LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 3

EZ/OZ 524/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit

Betreff:
Digitalisierung an steirischen Schulen vorantreiben

 

zu:
EZ 524/1, Digitalisierung an steirischen Schulen vorantreiben (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Bildung, Gesellschaft und Gesundheit" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 15.09.2020 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Bildung, Gesellschaft und Gesundheit vom 26.05.2020 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht, eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 524/1, betreffend „Digitalisierung an steirischen Schulen vorantreiben“, abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

„Zunächst darf allgemein festgehalten werden, dass in der Digitalisierung ein enormes Potenzial liegt, besonders auch für das Bildungswesen. Es braucht hier aber strategische und planerische Vorgaben für das gesamte Schulsystem, um aus den Möglichkeiten, die sich ergeben, den größten Nutzen zu ziehen.

Klar ist auch, dass sich das Bildungswesen diesen Veränderungen umfassend stellen muss, um den Schülerinnen und Schülern die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten.

Das Land Steiermark und auch die Bildungsdirektion sind hier bei diesem Prozess in ständigem Austausch mit dem Bund und auch involviert in der konkreten Umsetzung.

Der im Antrag erwähnte Masterplan, welcher sich bereits in Umsetzung befindet, gliedert sich im Wesentlichen in drei große Handlungsfelder.

Handlungsfeld 1 „Software“ - Pädagogik, Lehr- und Lerninhalte: Im Zuge einer grundlegenden Überarbeitung bestehender Lehrpläne sollen neue Lehr- und Lerninhalte aus dem Bereich der Digitalisierung systematisch in die Lehrpläne eingearbeitet werden. Ziel ist es, ein umfassendes Grundverständnis für den Umgang mit neuen Inhalten in den Lehrplänen abzubilden und der Digitalisierung im Sinne eines modernen Unterrichts methodisch und didaktisch in allen Gegenständen Rechnung zu tragen.

Dazu kann festgehalten werden:

Bereits im Schuljahr 2017/18 starteten an 178 Neuen Mittelschulen und AHS-Unterstufen (Pilotschulen, österreichweit) die verbindliche Übung "Digitale Grundbildung". Seit dem Schuljahr 2018/19 gilt nun der verordnete Lehrplan und es läuft die flächendeckende Umsetzung für alle Schulen der Sekundarstufe I (NMS, AHS).

Die Schülerinnen und Schüler erwerben dabei im Umfang von zwei bis vier Wochenstunden innerhalb von vier Jahren Kompetenzen aus den Bereichen

  • Gesellschaftliche Aspekte von Medienwandel und Digitalisierung

  • Informations-, Daten- und Medienkompetenz

  • Betriebssysteme und Standard-Anwendungen

  • Mediengestaltung

  • Digitale Kommunikation und Social Media

  • Sicherheit

  • Technische Problemlösung

  • Computational Thinking.

Es liegt dabei in der Schulautonomie, ob die verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ in speziellen Stunden oder integriert in anderen Fächern vermittelt wird. Auch schon in den Volksschulen werden digitale Kompetenzen im Lehrplan verankert. Im Vordergrund stehen die Medienbildung und der reflektierte Umgang mit dem Internet sowie ein spielerischer Zugang zu Technik und Problemlösung.

Zusätzliche wurden sog. Educational Innovation Studios an der PH etabliert. Diese „EIS“ verfolgen das Ziel, die Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit kindgerechten Programmierumgebungen, Robotik und dem kreativen digitalen Gestalten zu erhöhen. Algorithmisches Denken ist die Grundlage des Verstehens und Lösens vielschichtiger Problemstellungen aus Schule und Alltag sowie der Wegbereiter für die Entwicklung der eigenen kreativen Schaffenskraft (Making). Kombiniert mit spielerischen Methoden (Game Based Learning) können hohe Motivation und nachhaltige Lernerfolge bei Mädchen und Burschen gleichermaßen erzielt werden und die Informatische Grundbildung im Übergang zur Sekundarstufe stärken.

Im EIS wird mit Bee-Bots, programmierbaren Minirobotern gearbeitet, die wie Bienen aussehen und zunächst einfache Programmierroutinen ohne Computer ermöglichen. Erweitert werden diese Steuerungsübungen dann durch die Arbeit mit Tablets und die dazugehörige Software. Lehrerinnen und Lehrer können sich im EIS über kindgerechte Programmierumgebungen und Robotik, über kreatives digitales Gestalten und innovative Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien im Unterricht informieren und praktische Übungen dazu durchführen.

Handlungsfeld 2 „Hardware“ - Infrastruktur, modernes IT- Management, moderne Schulverwaltung: Die infrastrukturelle Ausstattung und die Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten sollen auf einen vereinheitlichten und vergleichbaren Standard gebracht werden. Es soll flächendeckend die Voraussetzung geschaffen werden, dass digitale Instrumente und Tools an Schulen zum Einsatz kommen können. Die Schulverwaltung soll durch zeitgemäße Anwendungen vereinfacht werden.

Dazu kann festgehalten werden:

Um den Zugang der Schülerinnen und Schüler zu einem eigenen Lerngerät sicherzustellen, ist ab dem Schuljahr 2021/22 die Ausstattung der 5. und 6. Schulstufe mit digitalen Endgeräten geplant. Danach erfolgt die Ausstattung schrittweise mit jeder neuen Klasse der 5. Schulstufe. Auf Basis einer autonomen Geräteentscheidung am Standort und eines pädagogischen Digitalisierungs- und Nutzungskonzepts können Schulen an der Initiative teilnehmen. Ein privater Finanzierungsanteil im Umfang von 25 % ist vorgesehen.

Es wird ein Programm aufgesetzt, das drei Bereiche umfasst:

  • Durchführung eines Calls und Auswahlverfahrens für Schulen mit Digitalisierungskonzept

  • Beschaffung von mobilen Endgeräten und Beauftragung mit den notwendigen externen Dienstleistungen in Kooperation mit der Bundesbeschaffung GmbH

  • Planung und Abwicklung eines Förderprogrammes für den Erwerb der Geräte

Die Vorbereitungen starten sofort, mit Beginn des Schuljahrs 2021/22 stehen engagierten Schulen der Sekundarstufe I für die ersten Jahrgänge mobile Endgeräte zur Verfügung. Darüber hinaus werden auch an allen Schulen, die sich erfolgreich an einem Call für Schüler/innengeräte beteiligen, auch mit zusätzlichen Endgeräten die Lehrerinnen und Lehrern mit zusätzlichen Endgeräten ausgestattet.

Auch hat das Land in Kooperation mit steirischen Unternehmern in Zeiten von Schulschließungen und Homeschooling rund 1380 Endgeräte zur Verfügung gestellt, um auch Schülern mit fehlender Infrastruktur eine Teilnahme am Unterricht ermöglichen zu können. Diese Geräte bleiben auch zukünftig im Eigentum der jeweiligen Schule und können weiterhin dort eingesetzt werden wo sie am dringendsten benötig werden.

Handlungsfeld 3 „Lehrende“ - Aus-, Fort-, und Weiterbildung: Digitalisierung, neue Möglichkeiten der Vermittlung von Inhalten bzw. Möglichkeiten sich diese anzueignen, sollen systematisch in der Ausbildung bzw. Fort- und Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen verankert werden.

Dazu kann festgehalten werden:

Selbst die besten Endgeräte erfüllen nicht ihren Zweck, wenn der richtige Umgang damit nicht vermittelt werden kann. Die Aus-und Fortbildung von LehrerInnen spielt daher eine besondere Rolle, da jedes noch so gute Konzept nur mit der entsprechenden Expertise vor Ort umgesetzt werden kann. Hier wurden aber gerade in den letzten Jahren sowohl auf Bundes als auch auf Landesebene etliche Initiativen gestartet um dies sicherzustellen:

Das neue Curriculum für die Ausbildung von Volksschullehrerinnen und –lehrer an der PH Steiermark beinhaltet Lehrveranstaltungen des Studienfachbereichs „Medien und digitale Kompetenz” im Umfang von 4 EC und die PH Steiermark bietet die zwei Schwerpunktlehrgänge „Medienpädagogik“ im Umfang von 60 EC (2 Semester) und „Mediendidaktik“ im Umfang von 30 EC (1 Semester) an. Inhalte sind digitales Informationsmanagement, Einsatz digitaler Medien im Unterricht, Informieren und Recherchieren, Kommunizieren, Kooperieren und Kollaborieren, Gestalten und Präsentieren, Lernen, Üben und Spielen, Simulieren und Experimentieren.

Das neue Curriculum für Sekundarstufenlehrerinnen und -lehrer für allgemeinbildende Fächer wurde um das Modul „Digitale Kompetenzen“ im Umfang von 6 EC erweitert und wird seit 2019 angeboten. Es beinhaltet zu je 2 EC Grundlagen, Fachdidaktik im Bachelor und Vertiefung im Master. Dabei geht es um Medieninformatik, Mediendidaktik, Medieneinsatz in den Fachdidaktiken, Medienrecht und informatische Bildung.

