LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


EZ/OZ: 660/1

Schriftliche Anfrage an die Landesregierung oder eines ihrer Mitglieder (§ 66 GeoLT)

eingebracht am 10.07.2020, 07:19:26


Landtagsabgeordnete(r): LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)
Fraktion(en): Grüne
Regierungsmitglied(er): Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß
Frist: 10.09.2020

Betreff:
Antibiotika als Gefahr für unser Gesundheitssystem

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt die weltweite Zunahme antibiotikaresistenter Bakterienstämme alarmierende Ausmaße an. Die WHO warnt bereits, dass Antibiotikaresistenz "100 Jahre medizinischen Fortschritts zunichte zu machen" drohe. Eine Lösung dafür zu finden, sei eine der dringendsten Herausforderungen im Gesundheitsbereich. Aus wissenschaftlicher Sicht besteht kein Zweifel, dass der intensive Antibiotikaeinsatz die Hauptursache für das zunehmende Auftreten resistenter Bakterien darstellt (Stange & Thiem, 2018).

Laut dem aktuellen „BERICHT ÜBER DEN VERTRIEB VON ANTIBIOTIKA IN DER VETERINÄRMEDIZIN IN ÖSTERREICH 2014–2018, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), hat die Verkaufsmenge 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich (11,7 %) zugenommen. Und: „Die Vertriebsmenge der Antibiotika, die von der WHO als ”Antibiotika von allerhöchster Bedeutung für die Humanmedizin“ eingestuft sind, hat von 2017 auf 2018 um 8 %, von 5,35 auf 5,79 Tonnen zugenommen. Quelle: https://www.ages.at/download/0/0/6f1155fcbe47fa14603ac337b0a5db7fff5bab32/fileadmin/AGES2015/Themen/Arzneimittel_Medizinprodukte_Dateien/AB_Mengen_AUT_Bericht_2018.pdf

Der häufige Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier treibt die Bildung resistenter Keime voran, was dazu führt, dass Infektionen, die bisher gut mit Antibiotika behandelbar waren, zu Problemfällen werden können. Haben die Mittel ihre Wirkung erst verloren, kann selbst eine einfache Infektion lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

Zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen und dem umsichtigen Einsatz von Antibiotika bietet die AGES ein kostenfreies und anonymisiertes Antibiotikaverbrauch-Surveillance-Projekt für österreichische Krankenanstalten an: „Dieses Projekt bietet interessierten Krankenanstalten die Möglichkeit, ihre Antibiotikaverbrauchsdaten mittels eines österreichweit standardisierten Meldeverfahrens zu erfassen und auswerten zu können und stellt ihnen eine statistisch abgesicherte Grundlage für das Management des sorgfältigen Einsatzes von Antibiotika (Antibiotika Stewardship) zur Verfügung.„


Es wird daher folgende

Schriftliche Anfrage

gestellt:

1. Welche Krankenanstalten in der Steiermark nehmen an dem Antibiotikaverbrauch-Surveillance-Projekt der AGES teil?

2. Wie hat sich die Zahl der Infektionen mit resistenten Keimen in steirischen Krankenhäusern in den vergangenen fünf Jahren entwickelt? Wie sind diese Zahlen im nationalen und internationalen Vergleich zu bewerten?

3. Wie hat sich die Zahl der Todesfälle, die auf eine Infektion mit resistenten Keimen zurückzuführen sind, in den vergangenen fünf Jahren entwickelt?

4. Welche Anstrengungen wurden unternommen, um die Ausbreitung von resistenten Keimen in den Krankenhäusern zu minimieren?

5. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um Personen in Krankenhäusern vor Infektionen durch gefährliche Keime zu schützen?

6. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Verschreibung von Antibiotika (zum Beispiel bei Virusinfektionen) oder Breitbandantibiotika einzudämmen und wäre in diesem Zusammenhang eine Aufklärungskampagne sinnvoll?

7. Laut Anfragebeantwortung EZ/OZ: 346/2, XVII. Gesetzesperiode war im Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der KFU Graz ein neues Projekt zur Untersuchung von Emission bzw. Immission von MRSA-Keimen geplant. Wurde dieses Projekt durchgeführt und welche Ergebnisse liegen vor?

8. Gibt es Best-Practice Methoden, die sich aus internationalen Studien zur Eindämmung und Behandlung multiresistenter Keime ableiten lassen und in steirischen Krankenanstalten angewendet werden?


Unterschrift(en):
LTAbg. Georg Schwarzl (Grüne), LTAbg. Sandra Krautwaschl (Grüne), LTAbg. Lambert Schönleitner (Grüne), LTAbg. Dipl.-Ing.(FH) Lara Köck (Grüne), LTAbg. Veronika Nitsche, MBA (Grüne), LTAbg. Mag. Alexander Pinter (Grüne)