LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1546/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 23.03.2017, 13:03:56


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Bildung
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Einführung des „Finanzführerscheins“ für Schüler und Lehrlinge

Immer mehr junge Menschen befinden sich in einer finanziell prekären Situation, wobei nicht zuletzt die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die Lehrstellenproblematik ausschlaggebend dafür sind. Doch auch ein ausgeprägtes Konsumverhalten mit teuren Smartphones, Markenkleidung oder das erste Auto tragen ihren Teil dazu bei, dass viele Jugendliche, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, ihre Schulden nicht mehr begleichen können.

Über die Problematik des Anhäufens von Schulden in bereits jungen Jahren und der fehlenden Finanzerziehung berichtete das Onlineportal des „ORF“ am 27. Februar 2016 folgendermaßen: „Österreichische Jugendliche und junge Erwachsene wissen erschreckend wenig über Finanzdinge und den Konsumalltag. Laut einer Studie der Schuldnerberatung Oberösterreich ist es für einen von drei Jugendlichen völlig normal, Schulden zu haben. Und eine Befragung der EU-Kommission fand kürzlich heraus, dass beispielsweise nur elf Prozent der 18-35-Jährigen in Österreich über ihre Rücktrittsrechte bei Verbraucherkrediten Bescheid wissen. Dabei sollte Finanzerziehung möglichst früh beginnen sagt Thorsten Rathner von der Schuldnerhilfe Oberösterreich: ‚Bei Jugendlichen geht es meistens mit Konsumgütern los. Später spielen dann Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Krankheiten, Lebensveränderungen, große Investitionen wie Hausbau oder auch der Versuch, sich selbstständig zu machen eine Rolle.‘“ (Quelle: http://helpv2.orf.at/stories/1767803/index.html)

In der Steiermark ist die „Schuldnerberatung Steiermark GmbH“ die staatlich anerkannte und legitimierte Beratungsstelle für Privatpersonen mit finanziellen Problemen. Das kostenlose Angebot richtet sich an alle Jugendliche und Erwachsene in der Steiermark und umfasst individuelle Beratungen und Workshops.

Speziell für Schulklassen wird beispielsweise der Workshop „MONEYtalk(s)“ angeboten. Dabei vermitteln Trainer der Schuldnerberatung „SchülerInnen der achten bis elften Schulstufe Finanzkompetenz und regen sie zu einem kritischen Blick auf ihren Umgang mit Geld an. SchülerInnen erhalten rechtliches und finanzielles Basiswissen und setzten sich mit der eigenen derzeitigen sowie zukünftigen finanziellen Situation auseinander. Dabei wird an relevante Lebenssituationen aus dem Umfeld der Jugendlichen angeknüpft.“ (Quelle: http://www.sbstmk.at/jugendpraevention.html)

Neben dem Workshop „MONEYtalk(s)“ bietet die Schuldnerberatung Steiermark GmbH noch viele weitere Projekte für Menschen jeder Altersgruppe an und ist nicht nur eine wichtige Unterstützung im finanziellen Alltag vieler Personen, sondern stellt auch wertvolle präventive Maßnahmen sicher. Die Nachfrage nach diesen Workshops übersteigt das Angebot bereits. Aus Kostengründen kann allerdings nur eine bestimmte Anzahl von Seminaren durchgeführt werden. Daraus ist zu schließen, dass es jedenfalls noch Bedarf gibt, die Maßnahmen auszubauen und Alternativen bereitzustellen.

In Oberösterreich wurde beispielsweise ein sogenannter „Finanzführerschein“ eingeführt, um der zunehmenden Verschuldung insbesondere von Jugendlichen entgegenzuwirken. „Als ein Präventionsangebot bietet die Schuldnerhilfe in Oberösterreich den Finanzführerschein an. In fünf mal zwei Stunden erarbeiten 14 bis 19-jährige [sic!] im Schulunterricht gemeinsam mit Fachleuten Basiskenntnisse rund um Konsum und Geld. Das Angebot richtet sich auch an Jugendliche in polytechnischen Schulen, Berufsschulen und in Maßnahmen des AMS. Weil sie später oft wenig verdienen, sind Jugendliche aus diesen Schultypen besonders gefährdet, sich später zu überschulden, sagt Rathner. Er berichtet von positiven Erfahrungen in den Workshops: ‚Das Thema brennt den Jugendlichen unter den Nägeln. Geld ist ja kein trockenes Thema, das beschäftigt einen ja täglich.‘“ (Quelle: http://helpv2.orf.at/stories/1767803/index.html) Auch in Vorarlberg und Salzburg wird bereits ein solcher „Finanzführerschein“ angeboten, um möglichst vielen Jugendlichen einen adäquaten Umgang mit Geld beizubringen.

Aus der Anfragebeantwortung betreffend „Schuldnerberatung Steiermark und ansteigende Verschuldung junger Menschen“ durch Landesrätin Doris Kampus (EZ 1369/2) geht hervor, dass seitens der Landesregierung nicht angedacht ist, ein solches Präventionsangebot wie den „Finanzführerschein“ einzuführen. Dies ist insofern unverständlich, als immer mehr steirische Jugendliche in die Schuldenfalle tappen. Unklar ist zudem, warum das Land Steiermark für bereits bestehende essentielle Projekte nicht ausreichend Geldmittel zur Verfügung stellt.

Es ist von höchster Bedeutung, jungen Erwachsenen den richtigen Umgang mit Finanzen näher zu bringen. Die Einführung eines „Finanzführerscheins“ erscheint den Antragstellern als eine wichtige Maßnahme, der zunehmenden Verschuldung von heranwachsenden Menschen effektiv zu begegnen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, den „Finanzführerschein“, angelehnt an das oberösterreichische Modell, für Schüler und Lehrlinge auch in der Steiermark einzuführen bzw. ein solches Modell finanziell zu fördern.


Unterschrift(en):
LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Albert Royer (FPÖ), LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)