LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 13

EZ/OZ 1217/6

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Landwirtschaft

Betreff:
Änderung der Abschussrichtlinien für die Steiermark in Bezug auf die Altersklassen von Rehböcken

 

zu:
EZ 1217/1, Änderung der Abschussrichtlinien für die Steiermark in Bezug auf die Altersklassen von Rehböcken (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Landwirtschaft" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 04.04.2017 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Landwirtschaft vom 06.12.2016 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 1217/1, betreffend „Änderung der Abschussrichtlinien für die Steiermark in Bezug auf die Altersklassen von Rehböcken“ abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

„Die Frage, ob der Focus beim Abschuss von mehrjährigen Böcken unbedingt auf jene der Klasse I zu richten ist und in der Klasse II, der sogenannten Schonklasse, diesbezüglich weitest gehende Zurückhaltung geübt werden muss, ist nicht nur im Hinblick auf die Intention der Abschussrichtlinien, die einen möglichst hohen Streckenanteil an reifen Böcken der Klasse I vorsieht, zu betrachten, sondern ist in hohem Maße auch lebensraum- und wilddichteabhängig. Von Natur aus besteht ein Rehwildbestand zwar vor allem aus mittelalten Stücken, allerdings ist zu berücksichtigen, dass einerseits Rehwildbestände immer zahlreichen natürlichen limitierenden Faktoren, wie Beutegreifern, unterlagen und deshalb nur eine geringe Rehwilddichte aufwiesen, andererseits die Lebensraumbedingungen bei weitem nicht mit den heutigen vergleichbar waren. So besetzen in Gebieten mit einer geringen Rehdichte alle mehrjährigen Böcke ein Territorium. Mit dichter werdendem Bestand nimmt die Größe der Bockterritorien zwar ab, die Anzahl der nicht territorialen Böcke allerdings zu, gleichzeitig steigt das Alter der territorialen Böcke.

Im Allgemeinen durchstreifen junge, nichtterritoriale Böcke die Territorien mehrerer alter Böcke oder halten sich in der Randzone zwischen zwei Territorien auf. Bezogen auf die beiden Klassen I und II sind in unseren massiv von zivilisatorischen Aktivitäten vereinnahmten und geprägten Landschaften daher vor allem jüngere bis mittelalte Böcke einem erhöhten Risiko, etwa im Straßenverkehr zu verunfallen, ausgesetzt, während ältere Böcke, mit einem gut arrondierten Territorium, ungleich günstigere Voraussetzungen auf ein höheres Alter haben. Nicht nur fallwild-, sondern auch wildschadensbedingt kann sich ein geringer Rehwildbestand als notwendig erweisen.

Sofern nicht bereits ausreichend Bockkitze und Jährlinge erlegt wurden, ist die Entnahme auf überzählige jüngere bis mittelalte Böcke auszudehnen, anstatt zu stark bei den Zuwachsträgern einzugreifen und über eine junge Rehwildpopulation den Zuwachs zu fördern, denn der Rehwildbestand reagiert auf starke jagdliche Eingriffe mit einer artspezifischen Dynamik. Auch Zeiler (2012) weist darauf hin, dass Rehgeißen sehr anpassungsfähig sind, wenn es um Zuwachsraten geht. Die Anhebung der Strecken ist beim Rehwild also nicht immer zwangsläufig mit einer Bestandesreduktion verbunden. Es werden von jungen und damit vitaleren Geißen nicht nur im Durchschnitt mehr Kitze gesetzt, sondern auch mehr weibliche Kitze, deren Nachkommen in kürzester Zeit den Bestand wieder auffüllen – und das erst recht bei einem völlig zu Gunsten der Geißen verschobenen Geschlechterverhältnis (Meyer, 2015). Wenige, aber dafür alte Böcke bedeuten nicht nur moderatere Fegeschäden, generell ist der Wildeinfluss bei einem kleineren, gut strukturierten und vergleichsweise stressfreien Wildbestand geringer.

Tatsache ist, dass in der Steiermark jeweils eine geringere Anzahl an Rehgeißen als an Rehböcken erlegt wird. Das bedeutet nicht gleichsam, dass der Bestand an Rehgeißen überaltert sein muss. Im Gegenteil. Gebietsweise ist von einem entsprechenden Überhang vor allem an jungen Geißen, der den Rehwildbestand in einer dynamischen Phase hält, auszugehen.

