LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 660/2

Schriftliche Anfragebeantwortung (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 08.09.2020, 17:59:09


Zu:
660/1 Antibiotika als Gefahr für unser Gesundheitssystem
(Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT))

Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Beilagen: 18_660_2_Beantwortung.pdf

Betreff:
Antibiotika als Gefahr für unser Gesundheitssystem

Die Anfrage vom 10.07.2020, Einl.Zahl 660/1 der Abgeordneten LTAbg. Georg Schwarzl, LTAbg. Sandra Krautwaschl, LTAbg. Lambert Schönleitner, LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck, LTAbg. Veronika Nitsche, MBA und LTAbg. Mag. Alexander Pinter betreffend "Antibiotika als Gefahr für unser Gesundheitssystem" beantworte ich wie folgt:

 

Frage 1

Welche Krankenanstalten in der Steiermark nehmen an dem Antibiotikaverbrauch-Surveillance-Projekt der AGES teil?

An dem Antibiotikaverbrauch-Surveillance-Projekt der AGES nehmen das LKH-Univ.Klinikum Graz und das LKH Graz II teil.

 

Frage 2

Wie hat sich die Zahl der Infektionen mit resistenten Keimen in steirischen Krankenhäusern in den vergangenen fünf Jahren entwickelt? Wie sind diese Zahlen im nationalen und internationalen Vergleich zu bewerten?

Laut Stellungnahme des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie (IKM) der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. (KAGes) werden hier beispielhaft für die Zahl der Infektionen mit resistenten Keimen in steirischen Krankenhäusern die Daten für MRSA (Methicillin [= Oxacillin]-resistente Staphylococcus aureus Stämme) angeführt.

Staph. aureus ist ein grampositives Bakterium, welches rund 20 % der gesunden Bevölkerung in Europa besiedelt (kolonisiert). In Österreich liegt dieser Wert laut der APRES-Studie (appropriateness of prescribing antibiotics in primary health care in Europe with respect to antibiotic resistance) mit 16 % unter diesem Mittelwert der 9 untersuchten europäischen Staaten.

Obwohl dieser Keim hauptsächlich kolonisierend vorkommt, kann er in besonderen Situationen schwere Infektionen auslösen. Vor allem als Ursache nosokomialer Infektionen (= Infektion, die in zeitlichem Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt oder einer stationären medizinischen Maßnahme steht) spielt Staph. aureus und hier vor allem die Methicillin-resistente und damit schwerer behandelbare Form (MRSA) eine bedeutende Rolle.

Österreichweit sind im Jahr 2018 insgesamt 3.310 Meldungen einer Sepsis („Blutvergiftung“) durch Staph. aureus eingelangt, dies entspricht einer Inzidenz (= neu auftretende Krankheitsfälle innerhalb einer Zeitspanne) von 37,5 Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen bzw Einwohner, diese Zahl ist in den letzten Jahren stabil geblieben.

Die Infektionszahlen aufgrund mikrobiologischer Untersuchungen für 15 steirische Krankenhäuser aus den Regionen Graz, Nord-, Süd-West und Süd-Oststeiermark durch das IKM ergeben folgendes Bild:

Invasive MRSA-Positivitätsrate in Prozent, d.h. der Anteil von MRSA an klinisch invasiven Probenisolaten (Blutkulturen), des IKM von 2016 bis 2019:

Erreger

2016

2017

2018

2019

Staph. aureus (MRSA)

0,7 %

1,0 %

1,3 %

0,9 %

 

Für den nationalen Vergleich sind die Daten des aktuellen Resistenzberichts Österreich vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz – AURES 2018 – heranzuziehen. Auf Seite 60 werden die MRSA-Raten – Österreich gesamt angeführt:

Auch hier werden Meldungen für Staph. aureus-Bakteriämien (= Probenisolate aus Blutkulturen) berücksichtigt, im Jahr 2018 sind 3.310 Meldungen eingelangt, die Tabelle zeigt die MRSA-Raten – Österreich gesamt seit 2014:

Erreger

2014

2015

2016

2017

2018

Staph. aureus (MRSA)

7,8 %

7,5 %

7,1 %

5,9 %

6,4 %

 

Für den internationalen Vergleich empfiehlt es sich, die Daten aus der aktuellen europäischen Surveillance Publikation vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), einer Agentur der Europäischen Union, heranzuziehen. Die Zahlen aus den anderen WHO-Regionen, insbesondere den USA und Asien liegen nochmals bedeutend höher.

