LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 10

EZ/OZ 1738/2

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Wirtschaft

Betreff:
Wirtschaftsbericht 2016

 

zu:
EZ 1738/1, Wirtschaftsbericht 2016 (Regierungsvorlage)

 

Der Ausschuss "Wirtschaft" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 27.06.2017 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Gesetzliche Grundlage

Gemäß § 9 Abs. 5 des Steiermärkischen Wirtschaftsförderungsgesetzes ist vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung jährlich der Steirische Wirtschaftsbericht zu erstellen. Dieser ist bis spätestens 30. April des jeweiligen Folgejahres dem Beirat zur Begutachtung vorzulegen. Nach Begutachtung durch den Beirat ist der Bericht vom zuständigen Mitglied der Landesregierung mit der Empfehlung des Beirates der Landesregierung vorzulegen und von dieser dem Landtag Steiermark zur Kenntnis zu bringen.

Der gegenständliche Wirtschaftsbericht 2016 wurde nach termingerechter Aussendung durch die Abteilung 12, Referat Wirtschaft und Innovation, als Geschäftsstelle des Wirtschaftsförderungsbeirates, von den Beiratsmitgliedern im Umlaufwege einstimmig positiv begutachtet.

Wirtschaftsbericht 2016 - Aufbau

Der Wirtschaftsbericht 2016 ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Hauptbereiche „Wirtschaft und Beschäftigung“ sowie „Wirtschaftsförderung in der Steiermark“ und enthält wie in den Wirtschaftsberichten der letzten Jahre eine ausführliche Darstellung über die Beteiligungen der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. im Jahr 2016. Die Indikatoren des Wirtschaftsradars bieten einen mehrjährigen Überblick der wirtschafts-, struktur- und beschäftigungspolitischen Entwicklungen und sind nach den fünf Kernstrategien der „Wirtschaftsstrategie Steiermark 2025 – Wachstum durch Innovation“ aufgegliedert. Diverse Grafiken und ein ausführlicher Tabellenteil ergänzen die Ausführungen.

Das Kapitel „Wirtschaft und Beschäftigung“ berichtet über die internationale konjunkturelle Entwicklung des Jahres 2016 und richtet den Fokus sodann auf Österreich und insbesondere die Steiermark. Zentrale Themenfelder bilden die demografische Entwicklung in der Steiermark, Wanderungsbewegungen, Migration, die Beschäftigungslage, Lehrlingsausbildung, Einkommenssituation am Arbeits- und Wohnort, Arbeitslosigkeit in der Steiermark, Unternehmensgründungen und die internationale Wirtschaftsverflechtung der Steiermark sowie der Bereich Technologie und Innovation. Dabei ist hervorzuheben, dass die Steiermark eine F&E-Quote von 4,87 % (verfügbare Datenbasis 2013) erreicht hat und damit den ersten Platz im Bundesländerranking einnimmt. Mit diesem Wert zählt die Steiermark auch weiterhin unter den 274 Regionen Europas zu den Spitzenreitern.

Das Kapitel „Wirtschaftsförderung in der Steiermark“ informiert über die Rahmenbedingungen auf EU- und Bundesebene und liefert einen Überblick über die Förderungen für die steirischen Unternehmen sowohl von Seiten des Bundes (Austria Wirtschaftsservice GmbH und Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) als auch der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. (SFG), wobei die Förderungsmaßnahmen der Steirischen Wirtschafts-förderungsgesellschaft anhand der fünf Kernstrategien dargestellt werden. Dabei wird insbesondere über die Breitbandstrategie Steiermark „Highway 2020“ und über das EU-Programm „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung Österreich 2014-2020“ informiert.

Das Wirtschaftsradar informiert über die kontinuierliche Entwicklung wesentlicher Wirtschaftsdaten (z. B. F&E-Ausgaben, Exportquote und Exportumsätze, Bruttoregionalprodukt, Bruttowertschöpfung etc.) und die Programmindikatoren des Jahres 2016 geben Einblick in Zielerreichungsgrößen innerhalb der einzelnen Kernstrategien.

Die Beteiligungen der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft m.b.H. des Jahres 2016 sind in übersichtlicher Weise zusammenfassend dargestellt und bieten Informationen über die verschiedenen Tätigkeitsfelder.

