LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 1

EZ/OZ 636/6

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Soziales

Betreff:
Bedarfsprüfung steirischer Frauenhäuser

 

zu:
EZ 636/1, Bedarfsprüfung steirischer Frauenhäuser (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Soziales" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 13.09.2016 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Soziales vom 12.04.2016 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 636/1, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

  • Aktuelle Zahl der beherbergten Frauen und Kinder sowie durchschnittliche Auslastung:

 

Im Jahr 2015 wurden in den Frauenhäusern 164 Klientinnen und 152 Kinder untergebracht, verpflegt, fachgerecht beraten und betreut.

Die Frauenhäuser hatten eine durchschnittliche Auslastung von 82 %.

  • Aufschlüsselung nach Altersgruppen der untergebrachten Personen:
     

 

Klientinnen

Verteilung in %

20 Jahre und jünger

10

6,1 %

21 – 30

52

31,7 %

31 – 40

52

31,7 %

41 – 50

29

17,7 %

51 – 60

15

9,1 %

61 – 99

6

3,7 %

Gesamtsumme

164

100 %

 

 

  • Aufschlüsselung nach Nationalität der untergebrachten Personen:

 

Klientinnen:

Verteilung in %

Österreich

64

39,0 %

Türkei

14

8,5 %

Südosteuropa

17

10,4 %

EU

34

20,7 %

restl. europ. Länder

1

0,6 %

Asien

18

11,0 %

Afrika

15

9,1 %

Lateinamerika/Karibik

1

0,6 %

Gesamtsumme:

164

100 %

 

 

  • durchschnittliche Aufenthaltsdauer:

 

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Klientinnen in den Frauenhäusern beträgt 67 Tage.

 

Das Steiermärkische Gewaltschutzeinrichtungsgesetz – StGschEG regelt ausschließlich die Voraussetzungen der Gewährung der Hilfe in Frauenschutzeinrichtungen durch das Land Steiermark als Träger der Hilfe für Frauen und Minderjährige, die mit diesen im gemeinsamen Haushalt leben, wenn sie Gewalt durch einen nahen Angehörigen im Sinne des § 382 b Abs. 3 Exekutionsordnung ausgesetzt sind. Voraussetzung für die Leistung der Hilfe ist gemäß § 3 Abs. 1 Zif. 4 StGschEG der Abschluss einer Vereinbarung gemäß § 13 leg.cit. zwischen dem Land und der Frauenschutzeinrichtung.

Die diesbezüglich aufrechten Zusatzvereinbarungen/Verträge mit dem Verein Frauenhäuser Steiermark vom 3.7.2014 betreffend der Frauenschutzeinrichtung in Graz bzw. vom 31.3.2014 betreffend der Frauenschutzeinrichtung Obersteiermark enthalten im Abschnitt A-III, Pkt. 2.5. u.a. die Bestimmung, dass das Frauenhaus über Ersuchen verpflichtet ist, obgenannte Daten dem Land zu übermitteln.

 

Nachfolgende Daten wurden daher vom Verein Frauenhäuser Steiermark für das Jahr 2015 zur Verfügung gestellt:

 

  • Zahl der behandelten Fälle durch persönliche, telefonische oder E-Mail-Beratung:

In den Frauenhäusern nahmen 330 Personen telefonische Beratung, 57 Personen persönliche Beratung und 7 E-Mail Beratungen, in Anspruch.

 

  • Konkretes Leistungsangebot und tatsächlicher Nutzen der angebotenen Leistungen für Frauen und Kinder

 

Zielgruppe der Frauenhäuser sind Frauen und deren Kinder, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden. Sie erhalten kostenlos und schnell Schutz in einer sicheren Umgebung, Wohnversorgung und -betreuung sowie psychosoziale und rechtliche Einzel- und Gruppenberatung. In den beiden steirischen Frauenhäusern arbeitet ein Team aus Therapeutinnen, Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagoginnen und Juristinnen. Das Angebot umfasst u.a. traumatherapeutische Interventionen, psychosoziale Betreuung, juristische Beratung, Begleitung zu Ämtern und ÄrztInnen, psychologische Betreuung der Kinder, Gruppenangebote für Mütter und Kinder, auf Wunsch der Klientin Paarberatung (in Kooperation mit der Männerberatungsstelle) und Unterstützung in Erziehungsfragen.

Die Frauenhäuser arbeiten in enger Kooperation mit den Kinder- und Jugendhilfebehörden zusammen. Sobald eine Frau mit ihrem Kind/ihren Kindern in einem der beiden Häuser aufgenommen wird, wird das zuständige Jugendamt verständigt. Außerdem bietet die Frauenschutzeinrichtung rund um die Uhr Beratung (telefonisch oder im persönlichen Gespräch), Krisenintervention, Nachbetreuung, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit sowie die Verwaltung von Übergangswohnungen, in denen die Frauen nach dem Aufenthalt in der Frauenschutzeinrichtung für den Aufbau einer vom „Misshandler“ unabhängigen Existenz begleitend betreut werden.

 

  • Bedarf bzw. Nachfrage nach Plätzen in den steirischen Frauenhäusern:

Der Bedarf bzw. die Nachfrage nach Plätzen in den steirischen Frauenhäusern unterliegt starken zeitlichen Schwankungen. Die derzeitigen Kapazitäten reichen aus, um die Auslastungsspitzen abzudecken.

 

  • Bedarf bzw. Nachfrage nach Beratungsleistung (persönlich, telefonisch, per E-Mail):

Siehe dazu die Ausführungen zu Zahl der behandelten Fälle durch persönliche, telefonische oder E-Mail-Beratung.

 

  • Situation nach dem Frauenhausaufenthalt u.a. im Hinblick auf psychische und physische Gesundheit, Unterkunft, Familiensituation, Wohlbefinden der Kinder, Rückkehr zum Gewalttäter:

 

 

Klientinnen

Verteilung in %

zurück zum Misshandler

40

24,4 %

zurück (ohne Misshandler)

17

10,4 %

eigene Wohnung/Zimmer

35

21,3 %

Verwandte/Bekannte

19

11,6 %

andere Institution

15

9,1 %

Übergangswohnung des Frauenhauses

8

4,9 %

Keine Daten

6

3,7 %

am 31.12.2015 noch im Frauenhaus

24

14,6 %

Gesamtsumme:

164

100 %

 

 

  • Finanzierung und Förderung von Frauenhäusern (Gemeinde-, Landes- und Bundesmittel, Spenden etc.):

Wie bereits erwähnt, ist der Träger der Hilfe in Frauenschutzeinrichtungen das Land Steiermark. Gemäß § 7 StGschEG hat die Landesregierung für die Kosten der Leistungen gemäß § 2 leg.cit. durch Verordnung Tagsätze festzulegen. Mit Verordnung über die Festlegung der Höhe der Tagsätze in Frauenschutzeinrichtungen, StGSchEVO, LGBL. Nr. 33/2005, zuletzt geändert mit LGBL. Nr. 33/2014, wurde der Tagsatz für Frauenschutzeinrichtungen auf € 83,42 festgelegt.

Die Kosten für die Hilfe sind vorläufig vom Land zu tragen. Die Sozialhilfeverbände und Städte mit eigenem Statut haben dem Land 40 Prozent dieser Kosten zu ersetzen. Zum Kostenersatz verpflichtet ist jener Sozialhilfeverband, in dessen Gebiet die Frau vor Aufnahme in die Frauenschutzeinrichtung ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte.

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Soziales zum Antrag der FPÖ, EZ 636/1 wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Der Obmann:
LTAbg. Klaus Zenz