LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1264/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 26.03.2021, 11:38:06


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Wälder unter Druck

Wälder reagieren auf Umweltveränderungen sehr langsam, daher sind sie besonders anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Die im Jahresverlauf immer früher einsetzenden milden Temperaturen sind ideale Voraussetzungen für die Ausbildung mehrerer baumschädigender Insektengenerationen und deren starker Vermehrung, wie etwa beim Borkenkäfer. Gleichzeitig verringert sich nach langer Trockenheit die eigene Abwehrfähigkeit von Bäumen, auch die Bekämpfung von „invasiven Arten" in Wäldern erfordert immer aufwendigeren Mitteleinsatz. Die jahrzehntelange oftmals standortwidrige Förderung der Fichte als primären Wirtschaftsbaum, als sogenannten „Brotbaum“ der Forstwirtschaft, hat dazu geführt, dass viele Wälder ihre natürliche bzw. naturnahe Baumartenstruktur verloren haben und für die Folgen der Klimaveränderung höchst vulnerabel sind. In den tieferen Lagen wird sich daher die Zusammensetzung der Baumarten grundlegend verändern müssen, da Trockenperioden und Schädlinge die Produktivität massiv herabsetzen.  

In der Antwort auf eine diesbezügliche Anfrage der Grünen EZ/OZ: 948/1 hält die Landesregierung fest, dass das Land Steiermark das Forschungsprojekt "Dynamische Waldtypisierung" bei der Universität für Bodenkultur in Auftrag gegeben hat. „Insgesamt 14 Forschungsinstitutionen mit rund 150 Wissenschaftlern erarbeiten eine auf den Standort und die klimatischen Einflüsse angepasste Planungs- und Beratungsgrundlage für die Waldbewirtschaftung in der Steiermark. Im Wesentlichen soll nach Abschluss des Projektes im Jahr 2021 jeder Waldbesitzerin/jedem Waldbesitzer eine gezielt auf ihren Standort abgestimmte Empfehlung von bis zu 20 unterschiedlich geeigneten Baumarten und deren Bewirtschaftung zur Verfügung stehen, welche unterschiedliche Klimaszenarien (Jahresmitteltemperatur wie bisher, +2°, +4°, +6°) berücksichtigt und dabei auch Aussagen über die Baumarteneignung für den Zeithorizont 2070-2100 zulässt.“

WaldbesitzerInnen stehen angesichts der großen Waldschäden durch Trockenheit und Schädlinge vor immer größeren Herausforderungen. Viele kleine Forstbetriebe kämpfen ums Überleben, die Fichte als Brotbaum verschwindet, die Holzpreise stagnieren seit geraumer Zeit auf niedrigem Niveau, waldbauliche Zielsetzungen werden durch Wildverbiss an Jungbäumen stark beeinträchtigt. Die Klimaschutzleistung eines nachhaltig bewirtschafteten Waldes muss in den Focus gerückt und anerkannt werden.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Antrag

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. dem Landtag Bericht zu erstatten, sobald Ergebnisse betreffend das Forschungsprojekt „Dynamische Waldtypisierung“ vorliegen,

2. rasch parallel zum Forschungsprojekt „Dynamische Waldtypisierung“ ein Konzept zu erarbeiten, wie WaldbesitzerInnen (etwa über gezielte Förderprogramme, verstärkte Beratungsleistungen etc.) dabei unterstützt werden, die Empfehlungen der „Dynamischen Waldtypisierung“ auch umsetzen und somit ihren Wald auf eine "klimafitte" Bewirtschaftung umbauen zu können.


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)