LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 22

EZ/OZ 2050/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Bildung, Gesellschaft und Gesundheit

Betreff:
Psychotherapieangebote für unsere Schulen - Schüler*innen und Lehrer*innen jetzt entlasten

 

Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
zu:
EZ 2050/1, Psychotherapieangebote für unsere Schulen – Schüler*innen und Lehrer*innen jetzt entlasten (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Bildung, Gesellschaft und Gesundheit" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 21.06.2022 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Bildung, Gesellschaft und Gesundheit vom 08.03.2022 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht, eine Stellungnahme zum Antrag, Einl.Zahl 2050/1, betreffend "Psychotherapieangebote für unsere Schulen - Schüler*innen und Lehrer*innen jetzt entlasten" abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Steiermärkische Landesregierung folgende Stellungnahme:

"Grundsätzlich ist zu dieser Thematik festzuhalten, dass gemäß Art. 14 Abs. 1 B-VG (Generalklausel im Schulbereich zugunsten des Bundes) hinsichtlich der SchülerInnen die Zuständigkeit beim Bund liegt. Für diese Betreuung gibt es den schulpsychologischen Dienst, der bei der Bildungsdirektion eingerichtet ist. Darüber hinaus erbringt aber auch das Land freiwillige Leistungen im Schulbereich für die SchülerInnen. Hinsichtlich der LandeslehrerInnen liegt eine Zuständigkeit als Dienstgeber beim Land; für BundeslehrerInnen liegt die Zuständigkeit beim Bund.

Bezugnehmend auf das Ersuchen um inhaltliche Stellungnahme zu gegenständlichem selbstständigen Antrag (§ 21 GeoLT) der Grünen zu „Psychotherapieangebote für unsere Schulen – Schüler*innen und Lehrer*innen jetzt entlasten“ erfolgt seitens der A6 – Fachabteilung Gesellschaft folgende Rückmeldung:

„In der Steiermark besteht seit dem Jahr 2009 ein, in der Zwischenzeit im Schulsystem hervorragend etabliertes und nicht mehr wegzudenkendes Unterstützungsangebot für Schüler*innen, in Form von Schulsozialarbeit. Schulsozialarbeit in der Steiermark wird in allen sieben Bildungsregionen angeboten. Mit der kommenden Auftragsperiode ab dem Schuljahr 2022/23 wird die Leistung von 41 auf 50 Vollzeitäquivalente neuerlich ausgebaut. Aktuell besteht darüber hinaus eine zusätzliche Finanzierung von über 10 VZÄ Schulsozialarbeit durch einzelne SHVs und Gemeinden, was zu einer derzeitigen Abdeckung von über 170 Schulstandorten im Pflichtschulbereich in der Steiermark führt. Schulsozialarbeit setzt an diesen Standorten sozialarbeiterische und sozialpädagogische Angebote in Form von Beratung, Einzelfallhilfe und Gruppenangeboten, um unter anderem präventiv an der Gesundheitskompetenz der Zielgruppen (diese sind primär die Schüler*innen selbst, erweitert jedoch auch die Erziehungsverantwortlichen und Lehrpersonen) zu arbeiten. Aber auch in krisenhaften Situationen und bei bestehenden Problemlagen intervenieren, beraten und begleiten Schulsozialarbeiter*innen die Zielgruppen ganzheitlich in Form von Einzelfallhilfe und vermitteln bei zusätzlichen Bedarf beispielsweise zu adäquaten außerschulischen Fachstellen, Beratungs- oder Therapieangeboten. Bei der gesamten Tätigkeit der Schulsozialarbeit erfolgt eine enge Zusammenarbeit sowie fallspezifische und fallunspezifische Vernetzung mit weiteren schulinternen und –externen Unterstützungssystemen wie Schulpsychologie, Beratungslehrpersonen, Diversitätsmanager*innen, Schul- und Fachärzt*innen, Kinder- und Jugendhilfe und viele weitere. All diese Unterstützungssysteme decken in der Steiermark bereits eine große Bandbreite und Fläche an Hilfestellungen für Schüler*innen aber auch Lehrpersonen ab, wiewohl ein Mehrbedarf an Unterstützungsleistungen jedenfalls gegeben wäre.

Zusätzliche Unterstützung brachten und bringen daher auch Projekte auf Bundesebene. Über das Projekt „Wir stärken Stärken“ über den Berufsverband österreichischer Psycholog*innen (BÖP) konnten beispielsweise 71 (krisenbedingt) besonders belastete und ausgrenzungsgefährdete Kinder und Jugendliche in der Steiermark bis zu zehn Einheiten an klinisch-psychologischen Behandlungen kostenlos erhalten. Das Projekt lief über einen Zeitraum von Juni 2021 bis März 2022 und konnte aufgrund des großen Bedarfs und der Notwendigkeit im Nachfolgeprojekt „Gesund aus der Krise“ fortgesetzt werden. In diesem einjährigen Projekt des BM für Gesundheit, beginnend mit April 2022, sollen mit einem Budget von 13 Millionen Euro österreichweite frühzeitige Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten für (krisenbedingt) psychosozial belastete Kinder und Jugendliche bis 22 Jahre angeboten werden. Dieses Projekt ergänzt die Regelversorgung in den Bundesländern und soll einen möglichst niederschwelligen und kostenlosen Zugang für Kinder und Jugendliche sowohl zu Klinischen Psycholog*innen wie auch zu Psychotherapeut*innen gewährleisten. Das Projekt wird kooperativ vom Berufsverband österreichischer Psycholog*innen (BÖP) und dem österreichischen Berufsverband für Psychotherapie (ÖBVP) umgesetzt. Die Vermittlung der belasteten Kinder und Jugendlichen zu den Psycholog*innen- und Therapiestellen kann direkt und niederschwellig über verschiedenste etablierte Unterstützungssysteme erfolgen. In der Steiermark sind dies beispielsweise die Schulsozialarbeit, die Außerschulische Jugendarbeit, die KIJA oder auch die Schulpsychologie oder weitere Beratungsstellen.