Die wesentlichsten Kernaussagen für 2016

Internationale Konjunktur global und in Europa

Die Weltwirtschaft startete mit zumindest einem gewissen Zweckoptimismus in das Jahr 2016, der sich bis Ende des Jahres in eine tragfähige Basis für einen moderaten Konjunkturaufschwung festigte. Trotz vieler spürbarer politischer wie wirtschaftlicher Unsicherheiten sowie geringerer wirtschaftlicher Dynamik in den Schwellenländern gehen die aktuellen Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit +3,1 % und die Europäische Kommission (EK) mit +3,0 % von einem moderaten Weltwirtschaftswachstum für das abgelaufene Jahr 2016 aus. Für die EU-28 (IWF: +2,0 %; EK: +1,9 %) und den Euroraum (IWF: +1,7 %; EK: +1,8 %) ergab sich eine Wachstumsstabilisierung. Die Gründe waren vor allem das niedrige Zinsniveau und der niedrige Ölpreis. Im Jahresverlauf 2016 kamen immer mehr internationale Hemmnisse zum Tragen, die die unterschiedlichsten Institutionen (z. B. IWF, EK) dazu bewegten, die Wachstumsprognosen mit wenigen Ausnahmen laufend zu reduzieren. Vor allem die schwächere Entwicklung des Welthandels (+1,9 %) wurde als Ursache identifiziert, insbesondere durch zunehmende Handelsbarrieren, die Manifestierung der Rezession einzelner Staaten (z. B. Brasilien -3,6 %, Russland -0,2 %), die Wachstumsverlangsamung Chinas (+6,7 % für 2016) und die gleichzeitige Verlagerung auf eine konsumorientierte Volkswirtschaft sowie die eher schleppende Entwicklung der USA (+1,6 %) und Japan (+0,9 %) im abgelaufenen Jahr.

Innerhalb Europas konnten laut EK Staaten wie Deutschland (+1,9 %), Irland (+5,2 %), die Slowakei (+3,3 %), Spanien (+3,2 %) und auch Frankreich (+1,2 %) ein nennenswertes Wirtschaftswachstum erzielen. Die europäische Wirtschaft wurde durch das „Brexit-Votum“ Großbritanniens stark verunsichert. Die Auswirkungen dieser Entscheidung sind noch sehr schwer abzuschätzen, werden aber vor allem europäische Staaten betreffen. Der Euroraum, der noch 2013 von einer Rezession gekennzeichnet war, zeigte seither immer einen verhaltenen Aufschwung. Das reale Wirtschaftswachstum im Euroraum im Jahr 2016 betrug laut aktueller Schätzung der Europäischen Kommission vom Mai 2017 +1,8 %. Ohne Ausnahme konnten alle Länder der EU-28 die Rezession überwinden und positive Wachstumsraten verzeichnen.

Konjunkturelle Entwicklung in Österreich

Die österreichische Wirtschaft wuchs im Jahr 2016 mit +1,5 % deutlich stärker als im Vorjahr (+1,0 %). Der Träger dieser Dynamik war vor allem die Binnennachfrage. Diese konnte, unterstützt von dem Wirken der Steuerreform und der niedrigen Inflation, nach Jahren der Stagnation um +1,5 % zulegen. Der Außenhandel lieferte einen negativen Wachstumsbeitrag und fiel im Vorjahr als Wachstumsträger aus, die Exporte wuchsen (+1,7 %) deutlich geringer als die Importe (+2,8 %), die durch den Zuwachs des privaten Konsums profitierten. Dennoch stieg die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um +1,6 %, wobei diese Entwicklung nicht ausreichte, um die Arbeitslosigkeit zu senken (+0,8 %). Die Arbeitslosenquote konnte geringfügig auf 9,1 % gesenkt werden (nationale Berechnungmethode). Die Warenexporte nach Deutschland und Italien konnten ausgeweitet werden. Exportrückgänge waren z. B. in die USA und nach Frankreich zu verzeichnen. Aufgrund der wechselseitigen Sanktionen gingen die Exporte nach Russland erneut zurück.

