LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 891/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 13.05.2016, 09:31:36


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Ing. Sabine Jungwirth (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Soziales
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Doris Kampus

Betreff:
Systemumstellung in der Kinder- und Jugendhilfe

Die Kinder- und Jugendhilfe in der Steiermark wird derzeit neu geordnet, wobei sich die Bezirke zwischen zwei Fachkonzepten entscheiden können: Zur Wahl stehen das Modell „Sozialraumorientierung" und das Modell „Case Management“. In den Bezirken Voitsberg und Bruck/Mürzzuschlag wird bereits seit Juli 2015 nach dem neuen System gearbeitet, in Leibnitz und Graz Umgebung wurde der Betrieb nach einer dreimonatigen Übergangsphase am 1.4.2016 aufgenommen, in Liezen wurden trotz Ausschreibung die alten Verträge verlängert. Bei den restlichen Bezirken sind noch keine Termine bekannt, allerdings ist es geplant, die Umsetzung bis 2020 in allen Bezirken abzuschließen. Bislang haben sich außer Graz alle politischen Bezirke für das Modell „Case Management“ entschieden. Beiden Modellen gemeinsam ist, dass statt der bisherigen Einzelfall-Finan­zierung eine Finanzierung mittels Globalbudget erfolgt.

Das Konzept der Sozialraumorientierung in Graz galt als Probelauf für die Systemumstellung im Jugendwohlfahrtbereich des Landes Steiermark. Die Stadt wurde in "Sozialräume" aufgeteilt, in denen "passgenaue" Hilfen für KlientInnen entwickelt werden sollen. Dafür gab es viel Kritik, etwa dass das Modell der Sozialraumorientierung keine qualitative Weiterentwicklung sei, sondern letztlich eine budgetgetriebene Strategie, um mit vermeintlich „sozialräumlichen“ Methoden die stark ansteigenden Kosten zu reduzieren.

Da in diesem Konzept die Selbstbestimmtheit des Individuums im Vordergrund steht, bekommen Personen oftmals die notwendige Unterstützung nicht, weil sie schlicht und einfach die für sie notwendige Hilfe nicht formulieren können. Die Kosteneinsparungen, die dadurch möglicherweise jetzt erzielt werden, werden die öffentlichen Haushalte in späteren Jahren umso mehr belasten.

Die Evaluierung des Sozialraumkonzepts, die von Anfang an Teil des Projekts war, wurde der FH Joanneum wegen Auffassungsunterschieden entzogen. Die durch ein anderes Institut durchgeführte Evaluierung hält einer fachlich-pädagogischen Bewertung nicht stand. Es fehlt daher nach wie vor eine seriöse wissenschaftliche Begleitung und Aufarbeitung der Ergebnisse der Sozialraumorientierung in Graz.

Es ist folglich umso wichtiger, die beiden nun auf Case Management umgestellten Bezirke, Bruck-Mürzzuschlag und Voitsberg, seriös und so rasch als möglich zu evaluieren, um entscheiden zu können, ob ergänzender Handlungsbedarf besteht und/oder gegebenenfalls gegengesteuert werden muss.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, die beiden „Modell“-Bezirke für die Umstellung der Kinder und Jugendhilfe, Bruck-Mürzzuschlag und Voitsberg, zu evaluieren und dabei insbesondere zu berücksichtigen, dass

  • geprüft wird, wie sich die Qualität der Betreuung und die Anzahl der Betreuten sowie die Arbeitsbedingungen der SozialarbeiterInnen entwickelt haben,

  • die Beauftragung der Evaluierung ergebnisoffen stattfindet (d.h. dass die Fragen nicht von der Fachabteilung vorgegeben werden) und

  • die Evaluierung auf Basis quantitativer und qualitativer Sozialforschung erfolgt.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Ing. Sabine Jungwirth (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne)