LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 722/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 03.09.2020, 08:55:08


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Umsetzung innovativer Straßenphotovoltaik

Die EU-Kommission geht davon aus, dass sich der Strombedarf bis 2050 mehr als verdoppeln wird. Gerade unter diesem Gesichtspunkt sind saubere Stromerzeugungs- und Speichertechnologien immer wichtiger. Inbesondere wenn man die EU-weiten Klima- und Energieziele bis 2030 ernst nimmt, sollte sonnenklar sein, dass es an der Zeit ist zu handeln und dass dabei alle Quellen und Ressourcen der erneuerbaren Energie ausgeschöpften werden müssen. 

Die Sonne ist eine gigantische, praktisch unerschöpfliche Energiequelle. In Österreich liegt die durchschnittliche Sonneneinstrahlung bei rund 1.100 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Die höher gelegenen Gebiete Österreichs erreichen sogar Werte über 1.400 kWh. Damit ist auch in Österreich genügend Sonneneinstrahlung vorhanden, um Solar- bzw. Photovoltaikanlagen effizient zu betreiben. Umgerechnet auf Photovoltaikanlagen sind das nämlich pro 10m² Modulfläche 1.000 Kilowattstunden Solarstrom im Jahr. Das Energiepotenzial auf Dächern alleine ist dabei zu wenig. Unter derzeitigen Bedingungen würden sich an Gebäuden (Dächern, Fassaden) in Österreich bis 2030 nur etwa weitere 4 TWh realisieren lassen, so die Studie vom FH-Professor und Energieexperten Hubert Fechner (H. Ferchner, PV-Flächenpotential Analyse, Februar 2020).

Eine Möglichkeit die Flächen für Photovoltaik zu erweitern, ist die Nutzung von Flächen mit Vorbelastung und Flächen mit Doppelnutzung, etwa versiegelte Flächen, Flächen mit geringer ökologischer Bedeutung oder die  die Einbettung von Solarmodulen in und an Verkehrswegen. Für die Integration in Lärmschutzwänden können auf Nord-Süd-Straßen bifazialen Solarmodulen verwendet werden. Für Ost-West-Straßen sind monofaziale Module, welche an den Lärmschutzwand schräg installiert werden, geeignet. Ebenso ist eine Überdachung von Verkehrswegen und Parkplätzen mit Photovoltaik denkbar, damit wird gleichzeitig die Straße vor Umwelteinflüssen geschützt. (https://www.ise.fraunhofer.de/de/leitthemen/integrierte-photovoltaik/verkehrswege-photovoltaik-ripv.html)

Ein Best-Pratice Beispiel findet man in Freising-Lerchenfeld. Dort entstand mit einer Gesamtlänge von 1.200 m die weltweit größte kombinierte Photovoltaik-Schallschutzanlage der Welt. Die Lärmschutzwand entlang der Autobahn A92 bei Freising nahe des Münchener Flughafens schützt nicht nur die Bewohner_innen vor Verkehrslärm, sondern eine 1,2 Kilometer lange integrierte PV-Anlage produziert zugleich Strom aus Sonnenenergie. (https://www.freisinger-stadtwerke.de/de/Kopfnavigation/Unternehmen/Energieerzeugung/Schallschutzwand/Photovoltaik-Schallschutzwand.html)

Die Anwendungsbereiche und Einsatzmöglichkeiten von Photovoltaik sind mannigfaltig, deshalb sollten alle Möglichkeiten die Sonne als erneuerbare Energiequelle zur nutzen, in betracht gezogen werden. Einer PV-Anlagen-Bewilligung sollte eine Beeinträchtigung des Landschaftsbild oder des Erholungswertes der Landschaft somit nicht entgegenstehen.

 


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

  1. Die Landesregierung wird ersucht zu prüfen, wie auf unproduktiven Flächen wie beispielsweise Autobahnböschungen, Parkflächen, Lärmschutzwänden und dergleichen der Bau von Photovoltaikanlagen im Einklang mit unter anderem dem Natur- und Landschaftsschutz sowie dem Landschaftsbild auch ohne eine Sonderwidmung ermöglicht werden kann.
  2. Die Ergebnisse der Prüfung und etwaige Handlungsmöglichkeiten sollen dem Landtag  in Berichtsform vorgelegt und veröffentlicht werden.

Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)