LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 400/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 12.03.2020, 17:30:02


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger, Landeshauptmann-Stv. Anton Lang

Betreff:
Maßnahmen gegen Kälbertransporte

Kälber durch die halbe Welt zu transportieren bedeutet leidvolle Qualen für die Tiere und Unklarheit für die Konsumentinnen und Konsumenten. Hier zeigt sich ein System, das Tiere als Ware ausbeutet, die LandwirtInnen unter enormen Preisdruck setzt und die KonsumentInnen verunsichert. Das wird auch bei den Milchpreisen sichtbar, die im globalen Wettbewerb stehen – und wo die Bevölkerung keine Information über das Schicksal der „Nebenprodukte“ der Milcherzeugung, nämlich der Kälber, hat. Wenn die Konsumentinnen und Konsumenten endlich wüssten, woher ihr Fleisch wirklich stammt, würde sich der Markt durch die steigende Nachfrage der Gäste fast von selber regulieren, sodass eine konsequente Herkunfts- und Herstellungskennzeichnung in der Gastronomie unumgänglich ist. Das Wegschauen muss ein Ende haben. Nicht Quantität, sondern Qualität muss sich endlich wieder lohnen.

Wie unlängst einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, werden in Österreich geborene Kälber, meist männliche Tiere für welche die heimische Milchwirtschaft keine Verwendung hat, im Zuge langer Lebendtiertransporte teilweise in Länder mit deutlich schwächeren Tierschutzgesetzen verfrachtet und dort geschlachtet. Die Bevölkerung ist zu Recht empört über die kürzlich aufgedeckten Tiertransportskandale. Wir wollen uns darauf verlassen können, dass auf das Tierwohl geachtet wird – bei der Aufzucht, bei der Haltung, bei Transporten und, soweit wie möglich, bei der Schlachtung. Teil einer Tierwohlwende ist aber auch die Förderung von vollwertigen pflanzlichen Alternativen als Teil einer ausgewogenen Ernährung. Hier gibt es in Österreich viele vorbildhafte Projekte, die Tier, Umwelt und Gesundheit zusammen denken. Auch an der FH Joanneum gibt es dazu ein neues Food Processing Lab, das sich mit dieser Thematik beschäftigt.

Der Transport zu Schlachthäusern, vor allem über weite Distanzen, ist nachweislich mit multiplen negativen Effekten auf Wohlbefinden und Gesundheit der Tiere verknüpft (Carlsson, 2017: Consumer willingness to pay for farm animal welfare: mobile abattoirs versus transportation to slaughter). Stark erhöhte Stresspegel können zu einem unmittelbaren Verenden der Tiere während des Transportes führen. Zusätzlich konnte empirisch belegt werden, dass die Verletzungsgefahr bei Rindern mit zunehmender Transportdauer steigt (Ramsay, 1977: Bruising in cattle). Abgesehen davon wirken sich Tiertransporte nachteilig auf die Fleischqualität aus (aufgrund der Ausschüttung von Stresshormonen), begünstigen die Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten und sind nicht zuletzt aus Gründen des Klimaschutzes bedenklich (Gebresenbet, 2003: State of the art of animal transport research: assessment and recomendations).

Die Verwendung von mobilen Schlachtanlagen stellt in Anbetracht der oben erwähnten Tatsachen eine tierwohlfördernde Alternative dar. Im Vergleich zu Tieren, welche zu zentralen Schlachthäusern transportiert werden, weisen solche, die in mobilen Anlagen getötet werden, deutlich niedrigere Stressparameter im Blut auf und legen ein weitaus natürlicheres Verhalten an den Tag (Skog Eriksen et al., 2013: Mobile abattoir versus conventional slaughterhouse—Impact on stress parameters and meat quality characteristics in Norwegian lambs). Daher ist es erfreulich, dass aufgrund Grüner Anträge mobile Schlachtungen nun möglich sind. Entsprechende Förderinstrumente müssen nun folgen.

Aufgrund der oben angeführten Tatsachen bedarf es, nicht nur aus Gründen des Tierwohles, dringender Maßnahmen hinsichtlich Transport- und Schlachtbedingungen in Österreich, auf europäischer Ebene und gegenüber Drittländern. Transporte sollen so kurz wie möglich und so tierschonend wie möglich stattfinden. Dazu braucht es eine Verbesserung des europaweiten Kontrollsystems, die Einhaltung der bestehenden Gesetze, einen besseren Vollzug und mehr Aufklärung der Verbraucherinnen und Verbraucher, der Bäuerinnen und Bauern. Tiertransporte von über vier Stunden und Lebendtiertransporte müssen die Ausnahme werden. Statt Lebendtiere sollten transportfähige Produkte befördert und Schlachtungen unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen lokal stattfinden.​


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. ein Kälberschutzpaket in Abstimmung mit der steirischen Gastronomie und Milchwirtschaft zu erarbeiten, welches im Speziellen die folgenden Maßnahmen aufweisen soll:

  • Lieferverträge mit Molkereien erhalten nur jene steirischen Betriebe, die ihre Kälber nicht außer Landes verfrachten und innerhalb Österreichs festgelegte Transportobergrenzen (z.B. 400 km oder 4 Stunden) verpflichtend einhalten.
  • Förderung mobiler Schlachtanlagen, die eine tierwohlgerechte und möglichst stressfreie Schlachtung direkt am Hof ermöglichen.
  • In der Steiermark übliche Doppelnutzungsrassen (z.B. Fleckvieh) werden vom Land und der Landwirtschaftskammer stärker forciert, z.B. durch die Installierung von entsprechenden Fördertöpfen. Die männlichen Kälber werden in der Steiermark hochgezogen.
  • Durch Ausschreibungen, die konsequent das Bestbieterprinzip verfolgen, werden Tierschutz und Transportwege als entscheidende Kriterien festgelegt. Damit wird sichergestellt, dass nur mehr regionales Fleisch in den Großküchen der Gemeinden und des Landes eingesetzt wird;

2. an die Bundesregierung heranzutreten, damit diese im eigenen Wirkungsbereich und auf europäischer Ebene folgende Maßnahmen vorantreibt:

  • eine konsequente Herkunfts- und Herstellungskennzeichnung in der Gastronomie
  • die Überarbeitung und Präzisierung der europäischen Tiertransportverordnung
  • eine Verbesserung des europaweiten Kontrollsystems
  • ein EU-weites Exportverbot von Lebendtiertransporten aus der EU in Drittländer
  • eine deutliche Verringerung von Lebendtiertransporten in Europa durch ein Verbot von Tiertransporten über vier Stunden.

Unterschrift(en):
LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)