Im Surveillance Report vom 18. November 2019 „Surveillance of antimicrobial resistance in Europe 2018“ wird für die teilnehmenden Länder der Prozentsatz mit Resistenz gegenüber Methicillin (MRSA) aus invasiven Probenisolaten angegeben. Zur Orientierung wird auch der Bevölkerung-gewichtete Mittelwert der EU- bzw EEA-Länder angeführt, welcher im zeitlichen Verlauf in folgender Tabelle angeführt ist:

Staph. aureus (MRSA)

2015

2016

2017

2018

EU/EEA (population-weighted mean)

19,0 %

17,7 %

16,8 %

16,4 %

 

Die folgende Abbildung aus diesem Surveillance Report zeigt eine geografische Darstellung der unterschiedlichen MRSA Prozentsätze in Europa:

 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die MRSA-Zahlen in den letzten Jahren sowohl in den europäischen wie auch nationalen Surveillance-Berichten einen rückläufigen Trend zeigen.

Laut Stellungnahme der Univ. Klinik für Innere Medizin des LKH-Univ.Klinikum Graz, Leistungsbereich Infektiologie und Tropenmedizin, ist die Zahl der Infektionen mit resistenten Bakterien an der Univ. Klinik für Innere Medizin in den letzten Jahren rückläufig und im Vergleich zu anderen Ländern niedriger.

Österreichweit zeigt sich vor allem bei nosokomialen grampositiven Erregern wie invasiven MRSA im 5-Jahres-Rückblick ein rückläufiger Trend (MRSA Rate 2014 bei 7,8 %, 2018 bei 6,4 %). Einen Problembereich stellen weiterhin österreichweit die gramnegativen Erreger dar, wobei 2018 wiederum ein leichter Anstieg der Fluorochinolon-Resistenz beobachtbar ist (E. coli Chinolon-Resistenz 2018 bei 21,8 %). Auf der Univ. Klinik für Innere Medizin betrug die MRSA-Rate aus Blutkulturen im Jahr 2019 4,2 % und war somit sinkend im Vergleich zu den Vorjahren (2018: 6,9 %, 2017: 7,4 %). Der österreichweite Anstieg der Fluorochinolon-Resistenz zeigt sich nicht auf der Univ. Klinik für Innere Medizin bei invasiven E. coli-Isolaten aus Blutkulturen und bei E. coli-Isolaten aus Mittelstrahlharn; die Chinolon-Resistenzrate ist stabil bei rund 20 %. Die ESBL (Extended Spectrum Beta Laktamase)-Resistenzrate ist im Vergleich zu den Vorjahren gesunken (15 % 2018 auf 12 % 2019).

MRSA-Rate auf der Univ. Klinik für Innere Medizin:

 

Linezolid-resistente Enterokokken und Staphylokokken sind aufgrund der Resistenz gegen Linezolid und der somit eingeschränkten Therapieoptionen problematische nosokomiale Krankheitserreger. Auf der Univ. Klinik für Innere Medizin des LKH-Univ.Klinikum Graz wurde nach einem Ausbruch 2014 durch gezielte Gegenmaßnahmen (Antibiotic Stewardship) ein deutlicher Rückgang der Resistenzrate erzielt. Linezolid-resistente Enterokokken wurden 2019 nur mehr dreimal bei zwei Patientinnen bzw Patienten isoliert. Es handelte sich zweimal um Enterococcus faecium und einmal um Enterococcus faecalis. Die Gesamt-Linezolid-Resistenzrate bei Enterococcus faecium an der Univ. Klinik für Innere Medizin betrug 2018 bezogen auf alle Isolate 0,4 %. Vancomycin-resistente Enterokokken oder Linezolid-resistente Staphylokokken wurden nicht diagnostiziert.

