LANDTAG STEIERMARK
XVIII. GESETZGEBUNGSPERIODE


TOP 19

EZ/OZ 968/5

Schriftlicher Bericht

Ausschuss: Infrastruktur

Betreff:
Personenverkehr auf der "Gleichenberger Bahn"

 

zu:
EZ 968/1, Den regelmäßigen Personenverkehr auf der „Gleichenberger Bahn“ langfristig absichern (Selbstständiger Antrag von Abgeordneten (§ 21 GeoLT))

 

Der Ausschuss "Infrastruktur" hat in seiner Sitzung am Dienstag, dem 16.03.2021 über den oben angeführten Gegenstand die Beratungen durchgeführt.

Mit Beschluss des Ausschusses für Infrastruktur vom 01.12.2020 wurde die Steiermärkische Landesregierung ersucht eine Stellungnahme zum Antrag Einl.Zahl 968/1 abzugeben.

Aufgrund dieses Beschlusses erstattet die Landesregierung folgende Stellungnahme:

„Die Gleichenberger Bahn verkehrte bis Jahresende ab Feldbach. Die Entscheidung, den täglichen Personenverkehr im Abschnitt Feldbach - Bad Gleichenberg mit dem Bus abzuwickeln und die Bahn touristisch zu nutzen, erfolgte auf Basis der Tatsache, dass der Bus für die Strecke Feldbach (Bahnhof) - Bad Gleichenberg (Bahnhof) 28 Minuten benötigt, dabei zusätzlich die Innenstädte von Feldbach und Bad Gleichenberg sowie die Ortschaften Mühldorf und Gleichenberg-Dorf erschließt, während die Gleichenberger Bahn 39 Minuten von Bahnhof zu Bahnhof braucht, die Innenstädte nur am Rande berührt und unterwegs nur Oedt direkt und Trautmannsdorf am Rande bedient. Der Bahnhof Gnas liegt von der Ortschaft Gnas so weit entfernt, dass die Bedienung für den Alltagsverkehr von Gnas keine Bedeutung hat.

Auch die Fahrgastzahlen der letzten Jahre zeigten dieses Problem deutlich. Die Summe der täglichen Einsteiger lag konstant bei 120 bis 140 (seit 2015 durchgehend bei rund 120), wobei alleine rund 80 Einsteiger (das sind 40 tägliche Fahrgäste) auf das tägliche Schülerzugpaar entfielen, womit in den restlichen Zügen weniger als 10 Personen pro Tag und Zug verkehrten.  Zum Vergleich: Bei Anwendung der Systemadäquanzkriterien (Kriterien für eine wirtschaftlich vertretbare Nutzung der Infrastruktur) des BMK für Regionalbahnen würde die Gleichenberger Bahn bezogen auf die Streckenlänge ein Fahrgastpotential von mindestens 700 Einsteigern pro Tag erfordern.

Da die Gleichenberger Bahn aber im Tourismusverkehr attraktiv ist, weil museale Triebwagen durch eine reizvolle Landschaft führen, wurde beim Beschluss des Regionalen Mobilitätsplanes hinterlegt, dass die Bahn künftig eine reine touristische Nutzung erfahren soll. Die Verantwortung dafür liegt als Aufgabenträger bei der Tourismusregion.

Die beiden oben genannten Punkte werden durch eine Elektrifizierung der steirischen Ostbahn nicht behoben. Die Fahrzeit auf der Bahn hängt ganz wesentlich vom Zustand der insgesamt 82 Eisenbahnkreuzungen und –übergänge ab, bei deren Überprüfung zumeist entweder die Notwendigkeit einer technischen Sicherung (Kostenpunkt über 100.000 Euro pro Eisenbahnkreuzung), eine weitere Geschwindigkeitsreduktion oder eine Auflassung (gegen welche es zumeist erheblichen Widerstand in der Region gibt) nach sich zieht. Auch die Lagegunst wird durch die Linienführung der Bahn bestimmt.

Auch wenn bei einem großen Anteil der elektrischen Anlagen eine etwaige Umstellung auf das Bahnstromsystem (15kV 16,7Hz Wechselstrom statt 1,8kV Gleichstrom) bereits berücksichtigt wurde, ist keineswegs sicher, dass all diese Vorleistungen auch bei einer Umstellung heutzutage sowie einem Anschluss an die ÖBB-Stromversorgung nach gegenwärtigen Normen und Richtlinien genützt werden könnten. Außerdem könnte bei einer Umstellung des Stromsystems ein wesentliches Asset ihrer Attraktivität als Tourismusbahn, nämlich die Triebwagen aus der Zeit der Errichtung, nicht mehr auf der Strecke eingesetzt werden.

Eine Führung direkter Züge von Graz nach Bad Gleichenberg erscheint auf den ersten Blick attraktiv, ist aber tatsächlich nicht unter zufriedenstellenden Bedingungen zu erreichen. Das Angebotskonzept der steirischen Ostbahn nach Elektrifizierung sieht einen systematischen Halbstundentakt (abwechselnd S-Bahn und REX) zwischen Gleisdorf und Fehring vor, der auch für beide Zugsysteme bis Fehring gebraucht wird, da in Fehring ansonsten ein schlechteres Angebot als heute bestünde. Eine weitere systematische Verdichtung ist wegen der Eingleisigkeit der steirischen Ostbahn nicht möglich. Ab Feldbach käme also nur eine Flügelung nach Gleichenberg und Fehring in Frage, die jedoch aufgrund des hohen Zeitbedarfes dafür (drei bis vier Minuten pro Richtung) und der knappen Wendezeit in Fehring den Fahrplan zwischen Feldbach und Fehring verunmöglichen würde. Nicht zuletzt müsste die betroffene Garnitur dann stets als Doppelgarnitur mit Triebwagen geführt werden, was zum einen außerhalb der Hauptverkehrszeit nur schwer zu rechtfertigen und zum anderen mit der derzeitigen österreichischen Flottenstrategie (Prüfung des Einsatzes von Doppelstockwagen auf der steirischen Ostbahn) nur schwer umsetzbar wäre.

Nicht zuletzt aber bliebe dennoch das wesentliche Problem. Wenn die fünfminütige Umsteigezeit durch eine vierminütige Zeit zum Trennen ersetzt wird, wäre damit weder das Problem der Reisezeit noch das Problem, dass die Bahn die Orte deutlich schlechter als der Bus erschließt, gelöst. Die Problematik der Eisenbahnkreuzungen bliebe in jedem Fall bestehen.

Bei der Beantwortung der Frage, inwieweit die Fortführung der Bahn als Tourismusbahn sinnvoll ist, ergibt sich schon aus der Fragestellung, dass das Verkehrsressort mangels Zuständigkeit keine Aussage treffen kann und der Entscheidung der Region nicht vorgreift. Fakt ist jedoch, dass sich die Region für das Jahr 2021 jedenfalls für einen Weiterbetrieb am Wochenende entschieden hat.

Betreffend elektrischem Betrieb ist zu erwähnen, dass mittelfristig auch eine Dekarbonisierung des Busbetriebes erfolgen wird.“

 

Es wird daher der

Antrag

gestellt:

Der Landtag wolle beschließen:

Der Bericht des Ausschusses für Infrastruktur zum Antrag der Abgeordneten der Grünen, EZ 968/1 betreffend "Den regelmäßigen Personenverkehr auf der "Gleichenberger Bahn" langfristig absichern" wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Die Obfrau:
LTAbg. Helga Ahrer