LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 922/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 01.06.2016, 08:49:16


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ), LTAbg. Dr. Werner Murgg (KPÖ)
Fraktion(en): KPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
LeiterInnen-Freistellung in Kinderbetreuungseinrichtungen

Die Leitung trägt die Gesamtverantwortung für den Betrieb der Kinderbetreuungseinrichtung. Ihr obliegt die Führung einer Kindergruppe, die Leitung in administrativen Angelegenheiten, der Vorsitz im Kollegium des gesamten pädagogischen Fach- und Hilfspersonals in der betreffenden Kinderbetreuungseinrichtung zur Beratung und Beschlussfassung der pädagogischen Konzeption und die Obsorge um die Durchführung der Grobreinigungsarbeiten.

Mit der Größe der Teams und der Häufigkeit von Personalwechseln steigt der zeitliche Aufwand für Personalpflege, Personalentwicklung und Personaleinsatz sowie für die Koordination der Gruppen und Teammitglieder. In kleinen Teams gibt es weniger Zeit im gesamten Pool der Verfügungszeiten. Die Aufgaben verteilen sich auf weniger Schultern. Zudem ist es kaum möglich Leitungsaufgaben auszuführen, wenn MitarbeiterInnen ausfallen.

Sind in einer Einrichtung viele Teilzeitkräfte tätig, sind die Möglichkeiten von Delegation eingeschränkt: Es können weniger Aufgaben übertragen werden, weil diese MitarbeiterInnen weniger Verfügungszeiten haben, die wiederum zur Einbindung ins Team benötigt werden. Zudem fehlen Teilzeitkräften unter Umständen Gesamtzusammenhänge.

Die Problematik der Doppelrolle, gleichzeitig eine Kindergruppe zu führen und Leitungstätigkeiten auszuüben, liegt auf der Hand: Im Gruppendienst arbeiten die Leitungskräfte unter den gleichen Bedingungen wie alle anderen Fachkräfte, als Leitungskraft stehen sie sodann vor der Aufgabe, eben die Defizite ausgleichen zu müssen, denen sie zuvor noch selbst ausgesetzt waren.

Zudem gibt es noch einen weiteren Aspekt, welcher die volle Konzentration auf die Leitungsaufgaben zumindest nicht erleichtert: Ein nicht unerheblicher Teil der für Leitungsaufgaben zur Verfügung stehenden Zeitressourcen muss wiederum für Springerdienste verwendet werden. Dies bedeutet, dass auch wenn eine Freistellung erfolgt, ein größerer Teil dieser freigestellten Arbeitszeit wiederum für gruppenpädagogische Arbeiten verwendet werden muss.

Durch gesetzliche Änderungen und erhöhte Anforderungen ist der administrative Aufwand in den letzten Jahren immer mehr gestiegen. Die dadurch entstandenen Mehrleistungen wurden aber weder finanziell noch zeitlich abgegolten.

Eine verbindliche Regelung zur Freistellung der LeiterInnen ist daher schon seit Jahren dringend notwendig. Zumindest sollte die Leitung verpflichtend ab der dritten Gruppe in der Einrichtung zu 50 Prozent und ab der vierten Gruppe zu 100 Prozent freigestellt werden.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, eine Regierungsvorlage auszuarbeiten, die für LeiterInnen von mehrgruppigen Kinderbetreuungseinrichtungen ab der dritten Gruppe eine verpflichtende Freistellung von 50 Prozent und ab der vierten Gruppe eine Freistellung von 100 Prozent der regelmäßigen Wochendienstzeit vorsieht, und diese dem Landtag zur Beschlussfassung vorzulegen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ), LTAbg. Dr. Werner Murgg (KPÖ)