 

Die Resistenzrate bei Pseudomonas aeruginosa ist im Vergleich zum Österreich-weiten Resistenzverhalten auf der Univ. Klinik für Innere Medizin niedriger. So liegt beispielsweise die Piperacillin/Tazobactam-Resistenz bei 8 % im Jahr 2019, während diese Resistenzrate österreichweit bei 18,8 % liegt.

 

Die Carbapenem-Resistenzrate bei gramnegativen Bakterien (Carbapenemresistente Enterobakterien, CRE) ist im Vergleich zu den Vorjahren gesunken; solche Bakterien wurden 2019 bei 12 Patientinnen bzw Patienten auf der Univ. Klinik für Innere Medizin diagnostiziert.

 

Frage 3

Wie hat sich die Zahl der Todesfälle, die auf eine Infektion mit resistenten Keimen zurückzuführen sind, in den vergangenen fünf Jahren entwickelt?

Laut Stellungnahme des IKM existiert keine einheitliche Definition der Todesfälle, die auf eine Infektion mit resistenten Keimen zurückzuführen sind. Aufgrund von Berechnungen ergibt sich für Gesamt-Österreich eine Zahl von 52 bis 99 potentiell vermeidbaren Todesfällen pro Jahr.

Diese Zahl berechnet sich folgendermaßen:

Hospital Acquired Infections (HAI) in Österreich pro Jahr: im Range von 50.000 – 95.000 HAI/a

davon 30 % potentiell vermeidbare HAI: -> ergibt 15.000 – 28.500 HAI/a potentiell vermeidbar

von diesen HAI sind 5 % auf multiresistente Erreger (MRE) zurückzuführen: -> 725 – 1425 potentiell vermeidbare MRE-HAI/a

davon verlaufen im Schnitt 7 % (Range 3% - 11%) tödlich: -> 52,5 – 99,75 potentiell vermeidbare MRE-HAI Todesfälle/a

 

Laut Stellungnahme der Univ. Klinik für Innere Medizin, Leistungsbereich Infektiologie und Tropenmedizin, ist aus dem AURES Bericht 2018 abzulesen, dass die Menge der in der Humanmedizin verwendeten Antibiotika in Österreich unverändert bei rund 70 Tonnen liegt und rund zwei Drittel davon im niedergelassenen Bereich verordnet bzw verwendet werden. Am LKH-Univ.Klinikum Graz werden seit vielen Jahren „Antimicrobial stewardship“ und ein klinikumsweiter Infektiologischer Konsiliardienst betrieben, um eine qualitativ möglichst hochwertige infektiologische Betreuung der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten.

Im europäischen Vergleich ist Österreich im hinteren Drittel der durch resistente Erreger verursachten Todesfälle.

 

Im europäischen Vergleich ist Österreich auch im hinteren Drittel der durch resistente Erreger verlorenen Lebensjahre (DALYs).

 

Die Zahl der Infektionen durch resistente Erreger ist, wie oben ausgeführt, rückläufig und die Todesfälle im Vergleich zu anderen europäischen Ländern niedrig. Am LKH- Univ.Klinikum Graz wird von der Univ. Klinik für Innere Medizin, Leistungsbereich Infektiologie und Tropenmedizin, in Zusammenarbeit mit allen Kliniken, der Anstaltsapotheke und den mikrobiologischen Labors „Antimicrobial Stewardship“ betrieben. Die Steiermark hat in diesem Bereich eine Vorreiterrolle, wobei Univ.Prof. Dr. Robert Krause in Europäischen Projekten zu Antimicrobial Stewardship (internationales EU Project "ABS International" und nationale Folgeprojekte des Bundesministeriums und der Fachgesellschaften) und nationalen Aktivitäten ausgehend von der ÖGACH (Österr. Gesellschaft für Antimikrobielle Chemotherapie) beteiligt war und ist.