Bei den älteren Geißen wird nicht nach Klassen getrennt. Äußerlich unterscheidet sich der Rehbock von der Rehgeiß im Wesentlichen durch seine Trophäe, die allerdings kein verlässliches Altersmerkmal darstellt.

Ebenfalls weicht der Abgang bei den Böcken der Klasse I und II gravierend -  der Abgang von Böcken der Klasse II ist sogar höher als jener der Klasse I - von den Vorgaben gemäß Abschussrichtlinien ab, wobei nicht zwangsläufig zu wenige alte Böcke vorhanden sein müssen. Vielmehr herrscht Übereinstimmung mit Fachleuten darüber, dass eine sichere Altersansprache bei den mehrjährigen Böcken, sowohl am noch lebenden Stück in der Natur als auch an der anhand der Trophäe und des linken Unterkieferastes, kaum möglich, zumindest jedoch mit großen Ungenauigkeiten behaftet ist.

Für Deutz et al. (2011) sind beim Rehwild Ausnahmen eigentlich die Regel. Häufig sieht man beim Ansprechen des Bockes auch nur gerade jene Altersmerkmale, die man sehen will und die eventuell auf ein höheres Alter hinweisen. Die meisten der angeführten Altersmerkmale sind aufgrund der großen Variationsmöglichkeiten für eine Unterscheidung von mehrjährigen in junge, mittelalte und alte Böcke sehr unzuverlässig. Noch schwieriger als im Frühjahr und Sommer gestaltet sich das Ansprechen der Rehe im Herbst und Winter (Deutz et al. 2011).

Laut Petrak (2000) führen die Schwierigkeiten bei der Altersansprache dazu, dass in Nordrhein-Westfalen bei einer Konzentration der Bejagung auf die Reifeklasse, mittelalte Böcke automatisch „miterlegt“ werden.

Möller (2002) merkt zum (damaligen) Entwurf der Richtlinie für die Bejagung und Erhaltung des Rehwildes im Saarland kritisch an, dass außer dem Geschlecht und den Altersstufen Kitz, Jährling oder Schmalreh und Erwachsen, das Alter von Rehen nur an einer bei Geburt angebrachten Ohrmarke oder noch einigermaßen am Gebiss erkennbar sei. Alles andere bleibt unerreichbare Wunschvorstellung, die kein Jäger je erfüllen könnte. Lediglich die Forderung besonders den Jungwuchs zu bejagen, erscheint durchführbar, „mittelalte Stücke zu schonen“ jedoch undurchführbar (Möller 2002).

Möglicherweise aus den angeführten Gründen werden Abschussvergehen, d.h. das Hinunterschießen bei Böcken von der Klasse I in die Klasse II, in der Steiermark de facto nicht geahndet!

In der seit 2002 im Saarland geltenden Richtlinie für die Bejagung und Erhaltung des Rehwildes wird lediglich zwischen zwei Altersstufen, „Kitze, Schmalrehe und Jährlinge (Jugendklasse)“ sowie „zweijährige und ältere Stücke (Altersklasse)“, unterschieden, 2014 wurde der Abschussplan für Rehwild abgeschafft (Vereinigung der Jäger des Saarlandes, mündlich 2017).

Auch am erlegten Stück kann man von einer exakten „Altersbestimmung“ beim Reh außer am Kitz und am Jährling nicht sprechen, da – wie aus unzähligen Versuchen auch mit markierten Rehen bekannt – die Streuung der Merkmale wie Zahnabrieb, Rosenstockmaße, Verknöcherung der Nasenscheidewand usw. doch erheblich sein kann (Deutz et al., 2011). Reimoser, Zandl und Völk (1991) berichten über einen Versuch, in dem 77 Testpersonen an 126 Unterkiefern von ein- bis achtjährigen markierten Rehen das Alter schätzten. Das tatsächliche Alter konnte in 48 % der Fälle geschätzt werden. Jährlingskiefer wurden noch zu 79 % richtig erkannt, Zweijährige nur mehr zu 48 % sowie dreijährige und ältere Rehe nur mehr zu 30 %.