Konjunkturelle Entwicklung in der Steiermark

Die Steiermark war 2016 von der weiterhin verhaltenen internationalen Wirtschaftslage geprägt. Die gesamte steirische Entwicklung der abgesetzten Produktion des produzierenden Bereiches (B–F) von -0,3 % auf € 34,3 Mrd. war von einem Rückgang des Bereiches Bergbau und Herstellung von Waren (B/C) um -0,6 % auf € 27,1 Mrd., einem hohen Produktionsverlust im Bereich der Energie- und Wasserversorgung (D/E) von -5,2 % auf € 2,7 Mrd. und einer deutlichen Produktionsausweitung im Bereich Bauwesen (F) von +4,9 % auf € 4,5 Mrd. geprägt. Neben der Gesamtwahrnehmung eines geringen Produktionsrückganges in der Steiermark zeigte die Branchenbetrachtung auch teilweise deutliche Wachstumsbereiche. So konnten im Jahr 2016 beispielsweise die Branchen Herstellung von chemischen Erzeugnissen mit +21,8 %, Herstellung von elektrischen Ausrüstungen mit +16,7 % und der Hochbau mit +14,1 % die höchsten relativen Produktionszuwächse in der Steiermark realisieren. Der zum Jahresende einsetzende Konjunkturaufschwung reichte aus, um die Arbeitslosigkeit erstmals seit fünf Jahren in der Gesamtjahrtesbetrachtung geringfügig (-0,2 %) zu senken. Männer verbuchten einen Rückgang von -1,2 %, die Frauen einen Ansteig von +1,3 %. Die Schulungsaktivität wurde deutlich verringert (-4,4 %).

Die unselbstständige Aktivbeschäftigung konnte im Jahr 2016 um +7.140 bzw. +1,5 % auf 484.617 Beschäftigungsverhältnisse ausgeweitet werden. Geschlechterspezifisch betrachtet konnten in der Steiermark im Jahresdurchschnitt 2016 Männer (+1,6 %) etwas mehr als Frauen (+1,4 %) von der Beschäftigungsausweitung profitieren. Der Dienstleistungssektor konnte einen Beschäftigungszuwachs von +1,8 % bzw. +6.092 verbuchen. Der Produktionssektor konnte ebenfalls seine Beschäftigung ausbauen (+1,0 % bzw. +1.452). Die Land- und Forstwirtschaft erfuhr einen Beschäftigungsrückgang von -8,4 % bzw. -404, bedingt durch die Ernteausfälle in großen Teilen der Landwirtschaft, die durch den späten Frühjahrsfrost verursacht wurden.

2016 wies die Steiermark nach vorläufigen Zahlen 6.139 Unternehmensneugründungen inkl. 2.211 selbstständige Personenbetreuer/-innen auf. Der Zuwachs von +7,7 % bzw. +437 Gründungen stellte die höchste Dynamik aller Bundesländer und zugleich die höchste je gemessene Anzahl von Gründungen in der Steiermark dar. Das steirische Gründungsgeschehen wurde 2016 insbesondere von den Sparten Gewerbe und Handwerk, Handel sowie Information und Consulting getragen. 90,4 % der Neugründungen waren Einzelunternehmensgründungen, wobei 67,0 % der Neugründungen von Einzelunternehmen auf Frauen entfielen. Das Durchschnittsalter der Gründerinnen und Gründer beträgt in der Steiermark 40,3 Jahre (Österreich: 40,1 Jahre). Generell ist in Österreich eine Zunahme des Alters bei Gründerinnen und Gründern festzustellen.

Für 2016 wird nach einer Schätzung der Abteilung 12 mit einem Warenexportvolumen für die Steiermark von € 19,8 Mrd. (+0,6 % gegenüber dem Vorjahr) gerechnet. Die geschätzte Warenexportquote für das Jahr 2016 betrug 44 % und lag somit weiter deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 38 %. Genaue Zahlen der STATISTIK AUSTRIA liegen für 2015 vor und weisen für die Steiermark einen Zuwachs von +1,6 % auf. Der Anteil der Steiermark an den gesamtösterreichischen Warenexporten erreichte im Jahr 2015 mit 15,0 % nach Oberösterreich und Niederösterreich den dritten Rang im nationalen Vergleich. Insgesamt wies die Steiermark eine positive Warenhandelsbilanz aus. Im Jahr 2015 standen Warenexporte von € 19,8 Mrd. Importen von € 13,6 Mrd. gegenüber. Damit erreichte die Steiermark einen positiven Warenbilanzsaldo von rund € 6,1 Mrd. Zu den wichtigsten Exportgütern der Steiermark zählen Kfz und Kfz-Teile, Maschinen, elektronische und elektrotechnische Erzeugnisse, Waren aus Eisen, Stahl sowie Papier und Waren daraus.

