigt, dass mehr als zwei Drittel der jüngeren Generation die heutige Fleischindustrie ablehnen. Sie sehen in der Fleischproduktion eine Bedrohung für das Klima und ernähren sich doppelt so oft vegetarisch und vegan wie der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (Global 2000: Fleischatlas 2021). Dementsprechend entwickelt sich auch der Markt für Fleischersatzprodukte (z.B. auf Seitan-, Quorn- und Sojabasis bzw. mit Erbsen-, Lupinen-und Hämproteine) so dynamisch wie nie zuvor. Das jährliche Wachstumspotential in dieser Lebensmittelsparte wird von Expertinnen auf 20 bis 30% geschätzt. Im Vergleich zu herkömmlichem Fleisch sind die Ersatzprodukte in der Regel deutlich umweltfreundlicher und können ein wichtiges Puzzleteil zum Erreichen der globalen Klima-, Biodiversitäts- und Tierschutzziele darstellen. Die Steiermark bietet aufgrund seiner akademischen (z.B. Institut für Lebensmittelchemie, Uni Graz; Studienzweig „Nachhaltiges Lebensmittelmanagement, FH Joanneum) und landwirtschaftlichen Infrastruktur die besten Voraussetzungen, um angewandte Forschung im Bereich der Fleischersatzprodukte zu betreiben.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, die steiermarkweite Forschung an Fleischersatzprodukten mit entsprechenden langfristigen Förderschienen sowie der Ausgelobung von Spezialforschungspreisen zu unterstützen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)