LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 747/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 06.06.2016, 15:05:08


Zu:
747/1 Einsatz von Glyphosat bei öffentlichen Straßen und Gehwegen
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Ing. Sabine Jungwirth (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne)
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Jörg Leichtfried
Beilagen: Anfragebeantwortung

Betreff:
Einsatz von Glyphosat bei öffentlichen Straßen und Gehwegen

1. Werden an öffentlichen Straßen und Gehwegen nach wie vor glyphosathältige Herbizide zur Grünflächenpflege eingesetzt? Wenn ja, welche Mengen pro Jahr von welchen Straßenmeistereien?

Vom Straßenerhaltungsdienst wurden glyphosathältige Herbizide nie zur Grünflächenpflege, sondern ausschließlich im Bereich von Bauwerken und zum Schutz derer eingesetzt. Um die zerstörende Wirkung von Wurzeln der Gräser und Stauden im Bereich der Randleisten, Mauern und Fugen zwischen Asphalt und Pflasterung zu unterbinden, müssen diese entfernt werden. Dabei wurden die Spritzmittel aber auch nicht maschinell, sondern ausschließlich mit Handsprühgeräten punktuell ausgebracht.

Aufgrund der aktuellen Diskussionen über die Gesundheitsgefährdung durch Glyphosate wird auf die Anwendung von Herbiziden im Bereich von Straßen nun künftig gänzlich verzichtet

2. Werden andere Herbizide eingesetzt? Wenn ja, welche Mengen von welchen Straßenmeistereien?

Nein, es wurden und werden keine anderen Herbizide eingesetzt.

3. In welcher Form werden Aufzeichnungen über das Ausbringen von Herbiziden geführt? Gibt es

Aufzeichnungen über den Anwendungszeitpunkt, behandelte Flächen, eingesetzte Präparate und Mengen?

Im Zeitraum der Aufzeichnungspflicht ab 2012 wurden keine Spritzmittel angewendet, zuvor wurden aufgrund der geringen Mengen keine Aufzeichnungen gemacht.

4. Wurden bzw. werden Alternativen zur Unkrautbekämpfung und Grünflächenpflege im Straßenerhaltungsdienst eingesetzt? Wenn ja, welche und mit welchem Erfolg? Wenn nein, warum nicht?

Thermische Methode:

Die thermische Bekämpfung von Unkrautpflanzen wurde vom Straßenerhaltungsdienst versucht, dazu ist jedoch ein sehr hoher Energieaufwand (Flaschengas) erforderlich. Dabei wirkt die Wärme nur im Blattbereich. Um die Wurzel dauerhaft zu schädigen, müsste eine Erwärmung bis etwa 60°C erfolgen. Dabei ist auch punktuell mit der Abtötung von Kleinsttieren durch Hitzeeinwirkung zu rechnen. Die Versuche im Straßenerhaltungsdienst mittels thermischer Methode wurden mit Gasflammen und Heißluftlanzen gemacht. Die praktische Erprobung der Heißdampfvariante ist von anderen Straßenerhaltern bekannt, die dort gemachten Erfahrungen sind ähnlich. Die thermischen Methoden sind aus ökologischer Sicht und aufgrund des mangelhaften Erfolgs keine Alternative.

Die Wirkung der Zuckerschaummethode beruht ebenfalls auf thermische Einwirkung. Dabei dient der Schaum ausschließlich als Wärmedämmung, die erforderlichen Temperaturen zur dauerhaften Schädigung der Unkrautpflanzen werden im Wurzelbereich trotzdem nicht erreicht.

Alternative Wirkstoffe:

Die Anwendung von Streusalz kann zur Unkrautbekämpfung ausgeschlossen werden. Aus Erfahrungen weiß man, dass die Vegetation bei fein dosierter Anwendung nicht beeinträchtigt bzw. teilweise sogar gefördert wird und entsprechend hohe Dosierungen aus ökologischer Sicht bedenklich sind.

Auf der Suche nach biologischen Wirkstoffen steht derzeit die Anwendung von Essigsäure zur Diskussion. Dazu werden der zu erwartende Erfolg, die zu erwartenden Nebenwirkungen und die Zulassung als Wirkstoff gemäß Pflanzenschutzgesetz geprüft.

Mechanische Methode:

Die mechanische Alternative ist, dass die betroffenen Fugen händisch ausgekratzt und mittel Hochdruck-Wasserstrahl gereinigt werden. Anschließend müssen die gereinigten Fugen mit geeignetem Fugenmaterial aufgefüllt werden. Diese Methode wird in Hinkunft vom Straßenerhaltungsdienst als derzeit einzig mögliche Alternative zur Anwendung gebracht werden.

5. Welche konkreten Initiativen und Maßnahmen hat die Landesregierung ergriffen, um den steigenden Einsatzmengen bei glyphosathältigen Herbiziden zu begegnen und die Entwicklung nichtchemischer Alternativen voranzubringen?

In meinen Ressortzuständigkeiten ist und war „eine steigende Einsatzmenge bei glyphosathältigen Herbiziden“ nicht gegeben. In Zukunft wird auf den – bisher schon geringfügigen – Einsatz von Glyphosat gänzlich verzichtet.