LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1030/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 14.09.2016, 11:51:09


Zu:
1030/1 Koran-Plakate in Leoben
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ)
Regierungsmitglied(er): LTAbg. Mag. Christian Buchmann (ÖVP)
Beilagen: Anfragebeantwortung

Betreff:
Koran-Plakate in Leoben

1. Wer zeichnet für die Erstellung dieser Plakate verantwortlich?

Die Plakate wurden im Auftrag von “next-Verein für zeitgenössische Kunst” für das Projekt “Sold out” erstellt.

2. Wer ist für die Gesamtbetreuung dieses Projektes verantwortlich?

Als Obfrau des next-Verein für zeitgenössische Kunst ist Frau Mag. Luise Kloos für die Gesamtbetreuung verantwortlich.

3. Wurde dem Land Steiermark ein Projektansuchen vorgelegt?

Das Projekt “Sold out” wurde (neben anderen Projekten des Vereins) im Rahmen des Calls für die Vergabe von mehrjährigen Förderverträgen 2016 - 2018 als Drei-Jahres-Förderung für den Verein am 22.01.2015 zur Förderung eingereicht.

4. Wenn ja, welche Inhalte und Zielsetzungen wurden in diesem Ansuchen angeführt?

Im Förderantrag vom 21.01.2015 wird das Projekt folgendermaßen beschrieben:

REALISE - EU-Projekt

SOLD OUT

2015 – 2017

Die moralischen Wertvorstellungen sind durch die weltweite Korruption neu zu diskutieren und künstlerisch zu hinterfragen.

Durch die kollektiven Veränderungen, die auf Revolution und Niedergang deuten, kommt es mehr denn je darauf an, dass der Einzelne erkennt, dass er nicht machtlos ist, sondern fähig, von sich selbst ausgehend Veränderungen auf der Ebene des Kollektivs zu bewirken und gerade auf diese Weise auch seine eigene Existenz zu verändern. lnnerhalb des Schwerpunktes „Konsum“ wird die künstlerische Arbeit gemeinsam mit jungen Menschen betont. Das Resultat mündete in einen EU-Kulturförderantrag ,,REALISE" mit den Partnern Heinrich-Böll-Stiftung, Potsdam sowie Kulturinstitutionen der Länder Kroatien, Griechenland, Spanien und Slowakei. Das Thema ,,Ausverkauf" in Europa wird künstlerisch bearbeitet.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine Kooperation mit Künstlerinnen und Künstlern aus Österreich, Kroatien, Deutschland, Slowakei, Griechenland und Spanien. Wissenschaftlich wir das Projekt begleitet durch die Universität Graz und die Universität Kaunas.

Partner:

  • Juraj Carny / Dom umenia / KUNSTHALLE Bratislava
  • Lydia Chatziiakovou / ArtBOX.gr
  • Mark Gisbourne / Rohkunstbau
  • Luise Kloos / next - Verein für zeitgenössische Kunst
  • Susana Serrano / ZEMOS9S
  • Josip Zanki / Croation association of Art¡sts (HDLU)

6. Wie lautet der Titel dieses Projekts?

Der Titel des Projekts lautet “REALISE – SOLD OUT”.

7. Wie hoch sind die Kosten für das Land Steiermark?

Vom Trägerverein werden die aktuellen Kosten mit einem Projektbudget für die Jahre 2015 – 2017 mit € 30.000,- insgesamt beziffert. Da es sich um ein im Rahmen des kulturpolitischen Engagements der Europäischen Union gefördertes Projekt handelt, kommen 60% vom EU-Kulturförderprogramm Creative Europe, 30% vom Kulturressort des Landes Steiermark und 10% von der Stadt Graz. Auf das Land Steiermark entfallen somit € 9.000,-.

8. Wo wurden diese Plakate affichiert?

Das Projekt „SOLD OUT“ wurde in mehreren Schritten entwickelt. Die Plakataktion ist nur ein Teil einer wesentlich umfangreicheren Projektumsetzung:

  • Vorstellung des Projektes anlässlich der Kunstbiennale in Venedig, Mai 2015 – Palazzo Zenobio, mit Künstlerarbeiten von Silvia Maria Grossmann, Aurelia Meinhart, Julian Palacz
  • Symposium „Propaganda und Antipropaganda“, Juni/Juli 2015 in Graz unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gintautas Mazeikis, Universität Kaunas, Litauen. Mit folgenden KünstlerInnen: Sarah Bildstein, Tudor Bratu, Silvia Maria Grossmann, Luise Kloos, Mothers of MOLOCH, Martin Pichler, Roanna Rahman, Davide Skerlj, Issa Touma, Josip Zanki
  • „SOLD OUT“ Kunstprojekt im öffentlichen Raum – Juli/August 2016: Plakate und Infoscreen in Graz, Bruck/Mur, Leoben, Judenburg und Weiz. Mit Arbeiten folgender Künstlerinnen und Künstler: Sarah Bildstein (“Capitalist Vision“ - POSTER),
    Luise Kloos („Machen Sie sich selbst ein Bild“ - POSTER), Mothers of MOLOCH ( „Wie von selbst“ - POSTER), Roanna Rahman ( „Koranverse“ - POSTER), Davide Skerlj („Heart“ – als Video in INFOSCREEN), Josip Zanki („Die festliche Garnitur – Hilfsmittel beim Schreiben“ - POSTER)
  • 2017 – Präsentation von „SOLD OUT“ im KÜNSTLERHAUS WIEN

Laut Auskunft des Trägervereins wurden insgesamt 150 Plakate mit fünf Sujets in der Stadt Graz, in Bruck an der Mur, in Leoben, in Judenburg und in Weiz affichiert, davon wurden 24 Plakatständer mit den Arbeiten der indischen Künstlerin Roanna Rahman (zwei Doppelplakate mit jeweils einem Koranvers) affichiert.

9. Gibt es weitere Druckwerke mit entsprechenden Inhalten, die von Ihrem Ressort gefördert werden?

Derzeit sind der Abteilung 9 Kultur, Europa und Außenbeziehungen keine weiteren Druckwerke mit entsprechenden Inhalten bekannt.

10. Wenn ja, welche und wie hoch sind die Kosten für das Land Steiermark?

Siehe Frage 9.

11. Werden Sie die Entfernung dieser Plakate veranlassen?

Nein.

12. Wenn ja, wann?

Siehe Frage 11.

13. Wenn nein, weshalb nicht?

Förderungen im Bereich Kunst und Kultur werden nach dem vom Landtag Steiermark beschlossenen Steiermärkischen Kultur- und Kunstförderungsgesetz i.d.g.F. vergeben, das die Ziele und Aufgaben der Kultur- und Kunstförderung in der Steiermark klar definiert. Im Sinne dieses Gesetzes ist Kultur ein offener, durch Vielfalt und Widerspruch gekennzeichneter gesellschaftlicher Prozess von kultureller und künstlerischer Produktivität und Kommunikation.

Die Kultur und Kunstförderung des Landes hat insbesondere die Unabhängigkeit und Freiheit kulturellen Handelns in seiner gegebenen Vielfalt zu beachten sowie die Öffnung gegenüber neuen kulturellen und künstlerischen Entwicklungen im In- und Ausland zu unterstützen.

Abschließend darf noch auf Artikel 17a des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger verwiesen werden: „Das künstlerische Schaffen, die Vermittlung von Kunst sowie deren Lehre sind frei.“