LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 1012/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 06.09.2016, 11:36:40


Zu:
1012/1 Einsatz von Therapiebegleithunden an steirischen heilpädagogischen Kindergärten
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Ing. Sabine Jungwirth (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne)
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Mag. Ursula Lackner
Beilagen: Anfragebeantwortung

Betreff:
Einsatz von Therapiebegleithunden an steirischen heilpädagogischen Kindergärten

Laut § 3 Abs. 1 lit. g Steiermärkisches Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz (StKBBG), LGBl. Nr. 22/2000, zuletzt in der Fassung LGBl. Nr. 23/2014, sind Heilpädagogische Kindergärten für Kinder mit besonderen Erziehungsansprüchen. In diesen sind Kinder ab dem vollendeten 3. Lebensjahr bis längstens zum Ende jenes Kindergartenjahres zu betreuen, in welchem das Kind das 8. Lebensjahr vollendet.

Im Heilpädagogischen System werden drei Organisationsformen unterschieden. Kooperative Gruppen (sechs Kinder mit besonderen Erziehungsansprüchen), Integrationsgruppen (fünf Kinder mit besonderen Erziehungsansprüchen, dreizehn Kinder ohne besondere Erziehungsansprüche) sowie die Integrative Zusatzbetreuung (IZB), die es nur in der Steiermark gibt, mit sechs Kindern mit besonderen Erziehungsansprüchen pro Team. Für diese Kinder mit besonderen Erziehungsansprüchen muss ein Bescheid über die Kostentragung nach dem Steiermärkischen Behindertengesetz vorliegen.

In diesen Fällen erfolgt nach Abklärung des Bedarfes an ärztlichen und therapeutischen Maßnahmen der zu betreuenden Kinder eine gezielte Förderung im Heilpädagogischen Kindergarten im Stammhaus bzw. durch die Integrative Zusatzbetreuung in den Heimatkindergärten der Kinder.

Gemäß § 4 der Verordnung über ein Organisationsstatut für Heilpädagogische Kindergärten und Heilpädagogische Horte, LGBl. Nr. 72/2002, besteht das Betreuungspersonal in der kooperativen und in der Integrationsgruppe aus einer Sonderkindergartenpädagogin/einem Sonderkindergartenpädagogen, einer weiteren (Sonder)Kindergartenpädagogin/einem weiteren (Sonder)Kindergartenpädagogen sowie einer Kinderbetreuerin/einem Kinderbetreuer. In der Integrativen Zusatzbetreuung ist das pädagogische Fachpersonal in Form einer vollbeschäftigten Sonderkindergartenpädagogin/einem vollbeschäftigen Sonderkindergartenpädagogen sowie des ärztlichen, psychologischen und therapeutischen Fachpersonals beschäftigt.

Letzteres ist in § 5 des Organisationsstatutes abschließend geregelt. Das therapeutische Fachpersonal setzt sich demnach aus LogopädInnen, PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen, SprachheillehrerInnen sowie MototherapeutInnen zusammen.

Gemäß § 6 des Organisationsstatutes stehen pro kooperativer Gruppe sowie pro Integrationsgruppe für Tätigkeiten des therapeutischen Fachpersonals insgesamt 10 Stunden pro Woche, in der Integrativen Zusatzbetreuung 15 Stunden pro Woche zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Kinderdienststunden, die unmittelbar kindbezogene Tätigkeiten umfassen, wie z.B. Arbeit unmittelbar mit dem Kind, Dokumentation, Austausch mit dem pädagogischen Personal der Kinderbetreuungseinrichtung etc.

Die einzelnen Fragen werden wie folgt beantwortet:

1. Erachten Sie den Einsatz von Therapiebegleithunden in der Arbeit mit Kindern als förderungswürdige pädagogische Maßnahme?

Das Betreuungspersonal von Heilpädagogischen Kindergärten hat die Aufgabe, die zu betreuenden Kinder in ihrer Ganzheit wahrzunehmen, sie zu begleiten, zu unterstützen und zu fördern. Die Zusammenarbeit aller Fachdisziplinen ist die Voraussetzung für eine gedeihliche Arbeit.

Auf der Grundlage der Einsatzpläne des ärztlichen, psychologischen und therapeutischen Fachpersonals werden Förder- und Therapiepläne erstellt, in regelmäßigen Zeitabständen überprüft und gegebenenfalls geändert oder ergänzt. Die Priorität liegt dabei in der Arbeit mit dem Kind und, insbesondere bei Integrationsgruppen sowie der Integrativen Zusatzbetreuung, ausgehend von einem inklusiven Ansatz in der Teilhabe des Kindes am Alltag in der jeweiligen Gruppe ohne Sonderstatus. Das Hauptaugenmerk im Kindergarten liegt auf der Möglichkeit eines regulären Besuchs einer Einrichtung für jedes Kind.

