LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2039/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 24.11.2017, 09:32:54


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Regionen
Regierungsmitglied(er): Landeshauptmann-Stv. Mag. Michael Schickhofer

Betreff:
Frauen im ländlichen Raum

Es ist kein Geheimnis: die regionale Abwanderung in die Stadt ist vor allem weiblich, die Gründe hierfür sind, wie die Frauen selbst, vielfältig.

Da dieser Umstand jedoch weitreichende Konsequenzen für die Zukunft der davon betroffenen Gebiete hat, wurde auf Initiative des Vereins Landentwicklung Steiermark schon im Jahr 2009 von der damaligen Fachabteilung 19 D im Amt der Steiermärkischen Landesregierung die Raumplanerin Dr.in Gerlind Weber von der Boku Wien mit der Studie "Gehen oder Bleiben?" beauftragt. In dieser Forschungsarbeit wurden die Motive für das Wanderungs- und Bleibeverhalten der 20- bis 29-jährigen Frauen im ländlichen Raum der Steiermark untersucht und die daraus resultierenden Handlungsoptionen herausgearbeitet.

Der Ruf nach Kinderbetreuung oder mehr öffentlichem Verkehr - so notwendig diese Maßnahmen sind -, wird nicht ausreichen. Es braucht eine umfassende Strategie. Viele Frauen vermissen Wahlmöglichkeiten, um unterschiedliche Lebensvorstellungen realisieren zu können, schreibt Dr.in Gerlind Weber in Ihrer Studie. Es braucht unterschiedliche Maßnahmen, die jungen Menschen und im speziellen Frauen am Land verschiedene Lebenskonzepte und eine breite gesellschaftliche Struktur eröffnen. Dabei geht es auch um Wertevermittlung und ein Überdenken immer noch vorhandener patriarchaler Strukturen. Gerade die Zusammensetzung von Gemeinderäten in der Steiermark und die geringere Anzahl an Bürgermeisterinnen veranschaulichen die Problematik. Sobald es um die wirklich wichtigen Entscheidungen geht, ist das die Sache von Männern. Frauen wird die Möglichkeit, den Lebensraum Gemeinde mitzugestalten, zu wenig eröffnet. Neben der klassischen Mobilitätsfrage oder Ortskerngestaltung braucht es vor allem atmosphärische Initiativen, die das Selbstbestimmungspotential der Frauen erhöht.

Dazu schreibt Christina Pausackl in der März-Ausgabe 2017 des Magazins „Datum“: „Das ländliche Österreich ist nach wie vor eine Männerdomäne. Die Männer beherrschen den Arbeitsmarkt, es sind meist die Männer, die die Betriebe der Eltern übernehmen. Sie führen die Vereine an, sitzen im Gemeinderat, stellen die Bürgermeister. Von den 2.100 Bürgermeistern in Österreich sind nur 141 Frauen, 6,7 Prozent. Vor allem jene, die mehr vom Leben wollen, eine Karriere, eine unabhängige Existenz, die sich nicht dem traditionellen Frauenbild fügen wollen, sehen oft keine Zukunft in der Provinz.“

Es braucht daher einen Mix aus unterschiedlichen Maßnahmen, solche die soziale Räume schaffen, das Miteinander neu aufbrechen, unterschiedliche Lebenskonzepte zulassen, ökonomische Perspektiven schaffen. Zahlreiche Beispiele solcher Maßnahmen finden sich am Ende der Studie von Gerlind Weber. Sie gliedert diese Maßnahmen in sieben unterschiedliche Kategorien: Atmosphärisches/Identifikationsbildung, Freizeitgestaltung/Ehrenamt, Mobilität, Versorgungsqualität/Organisation des täglichen Lebens, Wohnraum, Ausbildung/Arbeitsplatz/Weiterbildung, Partnerschaft/Familie/Kinderbetreuung. Diese reichen von Umnutzung von Leerständen in niederschwellige, konsumfreie Frauentreffpunkte, Öffnung von Vereinsangeboten für Frauen sowie Perspektivenvielfalt als Pull-Faktor für junge Menschen zu erkennen und diesbezüglich Initiativen in der Gemeinde zu setzen bis hin zur Verhinderung der Zersiedelung und Förderung alternativer Mobilitätskonzepte.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, alle steirischen Gemeinden finanziell, organisatorisch und inhaltlich zu unterstützen, jeweils zumindest 10 der vorgeschlagenen Maßnahmen der Studie "Gehen oder Bleiben?" der Raumplanerin Dr.in Gerlind Weber von der Universität für Bodenkultur Wien in einem breiten Beteiligungsprozess umzusetzen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)