Nach Neuhold (2016) liefert die Altersschätzung nach der Zahnabnützung zwar gute Anhaltspunkte, ist jedoch für sich allein nicht verlässlich genug, um etwa Sanktionen in Form einer Einsparung von Bockabschüssen rechtfertigen zu können. Zudem können Fehler bei der Altersschätzung durch eine zu geringe Anzahl von Bewertungskriterien bzw. deren falsche Gewichtung entstehen. Daher wäre es notwendig, verpflichtend zu berücksichtigende weitere Bewertungskriterien festzulegen, deren Heranziehung ohne unverhältnismäßig hohen Aufwand möglich ist und zu einer Verbesserung der Schätzgenauigkeit führt. Es sollten Richtlinien für die Altersbewertung ausgearbeitet werden. In diesen Richtlinien sollte die verpflichtende regelmäßige Durchführung von Bewertungsseminaren zur laufenden Schulung der Bewerter vorgesehen werden (Neuhold, 2016).

Angesichts dieser Forderung stellt sich die Frage, wie eine verlässliche Unterscheidung zwischen Rehböcken der Klasse I und II in der Natur überhaupt möglich sein soll?

Die Beibehaltung der Klassen I und II wird von Neuhold unter anderem mit der für den Rehwildbestand notwendigen Altersstruktur begründet. In der Steiermark wurden im Auswertungszeitraum 2010/11 – 2015/16 rund 27 % der erlegten Rehböcke der Klasse I, rund 30 % der Klasse II und rund 43 % der Klasse III zugeordnet.

Im Bundesland Salzburg verteilte sich die Rehbockstrecke im Jagdjahr 2014 auf rund 33 % in der Klasse I, rund 35 % in der Klasse II und rund 33 % in der Klasse III.

In Niederösterreich, wo die Rehböcke seit 1991 nur mehr in zwei Klassen unterteilt werden und nur zwischen einjährigen und mehrjährigen Böcken unterscheiden wird, hat sich im Rahmen einer in Niederösterreich, im Bezirk Scheibbs, im Zeitraum 1993 – 1998 durchgeführten Fallstudie gezeigt, dass sich der Abschussanteil fünfjähriger und älterer Böcke am gesamten Bockabschuss von 25 % vor der Gesetzesnovelle 1991 auf 21 % verringert hatte, innerhalb der Klasse der mehrjährigen Böcke soll der Anteil von über Fünfjährigen und Älteren kontinuierlich 30 % betragen (Schuster, 2016 in Neuhold, 2016). Laut Spinka (2005) in Neuhold (2016) hat sich die Änderung der Rehbockklasseneinteilung in Niederösterreich dahingehend positiv ausgewirkt, dass sie eine wesentliche Erleichterung bei der Durchführung der Hegeschauen mit sich gebracht hat. Ebenso hat die Liberalisierung der Abschussvorschriften mehr Ehrlichkeit bei den Abschussmeldungen bewirkt (Spinka, 2005 in Neuhold, 2016).

Es liegt daher die Vermutung nahe, dass die oben angeführte Verringerung des Anteils bei den der Klasse I zugezählten Böcken damit im Zusammenhang stehen könnte.

In Oberösterreich wiederum verteilte sich im Jagdjahr 2014/15 die Rehbockstrecke trotz bestehender Klasseneinteilung auf nur rund 17 % in der Klasse I, rund 36 % in der Klasse II und rund 47 % in der Klasse III. Der angestrebte Abschussanteil von 25 % I-er Böcken (OÖ Landesjagdverband, 2008 in Neuhold, 2016) wurde folglich nicht erreicht. Im OÖ Bezirk Kirchdorf an der Krems wird die Vorlage der mehrjährigen Böcke mit Oberkiefer (!) seit über 30 Jahren praktiziert. Im Jagdjahr 2014/15 entfielen dort ebenfalls nur rund 18 % davon auf die Klasse I (Neuhold, 2016).

Die Beibehaltung der bestehenden Klasseneinteilung bei den Rehböcken ist daher nicht zwangsläufig mit einem höheren Anteil von Böcken der Klasse I verbunden.

Neben Niederösterreich haben auch Kärnten und Slowenien eine Unterteilung der mehrjährigen Böcke in die Klassen I und II abgeschafft.

Neuhold (2016) kommt zum Ergebnis, dass nennenswerte jagdwirtschaftliche Auswirkungen weder bei einer Umstellung auf zwei Klassen noch aufgrund der Beibehaltung der drei Klassen zu erwarten wären, allerdings gilt es zu bedenken, dass bei einem Wegfallen der Kiefervorlage die Entwicklung und Erhaltung einer artgerechten Altersstruktur nicht mehr großräumig überprüft werden könne.

