LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 879/1

Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT)

eingebracht am 29.10.2020, 10:24:02


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Zuständiger Ausschuss: Landwirtschaft
Regierungsmitglied(er): Landesrat Johann Seitinger

Betreff:
Direktvermarktung in der regionalen Lebensmittelproduktion ausbauen

Die Corona-Krise hat zu einer tiefgehenden Änderung im Bewusstsein der Bevölkerung geführt und Fehlentwicklungen aufgezeigt. Sie hat beispielsweise sichtbar gemacht, wie verletzlich und abhängig unser Lebensmittelversorgungsystem ist. Wie in einer unlängst durchgeführten Studie von BOKU (Universität für Bodenkultur) und gW/N (Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit) resümiert wird, ist im Krisenfall eine vielfältige, sowie ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Landwirtschaft das widerstandsfähigste und verlässlichste System (Lindenthal & Schlatzer, 2020). Für uns ist daher unbestritten: Es gibt keine Krisensicherheit ohne starke und funktionierende Regionen. Dort entsteht unsere Lebensqualität vor der Haustüre, dort schaffen unsere landwirtschaftlichen Betriebe Versorgungssicherheit für den Fall, dass globale Logistikwege unterbrochen werden.

Wir fordern daher eine Stärkung und Unterstützung der ökologischen, tierwohlgerechten, regionalen Produktion. Dafür braucht es ein klares Bekenntnis, die Bürokratisierung in der Direktvermarktung abzubauen und die Vormachtstellung des Lebensmittelhandels zurückzudrängen. Die Wertschöpfung soll so in wesentlich höherem Ausmaß bei der Landwirtschaft bleiben und die Abhängigkeit von kurzfristigen Lieferverträgen mit dem Lebensmittelhandel zurückgedrängt werden.

Für knapp 13 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich hat die Direktvermarktung eine große Bedeutung. Der durchschnittliche Einkommensanteil durch die Direktvermarktung beträgt 51 % des landwirtschaftlichen Einkommens. Weitere 6 % aller Landwirte denken über einen Einstieg in die Direktvermarktung nach. Als Gründe dafür werden am meisten die fairen Preise, die höhere Wertschöpfung, die Erzielung von zusätzlichem Einkommen und die Sicherung des Arbeitsplatzes am Bauernhof genannt (http://www.chance-direktvermarktung.at/erfolgsgeschichten/status.html).

Die positiven Effekte einer national/regional verankerten Lebensmittelwertschöpfungskette auf die Volkswirtschaft wurden erst kürzlich durch Berechnungen der JKU-Linz und der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) untermauert. Demnach könnten etwa 46.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Österreich geschaffen werden, wenn sich die Konsumationsrate von heimischen Produkten um 20% erhöhen würde (https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200520_OTS0092/neue-studie-20-prozent-mehr-heimische-lebensmittel-schaffen-46000-arbeitsplaetze-anhang).

Nicht zuletzt würde eine vermehrt regional angesiedelte Lebensmittelproduktion unsere Umwelt und unser Klima schonen, da weit gereiste Importgüter einen großen Rucksack an Treibhausgasemissionen umgehängt haben (Lindenthal & Schlatzer, 2020).


Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Die Landesregierung wird aufgefordert,

1. einen Masterplan für den Ausbau von regionalen Direktvermarktungsschienen in der Steiermark zu entwickeln und umzusetzen, um Arbeitsplätze zu schaffen und eine krisenrobuste Lebensmittelversorgung zu gewährleisten, und

2. zusätzliche finanzielle Mittel (mindestens € 20 Mio./Jahr) für die Etablierung dieser Direktvermarktungsschienen aufzuwenden.


Unterschrift(en):
LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne)