LANDTAG STEIERMARK
XVII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 270/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 02.10.2015, 09:42:46


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Hannes Amesbauer, BA (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)
Fraktion(en): FPÖ
Zuständiger Ausschuss: Gesundheit
Regierungsmitglied(er): Landesrat Mag. Christopher Drexler

Betreff:
Einführung eines Lehrberufes „Betriebsdienstleistung und Pflegehilfe“

Aufgrund der demographischen Entwicklung in Österreich und der steigenden Lebenserwartung wird es in den nächsten Jahrzehnten zu einer wesentlichen Zunahme des Pflege- und Betreuungsbedarfs kommen. Nach heutigem Stand werden in der Steiermark mehr als 12.500 Personen stationär, rund 16.000 mobil und etwa 45.000 im Familienverband gepflegt. Dies ergibt in Summe 73.500 Personen, wobei der Großteil davon der Altersgruppe 75 plus zuzuordnen ist. Laut dem „Bedarfs- und Entwicklungsplan für pflegebedürftige Personen“ (kurz: BEP-St 2025), der von der JOANNEUM RESEARCH Forschungsges.m.b.H. erstellt wurde, wird sich der Anteil der über 75-jährigen Steirer von heute 9,1 Prozent bis 2025 auf 11 Prozent erhöhen.

Im Rahmen der am 15. Oktober 2014 abgehaltenen Pflegeenquete wurde von Experten die Notwendigkeit des Ausbaues alternativer Pflegeformen unterstrichen. Durch das erweiterte Angebot sollen zum einen ältere Menschen länger in den eigenen vier Wänden leben können und zum anderen pflegende Angehörige entlastet werden. Dieses Ziel wird auch explizit im BEP-St 2025 angesprochen, wobei unter Punkt 3.4 auch der dadurch bedingte steigende Bedarf an Pflegekräften hervorgehoben wird:

„Es ist angesichts der Prognosen in diesem BEP jedoch davon auszugehen, dass der personelle Bedarf bis 2025 schon allein aus dem Ausbau der Versorgungsstrukturen heraus deutlich zunehmen wird. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass schon in der Ausbildung darauf Bedacht zu nehmen ist, dass der personelle Zusatzbedarf gedeckt werden kann. […] Die Nutzung freistehender personeller Kapazitäten auch aus anderen Professionen wird ebenso in Betracht zu ziehen sein, wie die Attraktivierung dieser Berufsfelder für Berufseinsteiger.“

Die Politik ist folglich angehalten, durch Reformen den Pflegedienst für mehr Menschen erstrebenswerter zu machen. Aktuell kann die Ausbildung für Pflege- und Betreuungsberufe erst ab dem 17. Lebensjahr begonnen werden. Es besteht somit eine Lücke zwischen dem Ende der Pflichtschulzeit und dem möglichen Einstieg in einen Gesundheits- und Sanitätsberuf. Aufgrund dieser Wartefrist gehen dem Pflegesystem viele am Pflegeberuf interessierte junge Menschen verloren, da sie sich in dieser Zeit entweder schulisch oder beruflich anderweitig orientieren. Um diese Lücke zu schließen, soll daher eine spezifische kaufmännische Ausbildung mit Bezug zum Pflegeberuf geschaffen werden, darauf aufbauend soll dann die Vertiefung zum Pflegehelfer stattfinden.

Das Land Vorarlberg geht bereits diesen Weg und hat gemeinsam mit sozialen Organisationen, Krankenhäusern und Bildungsstätten ein Modellprojekt entwickelt, wonach Jugendliche die Möglichkeit haben, zwei Ausbildungen im dualen System zu absolvieren. Dabei steht bei einer Lehrzeit von insgesamt vier Jahren in den ersten drei der theoretische Teil und im letzten Jahr die praxisorientierte Ausbildung am Programm. Eine Übernahme dieses Modells in der Steiermark würde den akuten Pflegekräftebedarf nicht nur weitgehend abdecken, sondern auch vielen jungen Menschen eine berufliche Perspektive bieten. In Vorarlberg wird das neue Berufsfeld sehr gut angenommen – aufgrund des großen Anklangs müssen sogar Bewerber abgewiesen werden.

Das Land Steiermark sollte sich das Vorarlberger Modell zum Vorbild nehmen und ebenfalls eine Ausbildungsmöglichkeit für Pflegeberufe schaffen. Da der demografische Wandel ein Thema von bundesweiter Tragweite ist, sollte sich die Landesregierung zudem bei der Bundesregierung für eine österreichweite Umsetzung des Lehrberufes „Betriebsdienstleistung und Pflegehilfe“ einsetzen.


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Steiermärkische Landesregierung wird aufgefordert,

  1. sich dafür einzusetzen, dass in der Steiermark eine Lehrausbildung für „Betriebsdienstleistung und Pflegehilfe“ nach dem Modellprojekt in Vorarlberg geschaffen wird und
  2. an die Bundesregierung mit dem Ersuchen heranzutreten, die Umsetzung des Ausbildungsmodells „Betriebsdienstleistung und Pflegehilfe“ in allen Bundesländern zu ermöglichen.

Unterschrift(en):
LTAbg. Andrea Michaela Schartel (FPÖ), LTAbg. Hannes Amesbauer, BA (FPÖ), LTAbg. Christian Cramer (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Gerald Deutschmann (FPÖ), LTAbg. Erich Hafner (FPÖ), LTAbg. Herbert Kober (FPÖ), LTAbg. Anton Kogler (FPÖ), LTAbg. Helga Kügerl (FPÖ), LTAbg. Mario Kunasek (FPÖ), Dritter Landtagspräsident Dr. Gerhard Kurzmann (FPÖ), LTAbg. Liane Moitzi (FPÖ), LTAbg. Dipl.-Ing. Hedwig Staller (FPÖ), LTAbg. Marco Triller, BA MSc (FPÖ)