Dies wäre jedoch entweder im Fall der Beibehaltung der Kiefervorlage sowohl bei den Geißen als auch bei den Böcken oder zumindest periodisch im Rahmen von Fallstudien möglich.

Aus jagdfachlicher Sicht ist demzufolge durchaus über eine Flexibilität bei der Abschussgebarung bei den älteren Rehböcken nachzudenken, es besteht jedoch kein zwingender Änderungsbedarf – vor allem nicht in Richtung einer genaueren Trophäenbeurteilung und damit in Richtung einer Verschärfung, zumal die Umsetzung der Altersklasseneinteilung bei mehrjährigen Böcke in der jagdlichen Praxis mit großen Ungenauigkeiten verbunden ist. Die Vorteile einer Umstellung von derzeit drei auf zwei Rehbockklassen wären neben einer gewissen administrativen Vereinfachung zweifellos eine verlässlichere Datenlage.

Unter der Voraussetzung, dass genügend alte Böcke im Bestand verbleiben, ist die strukturgerechte Bejagung der Rehböcke gewährleistet. Dafür ist die zahlenmäßige Festsetzung des Abschusses von mehrjährigen Böcken als Höchstabschuss ausreichend. Nach jagdfachlichem Ermessen ist durch eine allfällige Änderung der Abschussrichtlinien keine erhebliche Verschlechterung der Altersstruktur zu erwarten.

Zur breiteren fachlichen Diskussion wird ein „runder Tisch – Wildökologie“ zum gegenständlichen Thema (z.B. mit DI Dr. Hubert Zeiler) vorgeschlagen.

Abschließend werden auszugsweise die Ausführungen von Kollar (2012) betreffend die Bockjagd zitiert: „Wer persönlich auf mehrere Jahrzehnte Rehjagd zurückblicken kann, weiß, was an „Abschussrichtlinien“ für das Rehwild schon alles ausprobiert, verordnet und auch durchgeführt wurde. Jedes Mal, wenn im Laufe der letzten Jahrzehnte die Abschussrichtlinien liberalisiert wurden, sah so mancher Weidmann das Ende der Rehjagd nahen. Es gibt noch immer Rehe, und österreichweit kommen über 270.000 Rehe jährlich zur Strecke. Rehe werden mancherorts im Winter wie auch Sommer gefüttert oder auch gar nicht. Jedes Bundesland hat heute noch eigene Abschussrichtlinien für das Rehwild, die mitunter erheblich abweichen, aber letztlich haben alle einen gesunden Wildbestand zum Ziel. In der Steiermark etwa legen die Rehabschlusspläne einen Mindestabschuss fest, der nicht unter- aber bei Geißen, Kitzen und Jährlingsböcken überschritten werden darf. Auch hier waren die Bedenken mancher Jäger, nun könnten die Bestände übernutzt werden, haltlos. Die Verantwortung für eine nachhaltige Rehwildjagd liegt letztendlich beim Revierinhaber. Und die Gesinnung der Revierverantwortlichen in Österreich lässt es nicht zu, dass eine Wildart übernutzt würde. Immer mehr wurde auch die Jagd auf mehrjährige Böcke liberalisiert und diese dem Jäger auf Wissen und Gewissen überantwortet. Die Wildbiologie hat längst erforscht, welche Bedeutung eine geordnete Altersstruktur beim Rehwild für das Wohlbefinden desselben, aber auch für Fege- und Verbissschäden hat“ (Kollar, 2012).

Fazit: Die Altersansprache bei mehrjährigem Rehwild, vor allem am lebenden Stück im Revier, ist mit großen Ungenauigkeiten behaftet. Selbst die Altersschätzung anhand des Kiefers variiert um zwei bis drei Jahre. Der Vergleich von Bundesländern mit und ohne Einteilung der Böcke nach Klasse I und II zeigt bei den erlegten Rehböcken weder einen wesentlichen Unterschied in der Altersstruktur, noch sind nennenswerte jagdwirtschaftliche Auswirkungen gegeben. Die Vorteile einer Umstellung von derzeit drei auf zwei Rehbockklassen wären neben einer gewissen (administrativen) Vereinfachung, im Fall der Beibehaltung der Kiefervorlagebeibehaltung, zweifellos eine verlässlichere Datenlage. Neben Niederösterreich haben auch Kärnten und Slowenien eine Unterteilung der mehrjährigen Böcke in die Klassen I und II abgeschafft. Aus jagdfachlicher Sicht ist demzufolge durchaus über eine Flexibilität bei der Abschussgebarung bei den älteren Rehböcken nachzudenken, es besteht jedoch kein zwingender Änderungsbedarf.