Für Sekundarstufenlehrerinnen und -lehrer der berufsbildenden Fächer gibt es zusätzlich an der PH Steiermark das Bachelorstudium „Information und Kommunikation“ und die Bachelorstudien „Berufsbildung Duale Ausbildung sowie Technik & Gewerbe“ und „Facheinschlägige Studien ergänzende Studien“ umfassen fast 50% E-Learninganteile.

Dazu wurden an der PH schon 2015 ein Medienbeirat eingerichtet und das „Institut für Digitale Kompetenz und Medienpädagogik“ gegründet, das die Expertise für die digitale Medienbildung in den Lehramtsstudien für angehende und in der Fort- und Weiterbildung für im Dienst stehende Lehrerinnen und Lehrer bündelt. Es beschäftigt derzeit ca. 20 Expertinnen und Experten.

Folgende Zielsetzungen werden mit dem Masterplan für Digitalisierung verfolgt:

  • Innovation in Methodik und Didaktik durch pädagogisch versierte Nutzung der digitalen Möglichkeiten im Unterricht.

  • Altersadäquate Förderung der digitalen Kompetenzen und Wissen sowie kritische Bewusstseinsbildung in allen Schularten und Schulstufen entlang klarer pädagogischer Leitlinien.

  • Steigerung des Interesses an Technologie und Technologieentwicklung, insbesondere unter Mädchen.

  • Verlässliche Vermittlung der digitalen Fertigkeiten, Kompetenzen und Wissen, die für einen erfolgreichen Übertritt in den Arbeitsmarkt erforderlich sind.

  • Förderung der mit der Digitalisierung verbundenen kreativen Potenziale unter den Schülerinnen und Schülern sowie Stärkung von Talenten.

Alle Pädagoginnen und Pädagogen sollen auf das Unterrichten mit Informations- und Kommunikationstechnologien in Blended und Distance Learning Settings gut vorbereitet werden. Im Sommer wird es daher zusätzlich ein umfangreiches Angebot an Schulungen und Weiterbildungen zur Nutzung einer einheitlichen Plattform geben. Als praxisnahes Angebot wird es unter anderem auch einen Massive Open Online Course (MOOC) geben, der ab August dieses Jahres eine zeit- und ortsunabhängige individuelle Fortbildung in diesem Bereich zulässt. Konkrete Inhalte sind etwa die Organisation von Distance Learning, der Einsatz von Plattformen, Verwendung von digitalem Content oder Kommunikation mit Eltern.

Als digitale Plattform liefert die Eduthek seit Beginn der COVID-19-Krise vertiefende Übungsmaterialien für alle Schularten und Unterrichtsgegenstände. In technischer Hinsicht bündelt sie anhand eines einheitlichen Katalogsystems digitale Bildungsinhalte und Unterrichtsmaterialien.

Als nächster Ausbauschritt werden bis zum kommenden Schuljahr alle digitalen Lehr-und Lernressourcen nach den Lehrplänen ausgerichtet, um die zielgenaue Suche noch zu verbessern und den Lehrerinnen und Lehrern ein optimales Service zu bieten.

Die Vielzahl an Applikationen, Kommunikationswegen und Webpages die aber mittlerweile zur Verfügung stehen stiften Verwirrung und erzeugen einen teilweise nicht kompatiblen Fleckerlteppich in der Schullandschaft.

Das Portal Digitale Schule soll nun die Kommunikation zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern und Eltern verbessern. Als Single Point of Entry stellt das Portal die wichtigsten Verwaltungs- und pädagogischen Applikationen zur Verfügung. Der Zugriff auf alle Applikationen (wie etwa Sokrates, Eduthek, Moodle, LMS, MS Teams etc.) wird mit nur einem einzigen Account, sprich mit einer einzigen Anmeldung, möglich sein (Single Sign On).

Bereits mit Beginn des kommenden Schuljahres wird das Portal Digitale Schule zur Verfügung stehen.

Abschließend darf also festgehalten werden, dass ganz unabhängig von der Covid-19-Pandemie im Bereich Digitalisierung viel unternommen wurde und sich in Umsetzung befindet. Die Steiermark ist hier auf einem guten Weg und wird auch in Zukunft alles daransetzen, diese Chance für alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu nutzen.“

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Bildung, Gesellschaft und Gesundheit zum Antrag, EZ 524/1, „Digitalisierung an steirischen Schulen vorantreiben“, der Abgeordneten der NEOS wird zur Kenntnis genommen.

 

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Barbara Riener