Im Jahr 2009 wurde der Infektiologische Konsiliardienst am LKH-Univ.Klinikum Graz zur qualitativen Verbesserung der diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen bei Patientinnen und Patienten mit Infektionskrankheiten eingerichtet. Seither wurden 16 „Antimicrobial Stewardship“-Projekte in dauerhafte Tätigkeiten und Aktivitäten überführt. Herauszuheben sind die Projekte zur „Staphylococcus aureus Bakteriämie“ und verbesserten Diagnostik sowie Therapie bei Blutvergiftungen (RASTID), wobei ersteres zu einer dauerhaft verbesserten 1-Jahres-Überlebensrate bei Staph. aureus Bakteriämien um 20 %-Punkte (von 50 auf 70 %) führte und bei zweitem die antiinfektive Therapie in 54 % aller Fälle mit Blutvergiftungen verbessert werden konnte. Solche zielgerichteten antiinfektiven Therapien sind wesentliche Bausteine zur Hintanhaltung von Resistenzentwicklungen.

Das Projekt zur „Staphylococcus aureus Bakteriämie“ erreichte 2014 das Finale für den Steirischen Gesundheitspreis SALUS.

Im LKH-Univ.Klinikum Graz wurde die von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) veröffentlichte neue Risikobewertung für Fluorochinolone in den klinischen Alltag integriert. Die EMA veröffentlichte im April 2019 eine Anwendungsbeschränkung für Fluorchinolon-Antibiotika. Diese Substanzklasse ist bei vielen Infektionen, insbesondere für die orale Folgetherapie bei tiefsitzenden Infektionen (zB Protheseninfektionen in der Orthopädie) jedoch notwendig. Daher erfolgte eine Risikobewertung und Erstellung eines Plans hinsichtlich des weiteren Umgangs mit den Chinolonen, speziell für die Gefäßchirurgie, Orthopädie und Urologie.

Weiter wurden für den Infektiologischen Konsiliardienst standardisierte Textblöcke für die schriftlichen Konsile erstellt, welche die notwendigen Vorkehrungen detailliert beschreiben und somit zur Patientensicherheit beitragen.

Die intrahospitale Anwendung der Chinolone ist am LKH-Univ.Klinikum Graz in der Folge deutlich gesunken (von zuvor stabilen Werten 2014 bis 2018 zwischen 8,5 und 8,9 auf 5,9 DDD/100 Patiententage im Jahr 2019; Quelle: webkess). Diese Auswertungen und Vergleiche mit anderen Kliniken im internationalen Vergleich sind durch das AGES Verbrauchserfassungstool durchführbar.

Neue antiinfektive Substanzen, die oftmals als Reservesubstanzen für multiresistente Erreger eingesetzt werden sollen, werden am LKH-Univ.Klinikum Graz über die Arzneimittelkommission mit bestimmten Restriktionen und verbundenen Freigabemechanismen für die gezielte Therapie zur Verfügung gestellt, um einen unnötig breiten Einsatz hintanzuhalten und möglichst lange wirksame Therapieoptionen zu behalten. Diese Präauthorisation und Freigabe erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Infektiologischen Konsiliardienst, wird am LKH-Univ.Klinikum Graz durchgeführt und erfasst auch antimikrobielle Therapien in anderen KAGes-Häusern.

Neben postgradualen Fortbildungen werden auch Studentinnen sowie Studenten der Humanmedizin in der Thematik eines sorgsamen und richtigen Umgangs mit antiinfektiven Substanzen unterrichtet (EU-Vorgabe „prudent use of antimicrobials“). Von der Univ. Klinik für Innere Medizin, Leistungsbereich Infektiologie und Tropenmedizin, wurde dafür ein spezielles Studienmodul „Wie verwende ich antimikrobielle Substanzen richtig – antimicrobial stewardship for students“ ausgearbeitet und wird den Studentinnen sowie Studenten der Humanmedizin seit Jahren angeboten.

