LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 928/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 08.07.2016, 09:42:54


Zu:
928/1 Vertretungslösung bei Ausfall von KindergartenpädagogInnen
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ), LTAbg. Dr. Werner Murgg (KPÖ)
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner
Beilagen: Anfragebeantwortung

Betreff:
Vertretungslösung bei Ausfall von KindergartenpädagogInnen

Die gesetzlichen Bestimmungen betreffend der Vertretung des Personals in Kinderbetreuungseinrichtungen finden sich im § 24 Steiermärkisches Kinderbildungs- und betreuungsgesetz, LGBl. Nr. 22/2000, zuletzt in der Fassung LGBl. Nr. 23/2016, und lauten folgendermaßen:

㤠24

Vertretung des Personals in Kinderbetreuungseinrichtungen

(1) Leiterinnen werden im Falle ihrer Abwesenheit von Gruppenführenden vertreten. Gruppenführende werden von Assistentinnen aus dem Stand der (Sonder)Kindergartenpädagoginnen bzw. (Sonder) Horterzieherinnen vertreten.

Sofern Gruppenführende und/oder derartige Assistentinnen im Personalstand der betreffenden Kinderbetreuungseinrichtung nicht zur Verfügung stehen, sind Gruppenführende (§ 20) außerhalb des Personalstandes zu verwenden. Während der Dauer der Vertretung übernimmt die Vertreterin die Aufgaben und die Stellung des Vertretenen. Über die Vertretung im Einzelfall entscheidet der Erhalter.

(2) Der Erhalter der Kinderbetreuungseinrichtung hat unverzüglich für die Vertretung zu sorgen. Sofern trotz seines Bemühens eine Vertretung nicht zur Verfügung gestellt werden kann, ist die Weiterführung der betreffenden Kinderbetreuungsgruppe mit Kinderbetreuerinnen oder durch Aufteilung der Kinder auf bestehende Kinderbetreuungsgruppen in der bestehenden Kinderbetreuungseinrichtung bis zu drei Wochen möglich (provisorische Weiterführung). Die betreffende Kinderbetreuungsgruppe ist jedenfalls vom Erhalter stillzulegen, wenn die Vertretung nicht innerhalb dieser Frist erfolgt. Sofern die Stilllegung nicht erfolgt, ist entsprechend den Bestimmungen des § 41 über das Mängelbehebungsverfahren vorzugehen.“

Die Bestimmung sieht also in Abs. 1 vor, dass Gruppenführende grundsätzlich von KindergartenpädagogInnen zu vertreten sind. Dies können PädagogInnen sein, die als AssistentInnen oder auch als BetreuerInnen tätig sind oder aber solche, die nicht zum Personalstand des Erhalters gehören und nur während der Dauer der Vertretung in der Einrichtung tätig werden.

Abs. 2 regelt, dass der Erhalter der Kinderbetreuungseinrichtung unverzüglich für die Vertretung zu sorgen hat. Nur sofern trotz seines Bemühens eine Vertretung nicht zur Verfügung gestellt werden kann, ist die Weiterführung der betreffenden Kinderbetreuungsgruppe mit KinderbetreuerInnen (oder durch Aufteilung der Kinder auf bestehende Kinderbetreuungsgruppen in der bestehenden Kinderbetreuungseinrichtung) bis zu drei Wochen möglich (provisorische Weiterführung).

Den in der Anfrage verwendeten Begriff der „HelferIn“ verwendet das Gesetz nicht, sondern spricht stets von der KinderbetreuerIn. Das Gesetz spricht zwar vom „pädagogischen Hilfspersonal“, das aber auch PädagogInnen und SonderpädagogInnen bzw. diplomierte KinderkrankenpflegerInnen in Krippen umfasst, die als AssistentInnen im Einsatz sind.

Im Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz ist die angesprochene Vertretungsregelung klar geregelt. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird seitens der Abteilung 6 stichprobenweise im Zuge der Fachaufsichtsbesuche überprüft. Eine Vollerhebung bzw. Statistik über sämtliche Vertretungsfälle in Kinderkrippen und Kindergärten von Gemeinden, sowie Einrichtungen von privaten Betreibern, wird nicht geführt.

