LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 965/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 20.11.2020, 08:20:45


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger, Landesrätin Mag. Doris Kampus

Betreff:
Sozialmärkte unterstützen, statt Lebensmittel verschwenden

In der Steiermark leben viele Menschen, die sich über den Einkauf im Supermarkt keine finanziellen Sorgen machen müssen und teils Lebensmittel im Überschuss zur Verfügung haben. Das führt dazu, dass in steirischen Haushalten jährlich Lebensmittel im Wert von 150 Millionen Euro im Müll landen (https://www.nachhaltigkeit.steiermark.at/cms/beitrag/11869951/99598692). Leider gibt es auch viele Menschen mit geringem Einkommen, welche es sich nicht leisten können, in kommerziellen Supermärkten einzukaufen und auf Angebote aus Sozialmärkten angewiesen sind. Die Coronakrise führt außerdem zu einer Verschärfung dieser Situation: Sozialmärkte österreichweit verzeichnen eine steigende Anzahl an Neukund_innen seit Beginn der Krise.

Das Prinzip der Sozialmärkte ist simpel, aber zeigt soziale Wirkung, mit relativ wenig Investitionen und Ausgaben kann ein positiver Nutzen für eine große Zahl von Bürger_innen geschaffen werden. Handelsketten, Unternehmen und Produzenten geben kostenlos Waren ab, die nicht mehr im herkömmlichen Handel verkauft werden können. Das kann z. B. aufgrund von leichten Schäden an der Verpackung der Fall sein, wenn zu viel produziert wurde oder das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde, die Lebensmittel aber noch genießbar sind. Damit werden wertvolle Lebensmittel gerettet. Die Sozialmärkte verkaufen diese Waren zu stark reduzierten Preisen an Menschen weiter, die sich einen Einkauf in normalen Supermärkten nur schwer leisten können. Sozialmärkte führen damit nicht nur zu einer finanziellen Entlastung der Kund_innen, sondern auch zu einer psychischen.

Wie viele Lebensmittel tatsächlich in Österreich verschwendet werden, sollen diese Zahlen aufzeigen: In der Produktion fallen jährlich 121.800 Tonnen an vermeidbaren Lebensmittelabfällen an. Fast ein Drittel davon ist hier dem Handel zuzurechnen. Im Einzelhandel landen 79.200 Tonnen genießbare Lebensmittel im Abfall und alleine der Großhandel ist mit 10.300 Tonnen für rund zwei Prozent der gesamten Verschwendung verantwortlich (https://www.wwf.at/de/frisch-verfault/).

Führt man sich diese Zahlen vor Augen, so ist klar, dass gegen die enorme Lebensmittelverschwendung vorgegangen werden muss. Dabei steht jede_r Einzelne_r in der Pflicht, mit wertvollen Ressourcen wie Nahrungsmittel verantwortungsbewusst umzugehen und seine Lebensmittelverluste zu reduzieren. Auch den Handel und die Produzenten trifft dabei eine große Verantwortung, wobei Lebensmittelhändler_innen hier selbst oft machtlos sind, da es für sie nicht möglich ist, Nahrungsmittel, die nicht mehr für den Verkauf geeignet sind, aber noch genießbar wären, kostenlos an ihre Kund_innen abzugeben. 

Außerdem braucht es bei frischen Lebensmitteln ein gelebtes Verständnis dafür, dass mit dem Kauf von heimischen Produkten, nicht nur die Wertschöpfung gesteigert wird, sondern durch kürzere Wege die Frische und Haltbarkeit der Lebensmittel in den Läden als auch zu Hause länger ist.

Nicht zuletzt stehen auch wohlhabende Staaten wie Österreich in der Verpflichtung, die Verschwendung von Lebensmitteln so gering wie möglich zu halten und politische Maßnahmen gegen Lebensmittelverluste in Österreich zu setzen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wir aufgefordert

1.) Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung in Privathaushalten und für einen achtsamen Umgang mit Nahrungsmitteln zu setzen,

2.) an die Bundesregierung mit dem Ersuchen heranzutreten, unter Einbeziehung der österreichischen Lebensmittelhandelsketten Anreize für Unternehmen im Bereich der Gastronomie, Produktion und dem Handel zu schaffen, um die Verschwendung von Nahrungsmitteln bestmöglich zu reduzieren und die Weitergabe von nicht mehr verkaufbaren, aber noch genießbaren Lebensmitteln an soziale Einrichtungen wie Sozialmärkte zu forcieren.


Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)