LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1025/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 22.12.2020, 10:34:48


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner

Betreff:
Unterschutzstellung des Skywalker-Fisches (Romanogobio skywalkeri)

Im Frühjahr 2018 kam es zu einem wahrhaften Sensationsfund in der oberen Mur, der international für Aufregung sorgte: Es war die Entdeckung des Skywalker-Fisches, genau genommen des Romanogobio skywalkeri („Smaragdgressling“ in deutscher, „emerald gudgeon“ in englischer Sprache). Diese einzigartige Entdeckung schaffte es von heimischen Medien bis in internationale Fachzeitschriften (zB Kleine Zeitung Steiermark, ZOOLOGISCHE SENSATION – "Hotspot Mur" zeigt im Naturkundemuseum neu entdeckte Fischart vom 08.03.2018; IGB, Neue Fischart im Universum: Romanogobio skywalkeri vom 20.02.2018; Zootaxa, Romanogobio skywalkeri, a new gudgeon (Teleostei: Gobionidae) from the upper Mur River, Austria vom April 2018).

Möglich wurde die Entdeckung von Romanogobio skywalkeri durch eine internationale Kooperation von Biolog*innen der Universität für Bodenkultur (BOKU), der Universität Graz und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie in Berlin. Schon die ersten genetischen Auswertungen verblüfften, denn die nächsten Verwandten sind in Griechenland beheimatet – mit einem zeitlichen Abstand von geschätzten 5 Millionen Jahren. Das bedeutet, dass der Smaragdgressling als voreiszeitliches Relikt seit Jahrmillionen – und bis 2018 inkognito – hier beheimatet ist und nur noch in einigen wenigen, fragmentierten Teilpopulationen zwischen Fisching und Laufnitzdorf in der oberen Mur zu finden ist.

Der Smaragdgressling ist einer unter mehreren „Endemiten“ in Österreich (va Pflanzen, Insekten, kleine Wirbellose), die oft in reliktischen alpinen Lebensräumen vorkommen (Rabitsch & Essl 2009). Die Besonderheit liegt darin, dass er der überhaupt erste endemische Fisch ist, der ausschließlich in Flüssen vorkommt. Auf den Punkt gebracht: Romanogobio skywalkeri ist eine gänzlich neue, besondere Art, die sonst an keinem Ort der Welt existiert. Lediglich ein Teil der Art ist im Europaschutzgebiet Nr 5 (AT2236000) gelegen, ansonsten ist er gänzlich ungeschützt. Umso mehr bedarf er der schützenden Hand des Gesetz- bzw des Verordnungsgebers, um seine Erhaltung zu sichern.

In der Naturschutz-Strategie Steiermark 2025 heißt es: „‘Biodiversität‘ ist die Vielfalt des Lebens, die Verschiedenheit von Arten und Lebensräumen. Verschiedenheit und die damit einhergehende genetische Vielfalt sind Schlüsselbausteine der Evolution und damit die zentralen zu schützenden Elemente des Naturschutzes“ (S 16 – Pkt 5 Abs 2). Die Landesregierung hat nun beste Gelegenheit zu zeigen, dass es sich dabei nicht um ein reines Lippenbekenntnis handelt.

Nach § 17 Abs 1 StNSchG sind neben Tierarten, die von der FFH-Richtlinie umfasst sind, insbesondere auch [s]onstige von Natur aus wild lebende, nicht dem Jagdrecht unterliegende Tiere, deren Bestand gefährdet oder aus Gründen der Erhaltung eines ausgeglichenen Naturhaushaltes zu sichern ist“, durch Verordnung der Landesregierung unter Schutz zu stellen.

Da es sich bei der Smaragddressling-Population in der Mur um die weltweit einzige handelt, ist sie ohne besonderen Schutz vom Aussterben bedroht. Eine Verordnung im genannten Sinne ist unumgänglich.

Aus demselben Grund ist auch danach zu trachten, die neue Art umgehend in Anhang II und IV der FFH-Richtlinie aufzunehmen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. die neue Art „Romanogobio skywalkeri“ umgehend mittels Verordnung nach § 17 Abs 1 dritter Satz StNSchG unter Schutz zu stellen und

2. an die Bundesregierung mit dem Ersuchen heranzutreten, sich auf EU-Ebene für die Aufnahme von Romanogobio skywalkeri in die Liste der geschützten Arten nach Anhang II und IV der FFH-Richtlinie einzusetzen.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne)