LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1341/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 23.04.2021, 09:50:29


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Long-Covid in Angriff nehmen

Mehr als eine halbe Million genese Sars-CoV-19-Fälle gab es bisher nach derzeitigem Stand in Österreich, über 65.000 davon in der Steiermark (AGES 21.04.2021). Langsam vergrößert sich auch das Bewusstsein, dass viele Covid-19-Patient_innen mit Langzeitfolgen rechnen müssen. Unter dem Begriff Long-Covid werden jene Krankheitsverläufe zusammengefasst, an denen Covid-19-Patient_innen noch Wochen und Monate nach dem Auftreten erster akuter Symptome leiden. Zu den häufigsten Symptomen zählen Erschöpfungssyndrome, Kopfschmerzen, Schlappheit, Konzentrationsstörungen, Kurzatmigkeit und neurologische Probleme. Eine britische Studie im Journal The Lancet Psychiatry fand zudem auch ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen nach einer Covid-19-Erkrankung (Taquet et. al 2021).

In Großbritannien wurden vom staatlichen Gesundheitssystem NHS bereits im November letzten Jahres alleine in England 40 Long-Covid-Zentren eingerichtet  geplant sind insgesamt über 80. Zudem wurde ein Leitfaden zur Diagnose und zum Forschungsstand verfasst (NHS 2020). In Österreich fühlen sich viele Betroffene mit ihrer Erkrankung hingegen alleine gelassen. So müssen Long-Covid-Patient_innen auf Eigeninitiative und Vernetzung setzen. Federführend ist dabei auch eine 33-jährige Steirerin aus Graz. Sie gehört zu den 10 bis 20 % der Covid-19-Erkrankten, die über die Akutphase der Infektion hinweg von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind (NICE 2020). Nach einem mittelschweren Covid-19-Verlauf im Frühjahr letzten Jahres hatte sie noch Ende des Sommers mit den Krankheitssymptomen zu kämpfen. Statt Unterstützung, Rehabilitation und Heilung zu erhalten, fand sich die früher als medizinische Masseurin tätige Frau im Labyrinth des österreichischen Gesundheitssystems wieder. Die von ihr gegründete Selbsthilfegruppe "Long Covid Austria" will daher Bewusstsein schaffen und den Erfahrungsaustausch zwischen betroffenen Patient_innen fördern (Long Covid Austria).  

Glücklicherweise tut sich langsam auch in Österreich etwas. Die ÖGK hat  bis jetzt ohne konkreten Zeitplan – angekündigt, dass ein Konzept zu diesem Thema erarbeitet wird (ORF.at 19.04.2021). Erste Pilotprojekte an Krankenhäusern und Medizinischen Universitäten sind bereits angelaufen. Vorreiter sind das Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien, welches ein ambulantes "Post Covid-19 Programm" eingerichtet hat, und das AKH Wien, auf dessen Herzambulanz im Rahmen einer Studie Long-Covid-Patient_innen umfassend behandelt werden (BHSWMedizinische Universität Wien). Der Bedarf für derartige Angebote ist jedenfalls gegeben: So befinden sich bei der Spezialambulanz des AKH bereits hunderte Personen auf der Warteliste (Der Standard 12.04.2021)


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert, 

  1. durch eine umfassende Informationsoffensive die steirischen Ärzt_innen über Long-Covid und dessen Krankheitsbild aufzuklären,
  2. Steirer_innen, die positiv getestet wurden, über mögliche Langzeitfolgen zu informieren sowie
  3. Long-Covid-Zentren nach britischem Vorbild als Pilotprojekt in den steirischen Landeskrankenhäusern zu etablieren. 

Unterschrift(en):
LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS), LTAbg. Robert Reif (NEOS)