LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1095/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 26.01.2021, 16:53:15


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Klimaschutz
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Landeshauptmann-Stv. Anton Lang

Betreff:
Energieeffiziente und artenschutzgerechte Beleuchtung des öffentlichen Raumes in der Steiermark

Künstliche Außenbeleuchtungen, vor allem bestimmte Leuchtmittel und Leuchtkörper, können für Vögel und Insekten ein massives, oftmals tödliches, Problem darstellen. Beispielsweise werden Zugvögel, die nachts, in geringer Flughöhe und bei schlechten Sichtverhältnissen, unterwegs sind, von nach oben abstrahlenden Lichtquellen angezogen. Die damit einhergehenden, ungerichteten und energieintensiven Flüge, stellen für die Tiere eine hohe Stressbelastung dar und nicht selten kommt es dabei zu Kollisionen mit Hindernissen (McLaren et al., 2018). Entsprechende Experimente konnten beispielsweise zeigen, dass Scheinwerfer erhebliche Schreckreaktionen, Richtungsänderungen, eine Reduktion der Fluggeschwindigkeit sowie Störungen des Rast- und Ruheverhaltens bei nachts ziehenden Vögeln auslösen (Schmid et al., 2012; Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht). Noch gravierender sind die Folgen der künstlichen Beleuchtung für nachtaktive Insekten (und immerhin sind von den ca. 4000 Schmetterlingsarten in Europa etwa 85% nachtaktiv). Das Licht von Mond und Sternen (v.a. ultraviolette Strahlung und kurzwellige Lichtanteile) spielt eine wichtige Rolle für die Orientierung dieser Arten. Andererseits werden die Tiere auch von Lampen angelockt und schwirren in endlosen Taumelflügen um die Lichtquellen (Verbrennungsgefahr an heißen Lampen) oder lassen sich auf angestrahlten Flächen (Fassaden, Straßenoberflächen etc.) nieder. Dabei sind sie leichte Beute für ihre natürlichen Feinde bzw. werden oft durch Tritt & Überfahren getötet. Allein an den Straßenlaternen Deutschlands sollen nach Schätzungen jedes Jahr 150 Billionen Insekten umkommen (Schmid et al., 2012).

Für die nächtliche Beleuchtung des Außenraumes gibt es technische und betriebliche Maßnahmen, durch welche die negativen Effekte auf Insekten und Vögel reduziert werden können. Aus Sicht des Naturschutzes sollten nur Leuchten verwendet werden, die kein Licht über die Horizontale (also nach oben) abstrahlen, sondern fokussierte Lichtkegel auf die zu beleuchtende Fläche werfen. Zudem sollten Leuchtmittel mit geringer Insektenanziehung zum Einsatz kommen. Diesbezüglich haben LEDs mit warmweisser Lichtfarbe (2700-3000 Kelvin) in Studien am besten abgeschnitten (Schmid et al., 2012, Wakefield et al., 2016).

Darüber hinaus sind LEDs grundsätzlich energieeffizienter als andere Leuchtmittel und haben aufgrund ihrer guten Steuerbarkeit (Dimmung, Bewegungssensoren) zudem noch zusätzliches (Energie-) Einsparpotential. Eine Steigerung der Energieeffizienz ist auch dringend nötig, um die steirischen Klima & Energieziele zu erreichen und eine Deckung des Strombedarfs über erneuerbare Träger zu ermöglichen. In diesem Sinne hat die Stadt Graz bereits unlängst eine Initiative gestartet und wird bis 2025 zehn Millionen Euro in die Sanierung der veralteten (teilweise 50-70 Jahre alt!) öffentlichen Beleuchtung investieren (https://www.meinbezirk.at/graz/c-lokales/jetzt-geht-graz-ein-licht-auf-millioneninvestition-in-strassenbeleuchtung_a2465244). Es ist davon auszugehen, dass die öffentliche Beleuchtung in weiten Teilen der Steiermark ebenfalls nicht den energieeffizienztechnischen Standards entspricht und hier, kumulativ, große Mengen an Strom unnötigerweise vergeudet werden. Die Anschaffungskosten der neuen Beleuchtungssysteme können sich relativ schnell über die Stromeinsparung amortisieren: Die in Graz bereits umgesetzten Pilotprojekte „Greenlight I & II) führten zu einer Energie- und Kosteneinsparung von 58% bzw. 20% (Zipper, 2014: Informationsbericht an den Gemeinderat. Masterplan / Finanzierungsbedarf für die Straßenbeleuchtung).


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. eine steiermarkweite Erhebung des öffentlichen Beleuchtungssystems (im Zuständigkeitsbereich des Landes) durchzuführen, wobei jedenfalls zu ermitteln ist, welche Energiemenge durch einen flächendeckenden Umstieg auf LED-Leuchtmittel jährlich eingespart werden könnte,

2. sämtliche öffentliche Beleuchtungskörper in der Steiermark, die im Zuständigkeitsbereich des Landes liegen, bis spätestens 2030 mit energieeffizienten und artenschutzgerechten LEDs zu bestücken (sofern das Anwendungsgebiet dies zulässt),

3. die Energieeffizienz des öffentlichen Beleuchtungssystems in der Steiermark zudem durch zeitliche Begrenzung der Beleuchtung, Bewegungsmelder und Dimmer (wo aus sicherheitstechnischen Aspekten möglich) bis spätestens 2030 bestmöglich zu verbessern und

4. eine Förderschiene für Gemeinden zu installieren, die ihre veralteten Außenbeleuchtungsanlagen gegen energieeffiziente, vogel- und insektenfreundlichen Anlagen (nach oben abgeschirmte Lampen & LEDs mit max. 3000 Kelvin) tauschen möchten.


Unterschrift(en):
LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)