 

Frage 4

Welche Anstrengungen wurden unternommen, um die Ausbreitung von resistenten Keimen in den Krankenhäusern zu minimieren?

Laut Stellungnahme des IKM wird ein Hauptaugenmerk auf regelmäßige Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen des ärztlichen und pflegerischen Personals sowie der auszubildenden Ärztinnen sowie Ärzte in der Basisausbildung und Studentinnen sowie Studenten der Humanmedizin und Zahnmedizin im Rahmen des Wirkungsbereiches der steirischen Krankenhäuser als Lehrkrankenhäuser der Medizinischen Universität Graz gelegt. Im Jahre 2019 wurden dafür vom IKM alleine 155 Stunden für ärztliche Fortbildung aufgewendet.

Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KAGes werden seitens des IKM validierte Fachrichtlinien und Basis-Hygienemaßnahmen zur Verfügung gestellt, die laufend aktualisiert werden. Schulung, Umsetzung und Kontrolle dieser Vorgaben erfolgen durch lokale Hygienefachkräfte.

  • RL 2002.8242 Hygienemaßnahmen bei ausgewählten (epidemiologisch relevanten) infektiösen Erkrankungen;

  • FRL 20 Persönliche Hygiene und Hygienische Aspekte der Dienstkleidung im patientennahen Bereich;

  • FRL 11 Hygienemaßnahmen beim Nachweis von MRSA, VRE, LRE (Anmerkung: Diese Abkürzungen entsprechen Keimen mit speziellen Resistenzmechanismen: MRSA = Methicillin resistente Staphylococcus aureus, VRE = Vancomycin resistente Enterokokken, LRE = Linezolid resistente Enterokokken.);

  • FRL 38 Isolierung von Patienten;

  • FRL 27 Hygienemaßnahmen beim Nachweis von gram-Bakterien;

  • RL 2000.5385 Vorgehen bei Verdacht auf hochinfektiöse Erkrankung (Virus hämorrhagisches Fieber - Ebola).

Weiter finden KAGes-weite Projekte statt, zB NISS (Nosokomiales Infektions-Surveillance System), Aktion „Saubere Hände“.

Laut Stellungnahme der Univ. Klinik für Innere Medizin, Leistungsbereich Infektiologie und Tropenmedizin, wurden und werden folgende beispielhaft angeführten Maßnahmen am LKH-Univ.Klinikum Graz ergriffen, um Personen vor Infektionen durch resistente Bakterien zu schützen (Verhinderung von nosokomialen Infektionen durch resistente Bakterien):

  • Umsetzung der Standards zur Händehygiene inkl. 5 Momente der Händedesinfektion, Schulungen, Isolation in geeignete Zimmer oder Bereiche, Verbesserung der Diagnostik für multiresistente Erreger.

  • Qualitativ hochwertige Therapie durch „antimicrobial stewardship“ Maßnahmen.

  • Screening von Patientinnen und Patienten bei Repatriierung aus Ländern mit bekannt hohen Raten an resistenten Erregern;

  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Infektiologie, Labors und Krankenhaushygiene;

  • Tätigkeiten der Hygienefachkräfte in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Stationen und Ambulanzen;

  • Optimierung der Antibiotikaprophylaxe vor operativen Eingriffen;

  • Erfassung der lokalen Resistenzdaten sowie Einspielung der Resistenzdaten in der österreichischen (AURES) und europäischen (EARS-Net) Resistenzstatistik;

  • Harmonisierung mit anderen Labors und strukturierte Erfassung von multiresistenten gramnegativen Erregern nach Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (Bundesgesundheitsbl 2012;55:1311–1354).
     

Frage 5

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um Personen in Krankenhäusern vor Infektionen durch gefährliche Keime zu schützen?