Mit einer F&E-Quote von 4,87 % (auf verfügbarer Datenbasis 2013, Österreich 2,96 %) gemessen am Bruttoregionalprodukt nimmt die Steiermark im Bundesländerranking nach wie vor den ersten Platz ein und zählt damit auch weiterhin unter den 274 Regionen Europas zu den Spitzenreitern. Als wichtige Innovationstreiber sind die Kompetenzzentren nach dem COMET-Programm des Bundes (Competence Centers for Excellent Technologies) einzustufen, deren Ziel in der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft liegt. Im Jahr 2016 war die Steiermark an 20 von österreichweit 37 Kompetenzzentren beteiligt, wovon 17 ihren Hauptsitz in der Steiermark führen. Damit dokumentiert die Steiermark erneut ihre Führungsposition innerhalb Österreichs.

Wirtschaftsförderung in der Steiermark

Die Wirtschaftsförderung in der Steiermark orientiert sich an der „Wirtschaftsstrategie Steiermark 2025 – Wachstum durch Innovation“, die 2016 durch den Landtag Steiermark beschlossen wurde. Sie verfolgt die drei zukunftsfähigen Leitthemen Mobility, Eco-Tech und Health-Tech, fokussiert die Förderungsinstrumente (unternehmensbezogene Förderungen und Finanzierungen) auf eine aktive Standortentwicklung und setzt sie im Rahmen von fünf Kernstrategien um. Die Kernstrategien sind Standortentwicklung und Standortmanagement, Innovations- und F&E-Förderungen, Unternehmertum und Wachstum junger Unternehmen, Qualifizierung und Humanpotenzial sowie Internationalisierung von Unternehmen und Standorten.

Von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) wurden 2016 nach den fünf Kernstrategien der Wirtschaftsstrategie Steiermark 2.266 Förderungsfälle mit einem Förderungsvolumen von insgesamt rund € 40,7 Mio. abgewickelt. Die damit verbundenen Investitionen erreichten € 251,7 Mio. Durch die Abteilung 12 – Wirtschaft, Tourismus, Sport konnten 94 wirtschaftsbezogene Projekte mit rund € 1,8 Mio. Förderungsvolumen unterstützt werden.

Das Jahr 2016 zeigte erneut die zentrale Fokussierung der Förderungsmittel auf die Kernstrategie 1 (Standortentwicklung und –management) mit rund € 13,2 Mio. und Kernstrategie 2 (Innovations- und F&E-Förderungen) mit € 23,7 Mio. Insgesamt umfasste das Förderungsvolumen dieser beiden Kernstrategien 90,5 % der gesamten steirischen Wirtschaftsförderung. Bezogen auf die Förderungsfälle war die Kernstrategie 3 (Unternehmertum und Wachstum junger Unternehmen) mit 1.151 Förderungsfällen führend. Dabei wurde insbesondere die Förderungsaktion „Lebens!Nah“ (1.085 Fälle) in Anspruch genommen. Die Kernstrategie 4 (Qualifizierung und Humanpotenzial) nahm den zweiten Platz mit 819 Förderungsfällen ein, wobei die Förderungsaktion „Weiter!Bilden“ mit insgesamt 440 Fällen die höchste Inanspruchnahme verzeichnete.

Die Steiermark war wie in den Vorjahren bei der Inanspruchnahme von Bundesförderungsmitteln – sowohl bei der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) als auch bei der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) – im Bundesländervergleich höchst erfolgreich. Bei den Förderungsleistungen der AWS lag die Steiermark im Bundesländervergleich an vierter Stelle und im Bereich der Förderungen (Barwert) seitens der FFG nahm die Steiermark, wie bereits in den Jahren davor, erneut den ersten Platz im Bundesländerranking ein.

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht der Steiermärkischen Landesregierung betreffend „Wirtschaftsbericht 2016“ wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
Zweite Landtagspräsidentin Manuela Khom