LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 2047/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 25.02.2022, 07:56:29


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)
Fraktion(en): NEOS
Zuständiger Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß

Betreff:
Endometriose ernst nehmen und den Kampf ansagen

Ungefähr 10 Prozent der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter leiden weltweit unter Endometriose, einer Krankheit, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb des Uterus an Eierstöcken oder im Bauchraum wächst. In manchen Fällen treten die Endometrioseherde auch im gesamten Körper auf. Diese Herde können zyklisch bluten, weiterwachsen und sich entzünden sowie Verklebungen in betroffenen Körperregionen verursachen. Zu den Symptomen gehören unter anderem starke zyklusunabhängige Schmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, bei gynäkologischen Untersuchungen, Blutungen aus Blase und Darm oder ungewollte Kinderlosigkeit. Die Schmerzen sind oft derart stark, dass Betroffene in ihrem Alltag massiv beeinträchtig werden und nicht mehr arbeiten gehen, oder gar das Haus verlassen können. In Österreich sind derzeit etwa zwischen 120.000 und 300.000 Frauen betroffen, die Dunkelziffer dürfte jedoch noch weitaus höher sein (vgl. Medizinische Universität Wien (2019): Endometriose: Bis zu 300.000 Frauen in Österreich betroffen).

Aufgrund der Vielgestaltigkeit dieser Symptome ist die Diagnose von Endometriose oft sehr langwierig und für Betroffene belastend. Im Schnitt vergehen zwischen sechs bis zehn Jahre vom ersten symptombedingten Kontakt mit Gynäkolog_innen bis zur korrekten Diagnose Endometriose. Auf Grund der Schmerzsymptomatik bedeutet dies für viele Frauen auch Belastungen im privaten und beruflichen Alltag, sowie Einschränkungen ihrer Lebensqualität (vgl. Robert Koch-Institut (Hg.) (2020): Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland. Berlin (Gesundheitsberichterstattung des Bundes gemeinsam getragen von RKI und DESTATIS)). Über Folgen wie diese warnte auch bereits Priv.-Doz. Dr. Monika Wölfler, Leiterin der Universitären Kompetenzeinheit Endometriose am LKH Graz: "Meist hören Frauen im privaten Umfeld oder sogar von Ärzt*innen, dass ihre Schmerzen die Regel sind. Diese Fehleinschätzung ist problematisch, da Frauen dadurch verunsichert werden und sich nicht weiter untersuchen lassen." (vgl. LKH-Univ. Klinikum Graz (2021) Schmerzen sind nicht die Regel).

Trotz einer Vielzahl an Betroffenen ist die chronische Krankheit noch weitgehend unbekannt und es gibt wenig Wissen dazu. Das liegt einerseits an fehlender Grundlagenforschung und damit einhergehenden wenigen Therapieformen. Ebenso sind die Ursachen der Erkrankung bislang ungeklärt, weshalb Behandlungen lediglich auf die Bekämpfung der Symptome beschränkt sind, und andererseits an der Bagatellisierung und Stigmatisierung von Menstruationsschmerzen in unserer Gesellschaft.

„Ce n'est pas un problème de femmes, c'est un problème de société“ (Das ist kein Frauenproblem, das ist ein Gesellschaftsproblem): Mit diesen Worten stellte der Präsident Emmanuel Macron Frankreichs nationale Strategie gegen Endometriose vor, mit dem Ziel, deren Ursachen besser zu erforschen und therapeutische Behandlungen zu finden (vgl. Midi Libre 11.01.2022). Frankreich nimmt hier europaweit eine klare Vorreiterrolle ein. Sollte aber nicht das einzige Best Practice-Beispiel bleiben, andere Länder sind hier gefordert nachzuziehen. Die medizinische Forschung und Bekämpfung von Endometriose kann nur durch die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit vorangetrieben werden. Zwar gibt es in der Steiermark bereits ein, am LKH Graz angesiedeltes, Endometriosezentrum, die politisch Verantwortlichen müssen sich jedoch auch endlich der gesellschaftliche Wahrnehmung und Anerkennung der Krankheit annehmen und Frauen, welche unter Endometriose leiden, dürfen nicht länger damit alleine gelassen werden. Deshalb braucht es eine steirische Informationsoffensive, welche eine Aufklärung und Entstigmatisierung von Endometriose und Menstruationsbeschwerden verfolgt, sowie einen Aktionsplan nach dem Vorbild Frankreichs.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. in Zusammenarbeit mit der Universitären Kompetenzeinheit Endometriose am LKH-Univ. Klinikum Graz eine landesweite Aufklärungs- und Informationskampagne zum Thema Endometriose über die klassischen Werbewege wie Plakate und Flyer, insbesondere bei Ärzt_innen, Apotheken und in Krankenhäusern, als auch digital auf Social Media, durchzuführen,

2. alle notwendigen Schritte im eigenen Wirkungsbereich zu setzen und mit dem Gesundheitsfonds Steiermark in Gespräche zu treten, um einen steirischen Endometrioseplan zur Erforschung der Ursachen, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten von Endometriose voranzutreiben.


Unterschrift(en):
LTAbg. Robert Reif (NEOS), LTAbg. Nikolaus Swatek, BSc (NEOS)