Das IKM versorgt alle KAGes-Krankenanstalten sowie eine Vielzahl anderer Krankenhäuser in der Steiermark mit den bereits in der Antwort zu Frage 4 angeführten fachlich validierten Basis-Hygienemaßnahmen und Fachrichtlinien. Diese werden vom IKM laufend gemäß dem Konsens internationaler, europäischer und nationaler Expertinnen- bzw. Expertengremien aktualisiert. In der Folge werden diese mittels E-Mails bzw. einer mittels Lesekontrolle nachvollziehbaren KAGes-internen Dokumentenzustellung (iservice@kages.at) allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht. Die Schulung, Umsetzung und Kontrolle dieser Vorgaben erfolgt durch lokale Hygieneteams (Hygienefachkräfte und Hygienebeauftragte Ärztinnen sowie Ärzte) gemäß den Hygieneplänen und wird mittels dieser Verfahrensweisen dokumentiert. Weitere Partnerinnen sowie Partner sind hier die jeweiligen Sicherheitsfachkräfte und Arbeitsmedizinerinnen sowie -mediziner in den KAGes-Häusern.

Am LKH Hochsteiermark gibt es zusätzlich einen eigenen Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie als jederzeitigen Ansprechpartner sowie Begleiter in der Umsetzung der Hygienerichtlinien.

Folgende Fachrichtlinien des IKM sind für die Bekämpfung der Ausbreitung von resistenten Keimen in den Krankenhäusern relevant:

  • Hygienemaßnahmen bei ausgewählten (epidemiologisch relevanten) infektiösen Erkrankungen (Serviceunterlage 2002.8242);

  • FRL 20 Persönliche Hygiene und Hygienische Aspekte der Dienstkleidung im patientennahen Bereich;

  • FRL 11 Hygienemaßnahmen beim Nachweis von MRSA, VRE, LRE (Anmerkung: Diese Abkürzungen entsprechen Keimen mit speziellen Resistenzmechanismen: MRSA = Methicillin resistente Staphylococcus aureus, VRE = Vancomycin resistente Enterokokken, LRE = Linezolid resistente Enterokokken.);

  • FRL 38 Isolierung von Patienten;

  • FRL 27 Hygienemaßnahmen beim Nachweis von gramnegativen Bakterien.

Laut Stellungnahme der Univ. Klinik für Innere Medizin, Leistungsbereich Infektiologie und Tropenmedizin, existieren am LKH-Univ.Klinikum Graz Standards inkl. Diagnostik- und Therapieleitlinien, die eine adäquate kalkulierte antiinfektive Therapie gewährleisten. Da zwei Drittel der antiinfektiven Substanzen und vor allem Antibiotika für Atemwegsinfektionen im niedergelassenen Bereich verwendet werden, ist vor allem dieser Bereich im Sinne einer qualitativen Verbesserung zu adressieren. Hierfür laufen Initiativen unterschiedlicher Fachgesellschaften (ÖGIT, ÖGACH) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium zur qualitativen Anhebung der Antibiotikaverordnungen sowie weitere Initiativen zur Verbesserung der Schnittstelle zwischen intrahospitaler und extrahospitaler antiinfektiver Therapie.

 

Frage 6

Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Verschreibung von Antibiotika (zum Beispiel bei Virusinfektionen) oder Breitbandantibiotika einzudämmen und wäre in diesem Zusammenhang eine Aufklärungskampagne sinnvoll?

Gemäß Stellungnahme des IKM informieren mikrobiologische Befunde darüber, ob ein bakterieller oder viraler Krankheitserreger ursächlich für eine Infektion ist und gegen welche Antibiotika ein bakterieller Krankheitserreger resistent bzw. sensibel ist. Diese Befunde bieten somit eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die antiinfektive Therapie.