Literaturverzeichnis auf Anfrage

Die Steirische Landesjägerschaft führte dazu Nachstehendes aus:

„Die Erstellung von Abschussrichtlinien ist kraft Gesetzes (§ 46 lit. b Jagdgesetz und § 2 Abs. 2 lit. b Satzungen) ganz klar als Aufgabe der Steirischen Landesjägerschaft (Landesjagdausschuss) und nicht als Aufgabe des Landtages definiert! Von Jägern wurde die Einführung von zwei Klassen bei den Rehböcken auch an den Landesjagdausschuss bereits herangetragen, der das auch umfassend diskutiert hat und zum Ergebnis gekommen ist, die drei Klassen zu belassen. Denn auch die Wissenschaft sagt uns immer wieder, dass auch beim Rehwild ein entsprechender Altersklassenaufbau notwendig ist (Zeiler et al.), in dem die Mittelalten eine wichtige Rolle spielen. Die Abschussrichtlinien tragen dem mit einer möglichst geringen Freigabe von Rehböcken der Klasse II Rechnung. Trophäenkriterien spielen dabei keine Rolle mehr, der rote Punkt wurde abgeschafft! Leider sind aber oft Trophäenkriterien der Beweggrund für die Forderung nach den zwei Klassen, denn dann kann man einen Rehbock nur nach Trophäenkriterien auswählen und braucht das viel wichtigere Alter nicht mehr zu bedenken. Die Argumentation, dass der Abbau der „Hemmschwelle“ der Altersansprache der Rehböcke zur Dichteregulierung nötig ist, geht weitgehend ins Leere. Die Anpassung der Wilddichte an den Lebensraum kann effizient nur über die Zuwachsträger erfolgen, das sind die Geißen und nicht die Rehböcke der Klasse II. Die Abschussrichtlinien und auch das Jagdgesetz bieten eine Fülle von Möglichkeiten (Ersatzabschuss wie im Antrag angeführt, der Abschussplan bei Geißen, Kitzen und einjährigen Böcken gilt als Mindestabschuss), bei den Zuwachsträgern effizient einzugreifen. Einer möglichst naturnahen Jagd, wie etwa auch ein Raubtier jagen würde, stehen die geltenden Abschussrichtlinien ebenfalls nicht entgegen: starker Eingriff bei den Jungen und Alten, die Mittelalten (II er Böcke) sind in bester Kondition und deshalb zu schonen. Sie würden auch einem Raubtier nicht so leicht zur Beute werden. Ganz unverständlich erscheint die Forderung, eine Altersklasseneinteilung der Rehböcke aufzuheben, sie aber trotzdem weiterhin bei den Trophäenschauen nach dem Alter zu bewerten. Wozu sollte eine Altersbewertung dienen, wenn es keine Altersklassen mehr gibt? Das würde dann sicher von vielen als reine Schikane angesehen werden. Zusammenfassend wird nochmals klargestellt, dass gemäß Jagdgesetz und Satzungen die Erstellung von Abschussrichtlinien eine Aufgabe des Landesjagdausschusses und nicht des Steiermärkischen Landtages ist.“

Aus rechtlicher Sicht wird darauf hingewiesen, dass gemäß den gelten Bestimmungen (§ 56 Abs. 3f JG) das Hinunterschießen bei den Rehböcken von der Klasse I in die Klasse II strenggenommen ein Abschussplanvergehen darstellt, welches zu ahnden wäre.

Es herrscht mit der Steirischen Landesjägerschaft dahingehend Übereinstimmung, dass für die Abschussrichtlinien nicht der Landtag Steiermark, sondern die Landesjägerschaft (Landesjagdausschuss) zuständig ist. Aus jagdfachlicher Sicht wäre aber durchaus über eine Flexibilisierung der derzeitigen Abschussgebarung nachzudenken und wird ein „runder Tisch - Wildökologie“ zum gegenständlichen Thema vorgeschlagen.“

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Landwirtschaft zum Antrag, EZ 1217/1, „Änderung der Abschussrichtlinien für die Steiermark in Bezug auf die Altersklassen von Rehböcken“, der Abgeordneten der FPÖ wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Der Obmann:
LTAbg. Karl Lackner