Da jedoch auch die Lehrpersonen aktuell stark belastet sind, versuchte das Land Steiermark mit dem geförderten Pilotprojekt „BfP – Beratung für Pädagog*innen Steiermark“ eine Unterstützungsmöglichkeit auch speziell für Pädagog*innen (Lehrpersonen wie Elementarpädagog*innen) zu etablieren. Diese Stelle bietet für steirische Pädagog*innen kostengünstige Beratung/Coaching, Supervision, Mediation, Moderation und Psychotherapie für Einzelpersonen, Gruppen und Teams an. Das BfP als eigenständiger Verein und externe Beratungsstelle ist in Österreich einzigartig. Angebote für Einzelsupervision und andere Beratungen im Einzelsetting gibt es weder durch eine vom Dienstweg unabhängige Institution noch an den Pädagogischen Hochschulen oder Universitäten in der Steiermark. Die Berater*innen des BfP sind selbst Pädagog*innen, mit den jeweiligen Zusatzqualifikationen (Supervision, Mediation, Lebens- und Sozialberatung, Klinische Psychologie, Psychotherapie), und verfügen über die nötige Feldkompetenz. Damit wird in der gesamten Steiermark für Pädagog*innen ein Angebot geschaffen, das leider nicht zur Regel im Schulsystem zählt, jedoch den dringenden Bedarf abfedern kann.

Mit diesen Maßnahmen wird in der Steiermark bereits vieles für die Entlastung des Systems Schule und hier insbesondere für die Kinder und Jugendlichen getan. Insbesondere der Ausbau der Schulsozialarbeit im kommenden Schuljahr ist ein deutliches Zeichen und eine wichtige Maßnahme in Richtung einer breitflächigen Angebotslandschaft für Schüler*innen in der gesamten Steiermark.“

Von der Kinder- und Jugendanwaltschaft wurde im Rahmen einer Stellungnahme auf nachfolgende Leistungen der KIJA hingewiesen:

Beratung und Vermittlung:
Zielgruppe: Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene bis 21 Jahre; Bezugspersonen bzw., familiäres Umfeld von Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21. Jahre, ProfessionistInnen, die im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind.        
Ein multiprofessionelles Beratungsteam steht für Fragen und Problemstellungen der jungen Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenswelten telefonisch und persönlich zur Verfügung und vermittelt bei Konflikten zwischen den Beteiligten, wenn kinderrechtliche Themen im Mittelpunkt stehen. Das Angebot umfasst neben einer klassischen Rechtsberatung auch psychosoziale Unterstützung und Begleitung, pädagogische Beratung und Erziehungscoaching.

Anlauf- und Koordinierungsstelle bei Mobbing:      
Seit 2019 bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark eingerichtet - ein weiterer Meilenstein im Unterstützungssystem für steirische SchülerInnen. Ein multiprofessionelles Team steht für Prävention und konkrete Fallarbeit für die spezifische Gewaltform Mobbing zur Verfügung und leistet so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der psychischen Gesundheit.

Information bzw. Aus- und Weiterbildung:  
 Präventiv bietet die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark kostenlose kinderrechtliche Workshops an Schulen an. In diesen Workshops geht es vor allem um das Recht auf Bildung, Familie, Gleichbehandlung und das Recht auf Schutz vor Gewalt. Die Workshops bieten den Kindern und Jugendlichen einen geschützten Rahmen, ihre konkreten Ängste und Sorgen zu thematisieren. Oftmals entsteht aus den Workshops eine kontinuierliche Unterstützung und Begleitung einzelner junger Menschen.

Für ProfessionistInnen der Bildungseinrichtungen bietet die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark Aus- und Fortbildungen zum breiten Thema Kinderrechte und Kinderschutz an. Diese Fortbildungen bieten eine wesentliche Präventions- und Schutzfunktion für die SchülerInnen und zielen darauf ab, deren Wohlergehen zu verbessern.

Netzwerkarbeit:
 Weiters ist die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark aktuell in zahlreichen Netzwerken, welche im schulischen Kontext tätig sind, eingebunden und engagiert sich unter anderem in diesem Rahmen für das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen in der Steiermark. Hier findet auch laufend Konzeptionsarbeit zur Verbesserung der schulischen Lebensbedingungen statt.

Sämtliche Angebote der Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark sind kostenfrei, vertraulich und auf Wunsch auch anonym.“"

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Bildung, Gesellschaft und Gesundheit zum Antrag, Einl.Zahl 2050/1, betreffend "Psychotherapieangebote für unsere Schulen - Schüler*innen und Lehrer*innen jetzt entlasten", der Abgeordneten der Grünen wird zur Kenntnis genommen.

 

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Barbara Riener