Das IKM hat es sich zum Ziel gemacht, bei der Erstellung dieser Befunde besonderes Augenmerk auf die Anwenderorientiertheit zu legen und über den Tellerrand der bloßen Angabe von Antibiotikaresistenzen hinaus zu schauen. So werden etwa multiresistente Erreger bei Notwendigkeit mit dem Hinweis auf erweiterte Hygienemaßnahmen versehen sowie bei auffälligen Befundkonstellationen in Frage kommende (Reserve-)Antibiotika zum Zwecke der Therapieoptimierung nachgetestet. Als weiterer Baustein zur Stärkung dieser Praxis-Orientiertheit der Laborleistungen des IKM steht eine Interpretationshilfe für Antibiogramme seit Herbst 2019 als online-Version zum Download bereit. Derzeit wird eine aktualisierte Druckversion dieser Interpretationshilfe im praktischen Format zum Einstecken an das ärztliche Personal der KAGes-Häuser versendet.

In den KAGes-Häusern werden elektronische Hilfsmittel im Verordnungsprozess bereitgestellt. Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit der Darstellung der Resistenzdaten von Antibiotika im Zuge der Verordnung mittels elektronischer Fieberkurve.

Eine professionell geführte Aufklärungskampagne unter Inanspruchnahme einer in diesen Belangen erfahrenen Medienagentur wäre sicherlich sinnvoll.

 

Frage 7

Laut Anfragebeantwortung EZ/OZ: 346/2, XVII. Gesetzesperiode war im Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der KFU Graz ein neues Projekt zur Untersuchung von Emission bzw. Immission von MRSA-Keimen geplant. Wurde dieses Projekt durchgeführt und welche Ergebnisse liegen vor?

Es handelt sich um die Medizinische Universität Graz.

Diese Frage fällt nicht in den sachlichen Zuständigkeitsbereich der Frau Landesrätin.

Erklärung:

Es handelt sich um ein Projekt betreffend Nutztierhaltung und Kompostieranlagen.

 

Frage 8

Gibt es Best-Practice Methoden, die sich aus internationalen Studien zur Eindämmung und Behandlung multiresistenter Keime ableiten lassen und in steirischen Krankenanstalten angewendet werden?

Seitens des IKM angeführte Beispiele sind:

  • S3- Leitlinie Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus; AWMF-Registernummer 092 -001, Stand: 31.01.2019, gültig bis 30.01.2024: In den KAGes-Krankenanstalten erfolgt die Umsetzung dieser Leitlinie;

  • EU-Leitlinien für die umsichtige Verwendung antimikrobieller Mittel in der Humanmedizin, Bekanntmachung der Kommission (2017/C 212/01);

  • European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net), letzter Bericht: European Centre for Disease Prevention and Control, Antimicrobial resistance surveillance in Europe 2018, Annual report of the European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net), ECDC, Stockholm (2019);

  • Global Action Plan on Antimicrobial Resistance. World Health Organization. ISBN 978 92 4 150976 3;

  • Antimicrobial Stewardship Programs in Health Care Systems; Clinical Microbiology Reviews, Oct. 2005, p. 638–656 Vol. 18, No. 4 0893-8512/05/$08.000 doi:10.1128/CMR.18.4.638–656.2005 American Society for Microbiology;

  • Doron, S., & Davidson, L. E. (2011). Antimicrobial stewardship. Mayo Clinic proceedings, 86(11), 1113–1123. https://doi.org/10.4065/mcp.2011.0358.

Die Univ. Klinik für Innere Medizin, Leistungsbereich Infektiologie und Tropenmedizin, merkt an, dass solche best-practice Methoden aus der Steiermark heraus mitentwickelt worden sind (österreichweite ABS Aktivitäten mit steirischer Beteiligung, Univ.Prof. Dr. Robert Krause; EU Projekt „ABS international“ und Publikationen zum verantwortungsvollen Einsatz von antiinfektiven Substanzen) und u.a. die Erstellung von Antibiotikalisten, Guidelines, Restriktionen, Freigabemodalitäten für die Verschreiberinnen bzw. Verschreiber sowie Verbrauchs- und Resistenzerfassung betreffen (www.oegach.at; Valentin et al, Clin Infect Dis. 2014;58(4):599-600).

 

 

Landesrätin Dr.in Juliane Bogner-Strauß