Neben den in § 5 Organisationsstatut geregelten Therapieformen, für die die Kosten über das Heilpädagogische System getragen werden, werden am freien Markt aktuell noch zahlreiche andere Therapieformen/-richtungen wie Therapeutisches Klettern oder tiergestützte Therapien wie Therapiehühner, Delphintherapie, Hippotherapie und eben auch Therapiebegleithunde angeboten. Es handelt sich dabei um einzelne Therapierichtungen, die spezielle Ziele und Resultate verfolgen, und daher im Organisationsstatut nicht vorgesehen sind. Deren Inanspruchnahme liegt damit außerhalb des Systems des Heilpädagogischen Kindergartens.

2. Wird in der Steiermark der Einsatz von Therapiebegleithunden an Volksschulen gefördert? Wenn ja, an wie vielen Schulen wird tiergestützt gearbeitet? Wenn nein, warum nicht?

Diese Frage über den Einsatz von Therapiebegleithunden in der Volksschule betrifft ausschließlich den Bereich des Schulunterrichtsgesetzes bzw. der Lehrpläne.

Gemäß Art. 14 B-VG fällt dieser Bereich in die ausschließliche Kompetenz des Bundes und es liegen daher auch keine Informationen über den Einsatz von Therapiehunden in den Volksschulen vor.

3. Wird in der Steiermark der Einsatz von Therapiebegleithunden in Kinderbetreuungseinrichtungen gefördert? Wenn ja, in wievielen Kinderbetreuungseinrichtungen wird tiergestützt gearbeitet? Wenn nein, warum nicht?

Da, wie schon oben erwähnt, das Aufgabengebiet von Heilpädagogischen Kindergärten klar geregelt ist und Therapiebegleithunde im Organisationsstatut für Heilpädagogische Kindergärten und Heilpädagogische Horte nicht verankert sind, ist dies je nach individueller Zweckmäßigkeit gesondert zu beurteilen. Es wurden diesbezüglich bis jetzt nur zwei Anfragen von Heilpädagogischen Kindergärten an die zuständige Abteilung 6 des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung gestellt.

Die erste Anfrage bezog sich auf die Möglichkeit der Anrechnung der Ausbildung zur Therapiebegleithundetrainerin für eine Sonderkindergartenpädagogin auf die nach
§ 25 StKBBG gesetzlich vorgeschriebene Fortbildung. Dabei kommt es jedoch zu einer Vermischung der eigenen Ausbildung der Sonderkindergartenpädagogin mit der beruflichen Tätigkeit im IZB-Team des Heilpädagogischen Kindergartens und wurde daher abschlägig beantwortet.

Die zweite Anfrage bezog sich auf die Meldung einer Tiertrainerin samt Therapiehund als Betriebsfremde Person.

Eine zertifizierte Hundetrainerin wollte zweimal jährlich die tiergestützte Therapie in einer Einrichtung anbieten. Hier ist anzumerken, dass – wissenschaftlich gesehen – eine Förderung bei Kindern auf Kontinuität und Bindungsarbeit basiert, was durch den zweimaligen Einsatz eines Therapiehundes in einer Kinderbetreuungseinrichtung nicht möglich ist und somit ebenfalls abschlägig beantwortet wurde.

4. Welche Auflagen sind an den Einsatz von Therapiebegleithunden geknüpft?

Es bestehen, insbesondere auch im Steiermärkischen Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz, keine gesetzlichen Bestimmungen, die ausdrücklich den Kontakt von Kindern mit gewissen Tierarten untersagen würden, wenn auch § 3b Abs. 3 des Stmk. Landes-Sicherheitsgesetzes, LGBl. Nr. 24/2005, zuletzt in der Fassung LGBl. Nr. 147/2013, vorsieht, dass „Hunde an öffentlich zugänglichen Orten … entweder mit einem … Maulkorb zu versehen oder so an der Leine zu führen sind, dass eine jederzeitige Beherrschung des Tieres gewährleistet ist“. Eine entsprechende Einschätzung des Gefahrenpotentials obliegt im konkreten Fall also grundsätzlich der mit der Obsorge bzw. mit der Betreuung eines Kindes betrauten Person, wobei das Einholen der Zustimmung des Erhalters und aller Eltern der Kinder der jeweiligen Einrichtung Voraussetzung ist.