Die Praxis zeigt, dass Erhalter durchwegs entsprechende Vertretungen  schnellstmöglich bereitstellen. In vielen Fällen bestehen dazu Kontakte zu ehemaligen MitarbeiterInnen der Einrichtung, die aus familiären oder auch aus Altersgründen vorübergehend oder dauerhaft aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, aber für Vertretungstätigkeiten zur Verfügung stehen. Dies hat den besonderen Vorteil, dass diese die pädagogischen und räumlichen Gegebenheiten, also auch die Konzeption, die fachlichen Zugänge der KollegInnen und im günstigsten Fall sogar noch die Kinder kennen und, was besonders wichtig ist, auch umgekehrt. Des Weiteren haben private Trägerorganisationen bzw. Gemeinden mit vielen Standorten SpringerInnenpools aufgebaut, um diese temporären Herausforderungen zu lösen. Wo dies nicht möglich ist, bedienen sich die Betreiber oftmals privater Firmen, die derartige Leistungen kurzfristig zur Verfügung stellen können und einen Vertretungspool im Bedarfsfall anbieten. In vielen Fällen werden aber auch von den Betreibern BetreuerInnen mit langjähriger Berufserfahrung und einer dabei erworbenen Fachlichkeit, die weit über den formalen Abschluss hinaus geht, für Vertretungen herangezogen. Diese BetreuerInnen sind im pädagogischen Team verankert, mit der pädagogischen Konzeption, die sie täglich leben, bestens vertraut, kennen die strukturellen Ressourcen der Einrichtung und deren Umgebung, verfügen über die notwendigen Kontakte im regionalen Netzwerk, wie etwa auch zur Schule, kennen die Eltern, die familiären Umstände und, das wichtigste, die Kinder selbst, deren individuelle Bedürfnisse, Stärken und Schwächen und ihren Entwicklungsverlauf.

Bildungsarbeit gelingt nur über Beziehung, das heißt über gelungenen Beziehungsaufbau und der daraus entstandenen Bindung. Der menschlichen Natur entsprechend benötigt dies ein Mindestmaß an Zeit, das freilich individuell variieren kann. Übliche Vertretungszeiträume werden dazu in aller Regel nicht ausreichen, noch dazu mit der Herausforderung für die Vertretung, sich auch mit allen sonstigen Rahmenbedingungen vertraut machen zu müssen.

Klar ist, dass es sich, wie im Gesetz ausgedrückt, nur um eine „provisorische Weiterführung“ handeln kann. Für diese vergleichsweise kurzen Zeiträume erscheint auch die Führung der Gruppe durch formal, aber besonders auch informell qualifizierte und mit den Rahmenbedingungen bestens vertraute BetreuerInnen eine vertretbare Alternative, deren Nachteil in Bezug auf den formalen Berufsabschluss durch die oben beschriebenen informellen Gegebenheiten in den meisten Fällen durchaus aufgewogen werden.

Die Bereitschaft von PädagogInnen einem Steiermark weiten SpringerInnen-Pool beizutreten und ausschließlich für Vertretungen zur Verfügung zu stehen wird als eher gering eingeschätzt. Die Gründe dafür liegen in den damit verbundenen sehr heterogenen Arbeitsverhältnissen, die größte Flexibilität, Mobilität, das ständiges Einstellen auf neue Teams, neue Gruppenkonstellationen, neue Kinder, Eltern und Erhalter von den PädagogInnen fordern und keine kontinuierliche und somit keine vertiefte pädagogische Arbeit zulassen.

Im Zuge der nun eingeleiteten Diskussion und Weiterentwicklung bzw. Novellierung des Kinderbildungs- und – betreuungsgesetzes sollen die Anforderungen an Vertretungen wie auch die Einrichtung eines Vertretungspools im Sinne der Umsetzungspraxis, Praktikabilität und pädagogischen Arbeit einbezogen und diskutiert werden.